Mittwoch, 30. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 31. Dezember: Romantik im Realismus

Gustave Courbet: Le Bord de la Mer a Palavas ou L'Artiste Devant
la Mer, Öl auf Leinwand, 38 × 46.2 cm, Musée Fabre,Montpellier  

Am 31. Dezember 1877 starb Gustave Courbet. Der französische Maler entdeckte Caspar David Friedrichs Bildkomposition des Gemäldes Mönch am Meer für die neue Strömung des Realismus und wandelte die Versunkenheit des Mönchs in eine selbstbewusste Geste des Künstlers: Seht, ich messe mich mit der Unendlichkeit des Meeres! Courbets Gemälde Le Bord de la Mer a Palavas ou L'Artiste Devant la Mer wurde im Œuvre des Malers lange Zeit wenig beachtet, bis es am Ende des 20. Jahrhundert mit der entdeckten Parallelität zu Friedrichs Mönch zu dem prominenten Werk in allen Courbet-Ausstellungen wurde. So taugt die Romantik immer noch als Promoter des Realismus.

Caspar David Friedrich: Der Mönch am Meer. Um 1809,
Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Berlin Nationalgalerie

Dienstag, 29. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 30. Dezember: you’ll be a Man

Quelle: http://indulgy.com/post/lRMCKVZwR1/framed

Am 30. Dezember 1865 wurde Rudyard Kipling in Bombay geboren. Was aber hat der Autor des Dschungelbuches mit Caspar David Friedrich zu tun? Sein Gedicht If wird gern assoziiert oder sogar gepostert mit dem Gemälde Der Wanderer über dem Nebelmeer. Dies ist eine von zahlreichen literarischen Projektionen, mit denen das Bild verbunden wird.

If by Rudyard Kipling


If you can keep your head when all about you 
Are losing theirs and blaming it on you,
If you can trust yourself when all men doubt you,
But make allowance for their doubting too;
If you can wait and not be tired by waiting,
Or being lied about, don’t deal in lies,
Or being hated, don’t give way to hating,
And yet don’t look too good, nor talk too wise:

If you can dream—and not make dreams your master;
If you can think—and not make thoughts your aim;
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same;
If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build ’em up with worn-out tools:

If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings
And never breathe a word about your loss;
If you can force your heart and nerve and sinew
To serve your turn long after they are gone,
And so hold on when there is nothing in you
Except the Will which says to them: ‘Hold on!’

If you can talk with crowds and keep your virtue,
Or walk with Kings—nor lose the common touch,
If neither foes nor loving friends can hurt you,
If all men count with you, but none too much;
If you can fill the unforgiving minute
With sixty seconds’ worth of distance run,
Yours is the Earth and everything that’s in it,
And—which is more—you’ll be a Man, my son!

Source: A Choice of Kipling's Verse (1943)


Wenn
Rudyard Kipling "If" (deutsche Übersetzung von Anja Hauptmann)

Wenn du den Kopf behältst und alle anderen
verlieren ihn und sagen: Du bist schuld!
Wenn keiner dir mehr glaubt, nur du vertraust dir
und du erträgst ihr Misstrauen in Geduld
.
Und wenn du warten kannst und wirst nicht müde
und die dich hassen dennoch weiter liebst,
die dich belügen strafst du nicht mit Lüge
und dich trotz Weisheit nicht zu weise gibst
.
Wenn du dich nicht verlierst in deinen Träumen
und du nicht ziellos wirst in deinem Geist
wenn du Triumph und Niederlage hinnimmst,
beide Betrüger gleich willkommen heißt
.
Wenn du die Worte die du mal gesprochen
aus Narrenmäulern umgedreht vernimmst
und siehst dein Lebenswerk vor dir zerbrochen
und niederkniest, wenn du es neu beginnst
.
Setzt du deinen Gewinn auf eine Karte
und bist nicht traurig, wenn du ihn verlierst
und du beginnst noch einmal ganz von vorne
und sagst kein Wort was du dabei riskierst
.
Wenn du dein Herz bezwingst und alle Sinne
nur das zu tun was du von dir verlangst
auch wenn du glaubst es gibt nicht mehr da drinnen
außer dem Willen der dir sagt: Du kannst!
.
Wenn dich die Menge liebt und du noch du bleibst
wenn du den König und den Bettler ehrst
wenn dich nicht Feind noch Freund verletzen können
und du die Hilfe niemanden verwehrst
.
Wenn du in unverzeihlicher Minute
Sechzig Sekunden lang verzeihen kannst:
Dein ist die Welt - und alles was darin ist
Und was noch mehr ist - dann bist du ein Mensch!


Quelle: http://www.deanita.de/nachdenkliches/nd_wenn.htm

Montag, 28. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 29. Dezember: Bei Gott, keine Träne

Caspar David Friedrich: Landschaft mit Grab, Sarg und Eule.
Um 1836, Sepia, 48,5 × 38,5 cm, Hamburger Kunsthalle 

Am 29. Dezember 1820 schreibt Caspar David Friedrich aus Dresden an seinen Bruder Adolf in Greifswald, dessen Frau Margarete am 6. November gestorben war. Dabei zeigt der Maler seine christliche Haltung zum Tod, dem ohne Schrecken und ohne Traurigkeit zu begegnen sei.

Alles ist stille um mich, ich bin allein daheim. Nur Du mein lieber Bruder; bist, in der mir so wohlthuenden Stille im Geiste allein mein Gesellschafter. Weinen kann ich nicht mit Dir aber ich fühle tief deinen Verlust. Daß so gar lange außenbleiben irgend einer Nachricht von Greifswald ließ uns diesmal mehr als sonst nichts gutes ahnden, und wir waren auf ein Mißgeschick gefaßt. Daß es aber so drückend für Dich und die deinen sein würde hätten wir doch nicht geglaubt. Thränen, Klagen und Thröstungen, willst und erwartest Du von mir nicht; denn die so heim gegangenen sind zu ihren Vätern in die Gruft, denen ist wohl, und den Zurückgebliebenen muß bei aller Wehmuth der Erinnerung an die Geschiedenen, doch das beruhigen daß der entkörperten Seele wohl ist, und die Hülle, der Staub dem Staube wiedergegeben. 

Die Eule auf dem Sarg in der gezeigten Sepia aus dem Jahr 1836 symbolisiert die göttliche Weisheit, mit der dem Tod begegnet werden sollte.

Sonntag, 27. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 28. Dezember: Der Spurenleger

Caspar David Friedrich: Meeresbucht auf Rügen. Um 1802,
Gouache, 13 x 20,7 cm, Weimar, Staatliche Kunstsammlungen

Am 28. Dezember 1843 ist Karl Schildener in Greifswald gestorben. Der Jurist und Professor an der Greifswalder Universität war ein Freund der beiden Romantiker Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge. Mit beiden Malern unternahm er Rügenwanderungen und war an Rügenmotiven interessiert. Schildener besaß einer der umfangreichsten Sammlungen mit Arbeiten von Caspar David Friedrich. Diese Sammlung wurde nach seinem Tod 1845 in Leipzig versteigert. Dazu gehört auch die Gouache Meeresbucht auf Rügen. Ein großer Teil der Sammlung ist verschollen.

Topografische Bestimmungen von Friedrichs Landschaften, die Schildener vornahm, wurden von der kunsthistorischen Forschung übernommen, sind jedoch nicht immer zutreffend.Oft legte er mit den von ihm gewählten Bildtitel unbewusst eine falsche Spur. So erwies sich die von Schildener benannte Meeresbucht auf Rügen  als der Ausblick vom Nordrand des Parkes von Hohenzieritz auf die Lieps und den Tollensesee bei Neubrandenburg.

Karl Schildener, vor 1844

Caspar David Friedrich Kalender am 27. Dezember: Der Installationskünstler

Caspar David Friedrich: Das Kreuz im Gebirge (Tetschener Altar). 
1807, Öl auf Leinwand, 115 x 110,5 cm, Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister

Es war das Kunstereignis der Jahres 1808 in Dresden, als Caspar David Friedrich auf Drängen seiner Freunde, am 27. Dezember in seiner Wohnung jenen Altar aufstellte, den er Wochen Später nach Teschen verkaufen wird. In welcher Weise das Kreuz im Gebirge präsentiert wurde, weist den Maler als einen Installatiosnkünstler aus, wie wir ihn erst im 20. Jahrhundert kennen lernen.  

Die Erwerbung dieses Hauptwerkes durch den Grafen Franz Anton von Thun-Hohenstein  und seine Verlobte, die Gräfin Brühl, hat sich in Dresden rumgesprochen. Freunde drängen aus Neugier den Maler, das Werk „in seiner Vollendung“ sehen zu dürfen. Er lehnt ab, weil der Altar nur in seiner dafür gedachten Umgebung zur Wirkung käme. Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest ändert er seine Meinung, was Rühle von Lilienstern als Nachgiebigkeit beschreibt.

Er gab indessen den dringenden Wünschen seiner Freunde und Bekannten nach, und da sich die Zahl der Sehlustigen täglich vermehrt hatte, entschloß er sich, es in seiner Abwesenheit einige Tage lang in seiner Wohnung zum Anschauen hinzustellen. Der üblen Einwirkung der völlig weißen Wände seines kleinen Zimmers in etwas zu begegnen und die Dämmerung der durch Lampen erleuchteten Kapelle, so gut sich’s tun ließ, nachzubilden, ward ein Fenster verhängt, und über den Tisch, auf welches das Gemälde, das für eine gewöhnliche Staffelei ohnehin viel zu schwer geworden war, aufgerichtet ward, ein schwarzes Tuch gebreitet.

Der aufgestellte Altar durch den bereits nach Mecklenburg abgereisten Künstler könnte eine Art Gottesdienst in Gedenken an die verstorbene Schwester gewesen sein. Die Besucher des Andachtsraumes zählen Hunderte. Helene von Kügel­gen schreibt darüber an ihren Mann:

Gestern machte ich den ersten Ausgang und ging gerade über die Elbe zu Friedrich, um ein Altarbild zu sehen. Ich fand viele Bekannte dort, unter anderem den Kammerherrn Riehl und seine Gemahlin, den Prinzen Bernhard, Beschoren, Seidelmann, Volkmann, die Barduas usw.
Es ergriff alle, die ins Zimmer traten, als beträten sie einen Tempel. Die größten Schreihälse, selbst Beschoren, sprachen leise und ernsthaft wie in einer Kirche.




Samstag, 26. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 26. Dezember: Goethezeitler


Johann Georg von Dillis: Die Hügel von Umbrien in der Nähe von Perugia.
1830/1832, Aquarell und Gouache über Graphit auf blau-grün grundiertem
Papier, National Gallery of Art, Washington, Wolfgang Ratjen Collection

Am 26. Dezember 1759 wurde Johann Georg von Dillis in Gmain bei Schwindkirchen geboren. Der Maler wird in der Sortierung Zeichner der Goethezeit gern neben Caspar David Friedrich gestellt. Denn Friedrich ist in einem Großteil seiner Zeichnungen mehr dem Klassizismus als der Romantik zuzurechnen. Dillis wie Friedrich haben sich an den idealen Landschaften von Claude Lorrain orientiert. Dillis, wichtigster Vertreter der Münchner Schule, war zu seiner Zeit als Maler weitgehend unbekannt. Prominenz erlangter er erst als verbeamteter kurfürstlicher Bilder-Galerie-Inspector und ab 1822 als königlichen Central-Gallerie-Direktor in München.

Dillis umfangreiches Werk ist in folgenden Museen zu besichtigen: Art Institute of ChicagoMetropolitan Museum of Art, New YorkNational Gallery of Art, WashingtonAlte Pinakothek, MünchenLenbachhaus, MünchenPhiladelphia Museum of ArtFine Arts Museums of San FranciscoAlbertina, Wien

Johann Georg von Dillis: Schleusenanlage am Dreimühlenbach in München.

Johannes Wölffle, Druckgraphik nach Liberat
Hundertpfund: Der Maler Johann Georg von Dillis

Freitag, 25. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 25. Dezember: Gedankenmaler unterm Weihnachtsbaum

Caspar David Friedrich (Marco Bahr, links), mit Kunstkritiker Ramdohr
(Uwe Poppe) im Atelier. Bild: © NDR/NDR/Cornelius Kettler

Weihnachten 2007 strahlte der NDR die szenische Dokumentation  Caspar David Friedrich - Der Gedankenmaler der Romantik von Hans-Jörg Lüdicke aus. Der Film dokumentiert die wichtigsten Lebensstationen Caspar David Friedrichs. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Dresden, Berlin, im Schloss Ludwigslust, Greifswald und auf der Insel Rügen. Erhellt werden Episoden aus der Biografie des Malers. Der Film wird ab und an in den dritten Programmen der ARD gezeigt, man könnte sich wünschen, dass dies öfter geschehe.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 24. Dezember: Alleinsternschneeweihnacht

Caspar David Friedrich: Frühschnee. Um 1818, Öl auf
Leinwand, 43,8 x 34,5 cm, Hamburger Kunsthalle

Für Caspar David Friedrich war der 24. Dezember, der Heilige Abend, selbst noch als er verheiratet war und Familie hatte, zu Hause kein behagliches Fest. Dabei war der Maler sehr anspruchsvoll. Am liebsten verbrachte er einige Stunden dieses Abends in der Natur, vorzugsweise bei Neuschnee und der Abendstern sollte zwischen den Wolken blinken. Friedrich gehörte zu jenen wenigen Menschen dem das Alleinsein an diesem Tag (natürlich auch an anderen) höchsten Genuss bereitete - Romantik im ursprünglichen Sinn eben.

Dienstag, 22. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 23. Dezember: Aufs richtige Pferd gesetzt

Adolf Friedrich: Gemälde „Der Pferdemarkt“ im Atelier.
Nach 1860, Öl auf Leinwand, Privatbesitz

Am 23. Dezember 1824 wurde Gustav Adolf Friedrich in Dresden geboren. Der Sohn Caspar David Friedrichs wurde ein prominenter Pferde- und Historienmaler, der im Gegensatz zu seinem Vater von der Kunst ganz passabel leben konnte. Seine Bilder sind vor allem im Pommerschen Landesmuseum Greifswald und in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu sehen.

Adolf Friedrich: Im Pferdestall. Nach 1860, Öl auf Leinwand, Privatbesitz

Adolf Friedrich: Porträt Caspar David Friedrich.
Nach 1840, Lithografie, Pommersches Landesmuseum Greifswald

Montag, 21. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 22. Dezember: Tod der Schwestermutter

Caspar David Friedrich: Gebirgslandschaft mit Regenbogen. 1810, Öl
auf Leinwand, 70 x 102 cm, Essen, Museum Folkwang

Am 22. Dezember 1808 starb Caspar David Friedrichs Schwester Dorothea Catharina Sponholz in Breesen bei Neubrandenburg. Für den Maler war die Pfarrersfrau der wichtigste Mensch in seinem Leben. Nach dem frühen Tod der Mutter (1781) hat die 15-jährige Schwester diese Rolle für den 7-jährigen Caspar David übernommen. Die Breesener Pfarrersfamilie war für Friedrich auch noch lange eine Ersatzfamilie, in der er sich mitunter monatelang aufhielt.

Caspar David Friedrich hat die Nachricht vom Tod der Schwester nicht in Dresden erreicht. In einem Brief, der etwa am 24. Dezember 1808 eintraf (eine Woche Zustellzeit), wurde ihm jedoch mitgeteilt, dass Dorothea nicht mehr lange zu leben habe. Darauf hin stellte er in seiner Wohnung im schummrigen Kerzenlicht den fertigen Tetschener Altar auf, den viele Dresdner so sehen konnten. Das war gewissermaßen ein symbolischer Akt für die sterbende Schwester, denn diese hatte in ihrem letzte Brief am 22. Oktober 1808 geschrieben:

Lieber Bruder

Bey lesung Deines letzten Briefes freute und schämte ich mich zugleich, das ich deinen Brief vom März unbeantwortet gelaßen hatte, nun nahm ich mir heilig vor sogleich wieder zu schreiben, und deine Verzeihung zu erbitten, die ich auch gewiß erhalten hätte, denn seit länger als einen halben Jahr habe ich fast keinen gesunden Tag mehr gehabt. Jetzt bin ich seit den 20sten August bettlägrig, und so daß ich ohne die Hülfe Anderer; nicht von einer Stelle zur anderen kommen kann, mein Zustand ist sehr traurig. Doch was soll ich Dir länger von meinen Leiden unterhalten? Verzeih daß ich’s so lange that.

Daß Du vorigen Sommer so gute Einnahmen gehabt hast, hat mich herzlich gefreut. Hast Du das Altarstück fertig? Ich möchte es wohl sehen, ich glaube es wird viel Eindruck machen.

Daß Du immer gesund seyn magst das wünscht

Deine Schwester C. D. Sponholz

Daß dieser Brief wohl etwas unverständlich ist will ich gern glauben

Caspar David Friedrich: Bildnis der Schwester Catharina Dorothea. Um 1798 Kreide, 21 x 17
 cm, Stuttgart, Staatsgalerie
Der Maler hat sich am ersten Weihnachtsfeiertag zu Fuß auf den 400 Km langen Weg nach Breesen gemacht. Als er Anfang Januar 1809 ankam, war seine Schwester bereits beerdigt. 

Als Trauerbild entstand das Gemälde Gebirgslandschaft mit Regenbogen, in dem sich der Maler selber darstellt. Der Stein, an den er sich lehnt, ist jener, an dem er auf der Strecke von Neubrandenburg und Breesen Rast machte und über das Tollensetal blickte (Findling an der Krappmühle). Die Farben von Jacke und Hose symbolisieren bei Friedrich Liebe (rot) und Reinheit/Unschuld (weiß). Das Bild kann deshalb auch in Richtung eines ödipalen Konflikts interpretiert werden. 

Caspar David Friedrich: Das Kreuz im Gebirge
(Tetschener Altar). 1807, Öl auf Leinwand, 115 x
110,5 cm, DresdenGemäldegalerie Neue Meister

Sonntag, 20. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 21. Dezember: Göttliche Mathematik

Caspar David Friedrich: Der Kirchhof. Um 1825, Öl auf
Leinwand, 25 x 31 cm, Kunsthalle Bremen 
Am 21. Dezember 1944 wurde Werner Busch in Prag geboren. Der Kunsthistoriker, von 1988 bis 2010 Professor für Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin, hat in der Forschung zum Werk Caspar David Friedrichs das Denken in mathematischen Kategorien eingeführt, untersuchte die romantische Geometrie und die göttliche Mathematik. Dabei geht es in seiner viel beachteten Studie Caspar David Friedrich. Ästhetik und Religion u. a. um die Anwendung von Strukturprinzipen wie den Goldener Schnitt, Hyperbel oder Ellipse. Als Beispiel für die Bilduntersuchung zum Goldenen Schnitt sei hier das Gemälde Der Kirchhof angeführt. 

Maßlinien im Gemälde Der Kirchhof Quelle: Caspar David
Friedrich. Ästhetik und Religion. S. 119, Bild 38

Werner Buch 2013, Foto: Epizentrum CC-BY-SA-3.0

Caspar David Friedrich Kalender am 20. Dezember: Seufzende Gärten

Caspar David Friedrich: Landschaft mit zerfallener Mauer.
Um 1837, 12,2 x 18,5 cm, Bleistift, Tusche, Aquarell, Hamburger Kunsthalle

Am 20. Dezember 1924 wurde Friederike Mayröcker in Wien geboren. Die österreichische Schriftstellerin hat die Bilder von Caspar David Friedrich immer wieder mal als Anregung für ein Buch oder als Figur in ihre Texte genommen.

Der Mönch am Meer hat die Dichterin zu ihrem Buch brütt oder Die seufzenden Gärten gebracht. Sie schreibt darüber:

… habe das Gemälde vor vier Jahren in Berlin gesehen, IN AUFWALLUNG, hat mitgewirkt bei der Entstehung meines Buches brütt …

In Mayröckers Prosa ich sitze nur GRAUSAM da ist zu lesen:

1 Ansammlung kl. Grasbüschel, sage ich zu Ely, damals in Rom, sage ich, diese niederhängenden Glyzinienwälder, nicht wahr, ich suche nach unserer Atemnot, 1 Feldweg in der Tiefe des Waldinneren führt, nämlich in die Nähe Gerhard Richters zu Caspar David Friedrich sage ich, oder Landschaft in Unschärfe. 

Friederike Mayröcker 2015, Foto:
 Franz Johann Morgenbesser CC-BY-SA-2.0

Freitag, 18. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 19. Dezember: Lauter Konfusion

Johann Christian Klengel: Schiffbruch. 1820,
Öl auf Leinwand, Städtische Kunstsammlungen Chemnitz

Am 19. Dezember 1824 starb Johann Christian Klengel. Ab 1800 lehrte der Maler als außerordentlicher Professor an der Kunstakademie in Dresden. Klengel prägte in seiner Akademiezeit die Dresdner Landschaftsmalerei. Caspar David Friedrich fand über das Vorbild Klengel in die Kompositionsprinzipien der Landschaftsmalerei, ging aber bald eigene Wege.

Klengels Credo lautete:
Die Landschaft hat ja doch nur zwei Zielpunkte: der eine ist Ruysdael, der andere Claude! Man muß den einen oder den anderen Weg gehen! Entweder die reine Natur oder das Ideal - dazwischen liegt ja lauter Konfusion! 

Friedrich entschied sich bekanntlich für die Konfusion.

Carl Vogel von Vogelstein: Johann
Christian Klengel.1812, Kreide,
Kupferstichkabinett Dresden

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 18. Dezember: Jedem seine Gedanken

Caspar David Friedrich: Der Mönch am Meer. Um 1809, 
Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Berlin Nationalgalerie

Am 18. Dezember 1825 starb in Dresden Christian August Semler. Der Sekretär an der Königlichen Öffentlichen Bibliothek in Dresden war der erste kunsthistorisch begabte Gelehrte, der den Bildern von Caspar David Friedrich, wie Mönch am Meer oder Tetschener Altar eine offene Vieldeutigkeit attestierte, wie das erst am Ende des 20. Jahrhunderts Konsens unter den Kunsthistorikern wurde.

Zum Mönch am Meer schrieb er: jeder leiht ihm vielleicht andere Gedanken, weil jeder in dem großen und ernsten Gegenstande eine andere geistige Ansicht zu nehmen, durch seine Individualität bestimmt wird.

Caspar David Friedrich Kalender am 17. Dezember: Engelsblindheit

Caspar David Friedrich: Engel in Anbetung. Um 1826,
Bleistift, 18,5 x 26,7 cm, 1826, Hamburger Kunsthalle

In der Vorweihnachtszeit sind die Engel in Anbetung von Caspar David Friedrich ein durchaus herzeigbares Motiv. Wobei dieses Blatt ein Rätsel aufgibt: Warum der linke Engel beim Blick durch die Wolken auf die Erde die Hände vor die Augen hält? Für den einen ist das die Blendung durch das Urlicht oder ein demütiges Schuldbekenntnis einer aufgestiegenen Seele, für den anderen die Aussage: Das kann ich nicht mit ansehen, schrecklich, was da unten vor sich geht!

Dienstag, 15. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 16. Dezember: Friedrich TV

Caspar David Friedrich: Lebensstufen. Um 1835, Öl auf
Leinwand, 72,5 x 94 cm, Museum der Bildenden Künste Leipzig

Heute am 16. Dezember 2015 und auch noch die Tage danach spricht der Kurator Christof Metzger auf museumsfernsehen.de  über Caspar David Friedrich Bild Lebensstufen in der Ausstellung Welten der Romantik in der Wiener Albertina, die noch bis zum 21. Februar 2016 gezeigt wird.

Hier gehts zum Video  by museumsfernsehen

Montag, 14. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 15. Dezember: Markenrechte für CDF



Caspar David Friedrich: Selbstporträt. (Ausschnitt) 1810,
Kreide, 23 x 18,2, Nationalgalerie Berlin

Am 5. Dezember 1998 stellte die Stadt Greifswald beim Deutschen Patent- und Markenamt den Antrag, die Wortmarke Caspar David Friedrich vor missbräuchlicher oder unangemessener Verwendung zu schützen. Dem Ansinnen war kein Erfolg beschieden, weil für einen solchen Eintrag die Voraussetzungen fehlen.

Markerechtlich ist die Schutzwürdigkeit von Namen verstorbener Künstler, für deren Werke das Urheberrecht nach 70 Jahren abgelaufen ist, juristisch eine schwierige Materie. Das zeigt die Begründung für Ablehnung des Schutzes der Wortmarke RINGELNATZ vom Bundespatengericht aus dem Jahr 2007 (Urteil).

Manche wünschten sich einen Markenschutz, da vor allem mit den Werken Friedrichs, wie mit denen kaum eines anderen Malers, Schindluder getrieben wird.

Hintergrund für den Greifswalder Antrag: Die Stadt wollte ein Caspar David Friedrich Denkmal verhindern, wie das 2009 auf einem Privatgrundstück in der Lappstraße errichtet wurde. Die Stadt hatte eigene Pläne für ein Denkmal auf dem Marktplatz, die jedoch nicht realisiert wurden. 

Caspar David Friedrich Denkmal in Greifswald,
Bildhauer Claus-Martin Görtz
Foto: Schiwago, CC-BY-3.0, wikimedia

Sonntag, 13. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 14. Dezember: Das unechte Original von Dortmund

Caspar David Friedrich: Winterlandschaft. 1811,
Öl auf Leinwand, 32.5 × 45 cm, National Gallery, London 

Am 14. Dezember 1987 zog in die Londoner National Gallery das Gemälde Winterlandschaft als erstes Original von Caspar David Friedrich in England ein. Das Bild war bei Christies in Monaco für umgerechnet mehr als 4,5 Millionen Mark von dem Museum ersteigert worden.

Eine identische Winterlandschaft hängt allerdings im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Dieses Bild galt bisher nach dem Gutachten des CDF-Experten Helmut Börsch-Supan als Original. Derselbe Gutachter hatte nun das Londoner Gemälde als Original eingestuft und das Dortmunder zur Kopie erklärt.

Dieser Vorgang ist ein gutes Beispiel dafür, was solche Gutachten wert sind. Es ist nicht auszuschließen, dass alles ein Irrtum ist und das Original doch in Dortmund hängt oder beides Kopien sind, wenn eine dritte Winterlandschaft auftaucht, denn für die Beurteilung gab es keine objektive Kriterien, nur das "untrügliche" Gespür des Gutachters, das bereits schon einmal trügerisch gewesen ist. Nur auf Grund solcher vager Erklärungen konnte der Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi einige hundert gefälschte "Originale" der verschiedensten Künstler in Umlauf bringen, von denen heute nur ein Bruchteil bekannt sind.

Winterlandschaft auf der Seite der National Gallery

Caspar David Friedrich: Winterlandschaft. 1811, Öl auf Leinwand,
32.5 × 45 cm, Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund

Caspar David Friedrich Kalender am 13. Dezember: Angenehmer Epigone

Gottlieb Giese:  Einsamer Wanderer vor nächtlicher Kirche. 1815,
Öl auf Leinwand, 35 x 45 cm, Pommersches Landesmuseum Greifswald

Am 13. Dezember 1819 erledigt Caspar David Friedrich die Weihnachtspost an seinen Bruder Christian in Greifswald.

Lieber Bruder Christian,

Gott sein mit Dir und den Deinen und lasse Euch allen wohlergehen Eurer lebenlang, und schenke euch was zu eurem Friden dienet; und schenke euch frohe Freiertage. In diese meine herzlichen Wünsche sind alle Wünsche inbegriffen.

Der Absender bittet, auch Weihnachtswünsche an Herrn Giese zu übermitteln.

Der 1787 geborene Gottlieb Giese war einer der angenehmen Friedrich-Epigonen. Der Greifswalder hatte ebenfalls bei Johann Gottfried Quistorp Zeichenunterricht genommen und studierte bei Karl Friedrich Schinkel Architektur. Giese fand durchaus zu einer eigenen Stilistik, griff jedoch gern auf Friedrichs Motive und Bildstimmungen zurück, wie das vor allem Werke wie Felsenschlucht mit aufsteigendem Adler, Hafen im Nebel und Begräbnis eines Mönches bei Fackelschein belegen. Das Gemälde Einsamer Wanderer vor nächtlicher Kirche passt ganz gut in die Adventszeit. Gieses Werke sind u. a. im Pommerschen Landesmuseum Greifswald zu sehen.

Freitag, 11. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 12. Dezember: Gefrorenes Geflügel für den Zaren

Caspar David Friedrich: Schwäne im Schilf beim ersten Morgenrot.
Um 1832, Öl auf Leinwand, 34 x 44 cm, St. Petersburg, Eremitage

Am 12. Dezember 1835 kündigt Caspar David Friedrich in einem Brief an den Staatsrat und Kunstförderer Wassili Andrejewitsch Schukowski die Lieferung einiger Bilder für die Kunstsammlung des russischen Zaren Alexander II. Nikolajewitsch in St. Petersburg an. Darunter befindet sich das Gemälde Schwäne im Schilf beim ersten Morgenrot, das heute in der St. Petersburger Eremitage zu sehen ist. Der Verkauf der Bilder hat dem Maler die beträchtlichen Einnahmen von 1200 Talern gebracht. Heute hätten die Bilder bei vorsichtiger Schätzung etwa den 600-fachen Wert.

Der Transport der Bilder erfolgte Anfang Januar von Dresden nach St. Petersburg. Gemessen an heutigen Kunsttransporten hoch versichert in klimatisierten Boxen per Flugzeug, war der damalige Reiseweg für die Gemälde eine Zumutung. Die Holzkiste wurde teils im offenen Pferdewagen oder Schlitten bei Temperaturen bis minus 30 Grad Celsius über fast 2.000 Kilometern transportiert, überstand einige Schneestürme und Angriffe von Wölfen auf die Kutscher und erreichten schließlich nach zwei Monaten wohlbehalten ihr Ziel. Für die Reise hatte der Maler die Bilder mit einer wasserlöslichen Schutzschicht bestrichen, die man problemlos wieder abwaschen konnte.

Hochgeschätzter Herr Staatsrath!

Endlich ist alles zur Einpackung und zur Absendung bereit und ich erwarte nur den Tag wo ich alles überliefern kann, denn ich bekomme nicht eher Ruhe bis nicht wenigstens alles eingepackt dasteht.
Bei der Eröffnung der großen Kiste mit den sechs Ölgemählden wehre ich eben weiter nichts zu erinnern, als daß das große Bild auf den Boden angeschraubt ist und die fünf kleinen Bilder auf den Deckel, weshalb der Deckel bei der Eröfnung desselben gerade aufgehoben werden muß.
Diese Bilder müßen von einem Sachkundigen mit einem Schwamm und kalten Wasser abgewaschen werden, und mit einem schwachen Mastix Firnis von neuen überzogen werden und wenigstens einige Tage für Staub gesichert sein, und billig alle zuvor Rahmen bekommen haben ehe sie gesehen würden. [...]
                                                         Hochachtungsvoll Ihr ergebenster C. D. Friedrich

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 11. Dezember: CDF Rapper


Am 11. Dezember 2013 veröffentlichte der Leipziger Rapper und Musikproduzent SkEpSis seine neue EP mit dem Titel Caspar David Friedrich. Der Musiker setzt er sich mit ausgewählten Bildern des Malers auseinander, wobei die Gemälde als visuelle Ausgangspunkte der Kompositionen und Songtexte dienen - u. a. Mönch am Meer, Abtei im Eichwald, Gebirgige Flusslandschaft, Witerlandschaft. Die Platte ist ein Beispiel, wie der alte Friedrich unentwegt auch die modernere Musikkultur inspiriert. Ein Trailer bei youtube bietet den Song Wüste aus Eis von der EP an:


Mehr Informationen hier

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 10. Dezember: Museum am Wege

Caspar David Friedrich: Ruine Eldena. Um 1825,
Öl auf Leinwand, 35 x 49 cm, Berlin, Nationalgalerie
Der Caspar-David-Friedrich-Bildweg in Greifswald wurde am 10. Dezember 2008 öffentlich eingeweiht. Er umfasst 15 Stationen und führt die Besucher zu den Plätzen, die Caspar David Friedrich in seiner Geburtsstadt für seine weltberühmten Gemälde als Motivvorlagen nutzte und die sich nachvollziehbar bis heute erhalten haben. Jedes Jahr werden Tausende Greifswald-Touristen auf diesem Weg kunsthistorisch sachkundig geführt. 

Die wichtigste Station des Bildweges ist sicher die berühmte Klosterruine Eldena, die Friedrich in zahlreichen Bildern als Motiv verwendete. 

Mehr Informationen zu Bildweg hier

Klosteruie Eldena im Mai. Foto: Lapplaender put it
under the CC-BY-SA, wikimedia

Dienstag, 8. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 9. Dezember: Faust am Meer


Moritz Retzsch: Umrisse zu Goethes Faust.
Tafel 2, Ausgabe 1830, Privatbesitz

Am 9. Dezember 1779 wurde Moritz Retzsch in Dresden geboren. Der Zeichner Maler und Radierer war in Dresden ein Akademie-Kollege von Caspar David Friedrich. Werner Busch vertritt die Ansicht, dass Friedrich die Figur des Mönchs am Meer von einer Illustration Retzschs zu Goethes Faust entnommen hat.

Der Kunsthistoriker begründet diese Theorie mit dem Umstand, dass der Mönch vor seiner teilweisen Übermalung ursprünglich einen breiten Hut trug und zur Seite schaute. Es gibt natürlich auch das interpretatorische Bedürfnis im Mönch am Meer einen Faust in der Malerei erkennen zu können.

Caspar David Friedrich: Der Mönch am Meer. Um 1809,
Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Berlin Nationalgalerie


Caspar David Friedrich Kalender am 8. Dezember: Die Eislüge

Caspar David Friedrich: Das Eismeer. 1823, Öl auf Leinwand,
126,9 x  96,7 cm, Hamburger Kunsthalle

Am 8. Dezember 1787 ist Caspar David Friedrichs Bruder Christoffer in einem Greifswalder Gewässer ertrunken. Das Kirchenbuch vermerkt:

Den 8. 12. 1787 ist des Lichtgießers Friedrichs sel. Sohn, alt 12 Jahr, da er seinem ins Wasser gefallenen Bruder retten wollte, ertrunken.

Kolportiert wurde von Zeitgenossen, dass Caspar David den Bruder retten wollte, als der beim Schlittschuhlaufen auf dem Eis eingebrochen ist. Daraus wurde die Legende gestrickt, dass dieser Unfall der Grund für Schwermut und die Sujets des Maler sei, wie bei dem in Berlin lebenden polnischen Grafen Athanasius Raczynski nachlesen ist:

Friedrich malte die düsteren Gegenstände; öde Landflächen, Seewüsten, Polareis, Nebel, Schnee, Gletscher, Nacht, Kirchhöfe und dergleichen. Seine trübe Stimmung soll in dem Unglück, das ihm begegnet ist, seinen Grund haben. Er lief einst Schlittschuh: das Eis brach unter ihm [...].

Entgegen dieser Darstellung hält sich allerdings lange in der Familie Friedrich die Überlieferung, die beiden Brüder seien im Greifswalder Wallgraben mit einer als Boot verwendeten Holzwanne gekentert und Christoffer sei dabei ertrunken.

Die Geschichte mit dem Eis und dem Schlittschulaufen lässt sich aber dramatischer erzählen, wie die vom Norddeutschen Rundfunk 2007 produzierte Filmcollage Caspar David Friedrich - Der Gedankenmaler der Romantik zeigt.

Die Eisvariante ist jedoch schlechterdings unmöglich. Nicht nur, dass man in pommerschen Pfarrchroniken des Jahres 1787 von einem milden Dezember lesen kann, auch die meteorologischen Temperaturreihen weisen für den Dezember 1787 eine Durchschnittstemperatur von 2 Grad aus, die solche Schlittschuhverhältnisse als nicht möglich erscheinen lassen.

Sonntag, 6. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 7. Dezember: Buchstabenrätsel

Caspar David Friedrich: Grabmale alter Helden. 1812, Öl auf
Leinwand, 49,5 x 70,5 cm, Hamburg, Kunsthalle

Der Advent ist die Zeit der Rätsel. Caspar David Friedrich hinterließ der Nachwelt einige. Der Maler gab in dem 1812 entstandenen Gemälde Grabmale alter Helden, heute in der Hamburger Kunsthalle, zwei der interessantesten Rätsel der Kunstgeschichte auf. 

Die Initialen am Sockel des Obelisken und am Deckel des Sarkphages G.A.F. und F.A.K. wurde immer für Abkürzungen der Namen von gefallenen Freiheitskriegern gehalten. 

Aus dem Entstehungszusammenhang des Gemäldes sollte G.A.F. in der Auflösung als Gib acht! Freund gelesen werden, eine in der Zeit des Sturm und Drang verwendete Redewendung im Sinne von Goethes Gedichtzeile Gib acht! es wird dir allerlei begegnen ..., die mit Freundesbekundungen den Weg in die Stammbücher fand. Und F.A.K. ergibt die alttestamentarische Formel Für alle Kommenden(Generationen).

Caspar David Friedrich Kalender am 6. Dezember: Der Nikolaus, der klaute

Caspar David Friedrich: Ansicht eines Hafens. 1815/16,
Öl auf Leinwand, 90 x 71 cm, 1815/16, Potsdam, Schloss Charlottenhof

Nach der Schließung des Schlosses Charlottenhof in Potsdam am Abend des 6. Dezember 1996 drangen Einbrecher in Galerie ein und entwenden das Ölgemälde Ansicht eines Hafens von Caspar David Friedrich. Das 1816 vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. erworbene Gemälde (Schätzwert: bis 4 Millionen Euro) war nicht versichert.

Anfang 1997 stellen die Polizei mit Hilfe ehemaliger Stasi-Mitarbeiter das Bild in einer Potsdamer Garage sicher. Die vier Diebe waren keine professionellen Kunsträuber. Zu ihre Entschuldigung sagten die Einbrecher vor dem Potsdamer Landgericht: Das Gemälde hing so günstig! Außerdem sei der Raub ein Kinderspiel gewesen, Das Gemälde hing günstig. Man hätte auch ein anderes mitgenommen.

Freitag, 4. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 5. Dezember: Millionen-Irrtum

Caspar David Friedrich: Eule auf einem kahlen Baum. Um 1835,
Öl auf Leinwand, 25,2 x 31 cm, Privatbesitz
Am 5. Dezember 2011 verkaufte die Pariser Galerie Talabardon & Gautier ein Caspar David Friedrich zugeschriebenes Gemälde Eule auf einem kahlen Baum für 6,5 Millionen Euro an einen französischen Privatsammler. Gekauft hatte die Galerie das Werk im Februar 2010 in Cannes auf einer Hausratsversteigerung des Auktionshauses Azur Enchères als Schule des 19. Jahrhunderts für 350.000 Euro. Dort war das Gemälde auf etwa 100 Euro geschätzt worden.

Es soll sich um ein Gemälde handeln, das der Bildhauer David d’Angers 1834 von Caspar David Friedrich erwarb. Der Kunsthistoriker Helmut Börsch-Supan hatte das Bild als ein bedeutendes Werk Friedrichs Spätzeit eingeordnet.

Die in Paris lebende Einlieferin bei Azur Enchères hätte nach der französischen Gesetzeslage die Versteigerung wegen Irrtums in der Substanz für nichtig erklären lassen können. Es gab jedoch eine außergerichtliche Einigung, mit der Galerist und Einlieferin jeweils zu 50 Prozent Eigentümer des Bildes wurden.

Die Galerie bot das Gemälde dem Louvre an, der bislang nur zwei Werke von Friedrich besitzt. Das Museum sah sich jedoch nicht in der Lage zum Ankauf. Die Galerie suchte nun nach einem französischen Interessenten, obwohl sich Angebote von Museen aus den USA auf bis zu 10 Millionen Dollar beliefen.

Das große Interesse erklärt sich aus der allgemeinen Vorstellung von der deutschen Romantik, dem das Gemälde gerade zu ideal entspricht.

Natürlich ist bei des Sachlage ein Irrtum nicht ausgeschlossen.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 4. Dezember: Säumiges Mitglied

Caspar David Friedrich: Hünengrab im Herbst. Um 1819, Öl auf
Leinwand, 55 x 71 cm, Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Galerie Neue Meister

Am 4. Dezember 1816 wurde Caspar David Friedrich in die Dresdner Akademie aufgenommen und bezog ein Gehalt von 150 Talern. Am 13. Dezember 1816 erging eine Aufforderung an den Maler ein mit der Aufnahme verbundenes Rezeptionsbild abzuliefern. Das ist offenbar nicht geschehen, denn am 12. Januar 1819 musste die Lieferung angemahnt werden. Gedacht war dafür das 1817 begonnene Gemälde Hünengrab im Herbst. Vermutlich hat Friedrich die Angelegenheit solange schleifen lassen, bis seine Ernennung zum außerordentlichen Professor der Akademie durch die Säumigkeit in Gefahr geriet. Die Ernennung fand am 21. Januar 1824 statt.


Mittwoch, 2. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 3. Dezember: Die Spürnase

Caspar David Friedrich: Böhmische Landschaft Gebirgslandschaft,
Die zwei Bäume. Um 1810, Öl auf Leinwand, 70 x 103 cm,
Württembergische Staatsgalerie Stuttgart

Alfred Lichtwark wurde am 3. Dezember 1886 zum ersten Direktor der Hamburger Kunsthalle berufen. Ihm ist die bedeutende Sammlung der Kunsthalle zur Romantik mit Werken von Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge zu verdanken.

Er entdeckte als erster Kunsthistoriker, dass die meisten von Friedrichs Landschaften nicht in Böhmen oder auf Rügen, sondern in der Gegen um den Tollensesee bei Neubrandenburg zu verorten sind. Das machte er an einem Landschaftstypus fest, der sich dem Betrachter dieser Real-Landschaften als einzigartig aufdrängt. Lichtwark schreibt im Februar 1908 aus dem mecklenburgi­schen Marienhof (östlich des Tollensesees), in eben dieser Landschaft gelegen:

Es hat mich immer gewundert, wie er [Friedrich] zu dem Motiv des einzelnen Baumes in dem weiten hügeligen Gelände gekommen ist. Jetzt weiß ich es. Er hat es von Neubrandenburg aus im östlichen Mecklenburg gesehen. 

Leopold Karl Walter Graf von Kalckreuth: Alfred Lichtwark.
1912, Öl auf Leinwand, 99,5 x 85 cm, Hamburger Kunsthalle






Dienstag, 1. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 2. Dezember: Freund oder nicht Freund TITQ

Philipp Otto Runge: Der Morgen. 1808, Öl auf
Leinwand, 106 x 81 cm, Hamburger Kunsthalle

Am 2. Dezember 1777 wurde Philipp Otto Runge in Wolgast geboren.Er gilt neben Caspar David Friedrich als der zweite große Romantiker der deutschen Malerei. Den beiden Pommern wird unterstellt, dass sie ein tiefe Freundschaft verbunden habe. Dabei ist jedoch mehr Wunsch als Wirklichkeit. Beide Maler hatten sehr hohe Freundschaftsideale.

Als Beleg für eine Freundschaft wird meist ein Brief Runges vom 6. April 1803 an seinen Bruder Daniel in Hamburg angeführt.

Hier ist der junge Fridrich aus Greifswald, ein Landschaftsmaler, der hat ein paar Ansichten von Stubbenkammer ausgestellt, in Sepia gezeichnet und in einer ansehnlichen Größe sehr schön beleuchtet, behandelt uns ausgeführt; sie finden allgemeinen Beifall und verdienen es.[...] das erste Stück als Morgen, das zweyte als Abend behandelt, hab‘ ich ihm für 30 Thlr. jedes abgekauft.

Diese Briefzeilen legen eine große Wertschätzung nahe. Nur wird in aller Regel der folgende Text des Briefes nicht beachtet:

Ich werde sie [die Bilder] mit nach Leipzig bringen, sie werden euch viel Vergnügen machen, und ihr werdet sie sehr gut verkaufen können -.

Daniel Runge verkaufte die beiden Bilder auf der Ende April in Leipzig beginnenden Oster-Messe mit hohem Profit weiter. Philipp Otto Runge hat offenbar Friedrich, der überhaupt kein Verkaufsgeschick bewies, übervorteilt, was zu einer Freundschaft dieser Zeit nicht passte.


Philipp Otto Runge: Selbstporträt. 1803, Öl auf
Leinwand, 37 x 37 cm, Hamburger Kunsthalle 

Montag, 30. November 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 1. Dezember: Strenge statt Süße

Caspar David Friedrich: Schriftblatt "Gott hat selbst in unsere
Schmerzen [...]". 1. Dezember Feder in Braun über Bleistift,
Aquarell, 20,7 x 33 cm, Pommersches Landesmuseum Greifswald

Am 1. Dezember 1788 gab es für den 14-jährigen Caspar David Friedrich nichts Süßes sondern die von der pietistischen Strenge seines Vaters geleitete Aufgabe einer christlichen Schriftübung, die zu Demut in Form und Geist erziehen sollte. Mit einer solchen Schriftübung hat der junge Friedrich zu dieser Zeit jeden neuen Monat begonnen. Hier der Text des Blattes:

Gott hat selbst in unsere Schmerzen
und Bekümmernisse einen gewissen Keim
Vergnügen gepflanzt, und dinge [sic!], dir [sic!] ganz widerwärtig scheinen, arbeiten mit
einander zu einem gemeinschaftlichen Zweck[.] Aus dem Tode wird Leben geboren;
Entziehung erweckt Hofnung [sic!] und Sehnsucht erhöht die Freude des Genusses.
Der Tod befreit unsern irrdischen [sic!] Leib gleichsam von gröberen Schlacken,/ die ihn zu einem unsterblichen Leben des Himmels unfähig machen.
Caspar David Friedrich greifswald d I Dezember 1788

Der Schriftspiegel ist dreigeteilt: ein Block in Fraktur (Schmuckinitialen), ein Block in Lateinischer und ein Block in deutscher Schrift.