Sonntag, 19. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 20. November 2017: Friedhof statt Museum

Caspar David Friedrich: Entwurf für ein Pfeilergrabmal
mit Kreuz in gotischen Spitzbögen, um 1825, Aquarell,
48,8 x 39,2 cm, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

In der Woche vor dem Totensonntag scheint der November mit seiner melancholischen Stimmung im Sinne von Caspar David Friedrich der ideale Monat, um einen Friedhof zu besuchen. Dabei geht es nicht um Totenehrung, sondern um Kunst. Hier kann man Werke des Malers besichtigen und muss nicht einmal, wie im Museum, Eintritt bezahlen. Friedrichs Entwurf für ein Pfeilergrabmal mit Kreuz in gotischen Spitzbögen wurde in Sandstein ausgeführt als Grabmal für Dr. Christian Ernst Ulrici, geb. 02.05.1750, gest. 14.05.1825, Grabstelle Feld A 12. 22/23 auf dem Dresdner Eliasfriedhof, dem ehemaligen Friedhof der Frauenkirche. Insgesamt sind vier Grabmale nach Friedrich zu besichtigen. Weitere Informationen auf der Website des Friedhofs.

Das Grab von Caspar David Friedrich befindet sich allerdings auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden.

32 solcher Aufrisse für Denk- und Grabmale von Friedrichs sind Hand bekannt. Davon sind nachweisbar lediglich acht auch zur Ausführung gekommen. Der Maler hat solche Entwürfe als Brotarbeit gemacht.

Eliasfriedhof Dresden, Foto: Kolossos, CC-BY-SA-2.5

Caspar David Friedrich Kalender am 19. November 2017: Ohne den Zaren nicht überlebt

Caspar David Friedrich: Fenster mit Parkpartie.
Um 1835, Sepia, 39,8 x 30,5 cm, Staatliche
Eremitage St. Petersburg

Am 19. November 1835 schreibt Caspar David Friedrich an Wassili Andrejewitsch Schukowski

Hochwohlgeboren[er] Herr Staatsrath!

Erfreut über das Verzeichniß der verlangten Bilder wo gewiß Ihre gütige Fürsprache auch viel beigetragen hat. Der Erlöß dieser Liste eröffnet mir die Hoffnung einigige Zeit ohne Nahrungssorgen leben zu können und auch obendrein die tröstliche Aussicht auf kommenden Sommer das Baden in Teplitz wiederholen zu können. Jedoch aufrichtig gesagt, ohne die Hoffnung zu hegen je  völlig von der Lähmung wieder [zu] genesen, auch bin ich völlig beruhigt darüber und froh und dankbar gegen den Himmel daß ich soweit wiederhergestellt bin. [...]

Nach seinem Schlaganfall im Sommer 1835 und der einseitigen Lähmung war der Maler völlig der Hilfe des russischen Zaren abhängig. Wobei der russische Staatsrat Schukowski Friedrichs Bilder nach St. Petersburg vermittelte. Friedrich konnte sich auf ein Versprechen von Nikolaus I. aus dem Jahr 1820 berufen: Friedrich, wenn du in Not kommst, lasse es mich wissen, ich werde dir helfen. Friedrich konnte in den letzten Lebensjahren nur durch die Hilfe des Zaren wirtschaftlich überleben. Eines der Bilder der erwähnten Liste war die Sepia Fenster mit Parkpartie, mit dem Blick in den Teplitzer Schlosspark, das heute in der Eremitage in St. Petersburg zu sehen ist.

Freitag, 17. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 18. November 2017: Bis ins Innere der Seele schauen

Anton Graff: Selbstporträt. 1806, Öl auf
Leinwand, Gemäldegalerie Alte Meister Dresden

Am 18. November 1736 wurde Anton Graff in Winterthur geboren. Auf den ersten Blick hat der Dresdner Hofmaler und Professor an der Dresdner Akademie wenig bis gar nichts mit Caspar David Friedrich zu tun. Man weiß, dass er Friedrich für einen tüchtigen Kollegen hielt. Schon weil sich der Porträtmaler wenig für den Landschaftsmaler interessierte, gab es sonst wenig Berührungspunkte.

Graff malte u. a. SchillerLessingHerder. Der Künstler gilt als der wichtigste Porträtmaler des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

Mit Friedrich verband dennoch, dass er, wie der Philosoph Johann Georg Sulzer bemerkte, mit seiner Meisterschaft bei den Porträtierten „Bis ins Innere der Seele zu schauen“ vermochte.

Als Friedrich 1810 sein einziges Gemäldeporträt fertigte, das den Neubrandenburger Pastor Franz Christian Boll zeigt, orientierte er sich an der Bildauffassung seines Kollegen Graff.


Caspar David Friedrich: Männliches Bildnis
(Franz Christian Boll). 1809, Öl auf Leinwand,
51,7 x 42,4 cm, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover

Caspar David Friedrich Kalender am 17. November 2017: Caspars Kampf gegen Windmühlenflügel

Caspar David Friedrich: Wiesen bei Greifswald. Um 1820/22,
Öl auf Leinwand, 35 x 48,9 cm, Hamburg, Kunsthalle

Vor zwei Jahren startete in der Greifswalder Stadtverwaltung ein Prüfverfahren, ob der Caspar-David-Friedrich-Blick auf Greifswald und die nördliche Stadtsilhouette künftig unter besonderen Schutz gestellt werden soll. Der damals neu gewählte grüne Oberbürgermeister Stefan Fassbinder, vormals Historiker am Pommerschen Landesmuseum, wollte im Ergebnis der Prüfung eine Entscheidung herbeiführen, ob diese Punkte als Sichtschutzgebiete ausgewiesen werden können. Das sollte dann im Flächennutzungsplan verankert werden. Bislang gibt es dazu noch keine Ergebnisse.

Die nördliche Stadtansicht steht unter Denkmalschutz. Die Ausweisung eines Sichtschutzgebietes wäre etwas Neues, vergleichbar mit dem Status eines Naturschutzgebietes.

Die von Caspar David Friedrich ins Bild gesetzten Wiesen bei Greifswald sind auch idealer Standort für einen Windenergiepark. Die Windkraftanlagen, für die es eine starke Lobby gibt, würden den touristisch vermarkteten Caspar-David-Friedrich-Blick auf Greifswald beeinträchtigen.

Es wird also auf einen Konflikt Kunstgeschichte versus Windkraft oder auch Tourismus versus Windkraft hinauslaufen - vermutlich aber auf den Kampf Friedrichs gegen Windmühlenflügel.

Dieser Point of view ist Teil des Caspar-David-Friedrich-Bildweges, auf dem jedes Jahr tausenden Touristen eine kunsthistorische Führung erleben.

Mittwoch, 15. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 16. November 2017: Seelenwanderung

Herbstfundstück am 16. November 2015: der Film zur Hamburger Caspar David Friedrich Ausstellung von 2006 mit dem Titel Der Wanderer in unserer Seele von Stefan Scheider. Der Film ist bis heute ein gelungener Versuch, Werk und Biografie des Malers in diesen Genre zu fassen. Zu sehen auf youtube und DVD.





Weitere Informationen zu Film und Autor hier

Dienstag, 14. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 15. November 2017: Abgehauene Fäuste

Caspar David Friedrich: Kirchenruine in Wiesenlandschaft. Um 1835,
Bleistift, Sepia, 18,4 x 24,5 cm, Ehemals Dresden, Sammlung
Friedrich Augusts II., verbleib unbekannt

Am kommenden  Sonntag, am Volkstrauertag, wird an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht. Caspar David Friedrich fertigte um 1835 ein Bild, das einem solchen Gedenken nahe kommt. Die Sepia Kirchenruine in Wiesenlandschaft zeigt die Ruine des Zingels des Friedländer Tores in Neubrandenburg vor der damals sich im Hintergrund ausbreitenden Wiesenlandschaft der Heiden. Links neben der Ruine befindet sich ein Kreuz an genau der Stelle, an der im Dreißigjährigen Krieg die kaiserlichen Truppen des Generals Tilly am 18. März 1631 bei der Belagerung 92 Soldaten der schwedischen Verteidiger niedermetzelten. Dazu heißt es in einem historischen Bericht:

Jetzt wird mit Hülfe der Reiterei der Wall am Friedland’schen Thore erobert, welchen Posten der General Kniphausen und der Capitain Pfluch defendiren. Letzterer, durch zwei Schüsse hart blessirt, wehret sich doch mit seinem Schlachtschwerte noch lange und metzelt viele aufsteigende Tylli’sche Soldaten nieder. Da wird er von einer Musketen-Kugel durch den Kopf geschossen und stürzt todt zur Erde. Die Tilly’schen gewinnen die Ueberhand, drängen die Schweden gegen die Mauer und metzeln nun dergestalt darunter, daß man später auf einem etwa 30 bis 40 Fuß im Umfange großen Platze 92 schwedische Soldaten über einander todt hat liegen gefunden. Ebenso fand man bei der Begrabung der Erschlagenen zwischen dem Friedland’schen Thore und dem Zingel Leiche an Leiche und abgehauene Fäuste, Finger, Füße, Arme und Beine, Hirnschalen und andere scham­sirte menschliche Gliedmaßen.

Montag, 13. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 14. November 2017: Nachfolger im 20. Jahrhundert

Franz Radziwill: Strand von Dangast mit Flugboot, 1929,
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Als einen der Nachfolger Caspar David Friedrichs im 20. Jahrhundert erkannte der Hamburger Anzeiger den Maler Franz Radziwill und schrieb am 14. November 1930 zu dessen Bildern:

Hinter all diesen Bildern steht eine düstere Romantik, die bange Caspar-David-Friedrich-Stimmung ... der Himmel hat immer eine drohende Melancholie aus aus kaltem Grau. Am stärksten ein paar Kriegserinnerungen, Cambrai - finster lassende Dämmerung über zerschossener Ebene, über die Flugzeuge dahinschiessen, die wie böse Wespen auf Opfer fahnden. - Oder die zerfetzten rotwunden aufgerissenen Leiber der Baustämme im Walde von  Blisniki, die ihren Jammer zu einem erbarmunslosen Himmel aufschreien.