Mittwoch, 18. Oktober 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 19. Oktober 2017: Blue Styl

Caspar David Friedrich: Blick auf Greifswald. Um 1818,
Aquarell, 24 x 35,6 cm, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

Caspar David Friedrich war ein Ateliermaler. Seine Gemälde und Aquarelle entstanden nie vor der Natur. Sie waren sämtlich Konstruktion einer inneren Wirklichkeit, in der Elemente der äußeren Wirklichkeit miteinander verbunden, komponiert wurden. Im Herbst unternahm Friedrich auf Grundlage seiner mitgebrachten Zeichnungen auch Form- und Farbexperimente, die oft einmalige Ergebnisse brachten.
Bei der Ansicht seiner Heimatstadt Blick auf Greifswald von der Boddenmündung des Ryck aus gesehen, versucht der Maler mit nur zwei Grundtönen Blau und Gelb auszukommen, so dass nicht nur das Wasser des Flusses, sondern auch die Stadtsilhouette bläulich, wie aus dem Meer entstiegen, erscheint. Das macht er mit einem zarten Aquarellton, der in der unkalibrierten Wiedergabe leider nicht zum Tragen kommt. Dieser dualen Farbkomposition kann man auch heute noch Modernität unterstellen.

Caspar David Friedrich Kalender am 18. Oktober 2017: Schau, dies ist des Malers Land

Caspar David Friedrich: Zwei Männer auf Mönchgut. 1826, Feder,
17,1 x 18,6 cm, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

In dieser Woche findet der 5. Wanderherbst Rügen - 13. bis 22. Oktober 2017 - statt.

Die angebotenen Wanderungen führen an jene Gegenden, an denen Caspar David Friedrich am häufigsten gezeichnet hat, zum Beispiel am Freitag auf Mönchgut.

Weitere Informationen hier

Dienstag, 17. Oktober 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 17. Oktober 2017: Lieblicher Horror

Bernardo Belotto (Canaletto): Dresden vom rechten Elbufer
unterhalb der Augustusbrücke. 1748, Öl auf Leinwand,
133 x 237 cm, Gemäldegalerie Alter Meister Dresden

Bernardo Bellotto, genannt Canaletto starb am 17. Oktober 1780 in Warschau. Nichts hat Caspar David Friedrich so unter Druck gesetzt, wie die berühmte Dresden-Ansicht (heute:Canaletto-Blick) des venezianischen Malers. Für viele Zeitgenossen lag hierin die ganze Schönheit der Elbestadt und Friedrich musste sich unzählige Male die Frage gefallen lassen, warum er in seinen Bildern diesen lieblichen Ausdruck nicht preisen wollte. Hierauf kann man ihn zitieren:

Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch was er in sich sieht. Sieht er aber nichts in sich, so unterlasse er auch zu malen, was er vor sich sieht. Sonst werden seine Bilder den Spanischen Wänden gleichen, hinter denen man nur Kranke und Tote erwartet.

Friedrich, der in der Stadt nicht glücklich war, weil ihm jene beruflich Anerkennung verwehrt wurde, die er erhoffte, kamen die Dresden-Ansichten nicht gut weg. Die Panoramen der Stadt gerieten entweder düster oder wurden hinter einen Berg gestellt. Dass er auch heitere Veduten malen konnte, zeigt seine Ansicht von Greifswald. Es lag also an der inneren Sicht.


Caspar David Friedrich: Sonnenuntergang hinter der Dresdener
Hofkirche, 1824, Öl auf Leinwand, 20,8 × 24,7 cm, Privatbesitz

Caspar David Friedrich: Die Augustusbrücke in Desden. Um 1830, Öl auf
Leinwand, 28 x 35 cm, ehem. Hamburger Kunsthalle, verbrannt
Caspar David Friedrich: Wiesen bei Greifswald. Um 1822,
Öl auf Leinwand, 35 x 49 cm, Hamburger Kunsthalle

Sonntag, 15. Oktober 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 16. Oktober 2017: Der zu spät Gekommene

Arnold Böcklin: Die Toteninsel. 1883, Öl auf Leinwand,
80 x 150 cm, Alte Nationalgalerie

Am 16. Oktober 1827 wurde Arnold Böcklin in Basel geboren. Der Schweizer war der letzte Maler des 19. Jahrhunderts, der sich in die Tradition von Caspar David Friedrich stellte. Das Gemälde Die Toteninsel gilt als das bedeutendste Werk des Spätromantikers. Man kann es als kompositorisches Pendant zu Friedrichs 1817 entstandenes Gedächtnisbild für Johann Emanuel Bremer sehen.
Die Zeit der Romantik war vorbei, sie wurde als phantastische Schwärmerei und subjektivistische Weltflucht abgetan. Nur der bayerische König Ludwig I. protegierte die Kunst Böcklins. 

Caspar David Friedrich: Gedächtnisbild für Johann Emanuel Bremer.
Um 1817, Öl auf Leinwand, 57 x 44 cm, Schloss Charlottenburg

Caspar David Friedrich Kalender am 15. Oktober 2017: Malerischer Nebel

Caspar David Friedrich: Nebel im Elbtal. Um 1824,
Öl auf Leinwand. 33 x 42,5 cm, Alte Nationalgalerie Berlin

Der Herbst ist die Zeit der malerischen Nebel. Dann brach Caspar David Friedrich morgens im Dunkel von seinem Haus in Dresden auf, um im Elbtal das ästhetische Spiel von durchbrechender Sonne und aufsteigenden Nebel zu beobachten. Aus diesen Beobachtungen entstanden im Atelier Gemälde wie Nebel im Elbtal, das eine Landschaft bei Bad Schandau zeigt.

Freitag, 13. Oktober 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 14. Oktober 2017: Der entführte Maler

Johan Christian Dahl: Der Ausbruch des Vesuv im Dezember 1820.
1826, Öl auf Leinwand, 128 x 172 cm, Städl Museum Frankfurt am Main

Johan Christian Clausen Dahl starb am 14. Oktober 1857 in Dresden. Der norwegische Maler war ein enger Freund Caspar David Friedrichs. Dahl wollte Friedrich zu einer Italienreise überreden. Wie auch bei anderen Angeboten lehnte der Pommer dankend ab. Bei einer Einladung durch seinen  Malerfreund Frederik Christian Lund schrieb er zur Begründung folgendes:
Dank für die freundliche Einladung nach Rom zu kommen, aber ich gestehe frei daß mein Sinn nie dahin getrachtet. Aber jetzt da ich einige Zeichenbücher des H[errn] Farber durchblättert bin ich fast anderen Sinnes worden. Ich kann es mir jetzt recht schön denken nach Rom zu reisen und dort zu leben. Aber den Gedanken von da wieder zurück nach Norden könnte ich nicht ohne Schaudern zu denken; daß hieße nach meiner Vorstellung so viel: als sich selbst lebendig begraben. Stille zu stehen lasse ich mir gefallen, ohne Murren, wenn das Schicksall es so will; aber rückwärts Gehen ist meiner Natur zuwider dagegen empört sich mein ganzes Wesen.
Dahl nahm Friedrich schließlich doch mit auf eine Reise nach Neapel. Er entführte ihn auf dem Gemälde Der Ausbruch des Vesuv im Dezember 1820. Im Bild ist eine Rückenfigur am Rand des Vulkans mit Hilfe von Dahls Zeichnung Prof. Friedrichs Figur als Caspar David Friedrich zu erkennen.


Johan Christian Dahl: Prof. Friedrichs Figur,
Zeichnung (Ausschnitt), 1824, Oslo Nationalgalerie

Caspar David Friedrich Kalender am 13. Oktober 2017: Nachgestochen

Johann Friedrich Franz Bruder: Die Glashütte in Pottschapel (Freital)
im Plaueschen Grund bei Dresden. 1815, kolorierte Radierung
auf Karton, 43,4 x 53,9 cm (Platte), Staatliche Kunstsammlungen
Dresden, Kupferstichkabinett, nach Caspar David
Friedrichs Gouache "Die Glashütte in Döhlen" (unbekannter Verbleib)
Caspar David Friedrich war im Oktober 1802 im Plaueschen Grund bei Dresden unterwegs. Aus dem dort gefertigten Zeichnungen entstanden eine Serie von Gouchen, die in dieser Art und Technik im Werk des Malers so nicht weiter vorkommen. Später waren diese Arbeiten Friedrichs von Stechern wir Johann Friedrich Franz Bruder zu kolorierten Drucken verarbeitet worden und fanden eine weite Verbreitung. Wobei man bei diesen Bildern wohl kaum noch an den Romantiker denkt. Allerdings zeigt das Blatt nicht die Glashütte, die wurde erst 1805 dargestellt wird. Zu sehen ist das stinkende Vitriolwerk von Poschappel. Die beim Picknick dargestellten Familie unter dem Baum verweist auf die Faszination, die Monumente der beginnenden Industrialisierung in der Natur auf die Menschen ausübten.