Samstag, 16. Mai 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 16. Mai: Am Schwager schieden sich die Geister

Caspar David Friedrich. Bildnis des Pfarrers August Sponholz. 16. Mai 1806, Bleistift, 11 x 8 cm, Hamburg, Kunsthalle
Caspar David Friedrich fertigte am 16. Mai 1806  während einer Reise von Dresden auf die Insel Rügen ein Porträt seines Schwagers August Sponholz. Der Pastor in Breesen bei Neubrandenburg hatte am 7. September 1791 Catharina Dorothea Friedrich, die Lieblingsschwester des Malers geheiratet, die dem jungen Caspar David nach dem frühen Tod der Mutter auch Mutterersatz gewesen ist. Die Pfarrersfamilie in Breesen war lange Zeit so etwas wie Friedrichs Ersatzfamilie. Er hielt sich oft wochenlang in dem Dorf auf, wovon zahlreiche Zeichnungen zeugen. Auch nachdem die Schwester im Dezember 1808 gestorben war, kümmerte sich der Maler um die Familie und schützte sie vor Anfeindungen, als es zwischen August Sponholz und Friedrichs Brüdern zum Zerwürfnis kam. Der Pastor hatte  bei Friedrichs Vater Adolph Friedrich einen erheblichen Kredit aufgenommen, um damit den Breesener Gutsherrn vor dem Bankrott zu retten. Die Brüder des Malers fühlten sich daraufhin um ihr Erbe betrogen als der Vater 1809 starb, schworen Sponholz ewige Feindschaft. 

Mehr zum Thema in Caspar David Friedrichs verborgene Landschaften. Die Neubrandenburger Kontexte, Kapitel 1, "Heimat, Familie, Frauenbild", S. 60

Freitag, 15. Mai 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 15. Mai: Die Ästhetik des Zeichners

Caspar David Friedrich: Die Kapelle bei Wrangelsburg bei Greifswald (oben) und Architekturstudien zum Treptower Tor in Neubrandenburg. 15. Mai 1809, Bleistift, 36 x 25,7 cm, Oslo Nationalgalerie
Caspar David Friedrich wanderte am 15. Mai 1809 von Greifswald nach Neubrandenburg und machte in Wrangelsburg vor den Toren Greifswalds halt. Das verfallene Wrangelburger Schloss war 1803 abgerissen worden, das heutige Herrenhaus entstand erst 1880. Der Maler fand am Ort des Schlosses nur noch die ebenfalls verfallene Kapelle vor und nahm die Studie der Ruine in sein Skizzenbuch auf. Die Kapelle war ein 1650 errichteter barocker Ovalbau mit Mittelstütze. Die Zeichnung ist ein gutes Beispiel für Friedrichs ästhetische Ausführung, bei der er in einer insgesamt flüchtig wirkenden Lineatur den Fokus des Betrachters mit erhöhten Dunkelwerten und sorgfältig gezeichneten Bereichen auf die gewünschten Bildinhalte lenkt. Wer die Insel Usedom oder Greifswald besucht, kann einen Abstecher nach Wrangelsburg machen.


Donnerstag, 14. Mai 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 14. Mai: Das Porträt der Schönrednerin

Caspar David Friedrich: Bildnis der jungen Lotte Sponholz. 14. Mai 106, Bleistift, 11 x 8 cm, Hamburger Kunsthalle
Caspar David Friedrich porträtiert am 14. Mai 1806 seine Nichte Lotte Sponholz, deren schriftliche Hinterlassenschaften heute als die umfangreichste Quelle zu Jugend und Familie des Malers gelten, aber in einigen Passagen wenig glaubwürdig sind. Man kann davon ausgehen, dass die Frau in Anbetracht der Prominenz des Verwandten Abstammung und wirtschaftliche Verhältnisse der Familie Friedrich in ihren Lebenserinnerungen aufgehübscht hat. Friedrich stammt väterlicherseits von Handwerkern (meist Seifensieder und Kerzenmacher) ab, die, so weit nachweisbar, in Neubrandenburg lebten, mütterlicherseit von Schmieden, die als Familie Bechly aus der Schweiz über Prenzlau nach Neubrandenburg eingewandert sind. Lotte Sponholz schreibt über die Abstammung:

Bei den Tronfolgeunruhen in Schweden flüchtete ein Graf welcher der unterliegenden Partei angehörte mit seinem Sohn aus dem Vaterland. Auf dem Schiff angesichts allmählich verschwindenden Küste des geliebten Heimatlandes stand der Graf auf dem Verdeck, seinen Sohn an der Hand. Als die Küste verschwand, warf er sein Grafendiplom in das Wasser! Indem er ausrief, ,der schwedische Graf N. N. liegt im Meere begraben, aber Friedrich lebt (sein Taufnahme) und wird in die fortleben‘ (sein Sohn), wohin er sich mit dem Knaben wandte weiss ich nicht, nur dass er sich nach mehreren Land- und Seereisen sich in Greifswald, welches damals mit einem Teil Pommerns zu Schweden gehörte, als Licht und Seifenfabrikant niederließ und eine große persönliche Achtung genoß.

Diese Geschichte wurde varieantenreich kolportiert. Den Nachkommen Adolf Gottlieb Friedrichs (Vater von Caspar David) war möglicherweise die niedere Herkunft des Vaters und Großvaters peinlich. Immerhin galt „Seifensieder“ in Neubrandenburg als Schimpfwort für einen besonders kulturlosen Menschen.

Mehr zum Thema in Caspar David Friedrichs verborgene Landschaften. Die Neubrandenburger Kontexte, Kapitel 1, "Heimat, Familie, Frauenbild", S. 6 

Mittwoch, 13. Mai 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 13. Mai: Als dem Maler die Augen zugefroren waren ...

Caspar David Friedrich: Spaziergang in der Abenddämmerung. Um 1837, Öl auf Leinwand, 33 x 45 cm, Getty Museum, Los Angeles 
Caspar David Friedrich trotzte heftigster Kälte und unternahm auch Reisen zu Fuß im Winter von Dresden nach Mecklenburg. Der Romantiker hat sich in der Tat den Unbilden der Natur ausgesetzt. Davon zeugt ein Brief des Malers vom 13. Mai 1820 an seinen seinen Bruder Heinrich in Greifswald.

Lieber Heinrich

... Diesen Winter hat mir der Pelz von Dir große Dienste geleistet; schwerlich würde ich wohl jeden Morgen ohne diesen in der Frühe nüchtern einige Stunden bei 17, 18 und 20 Grad Kälte Gelustwandelt seyn. Einmal war ich doch in Gefahr bei aller Wärme so mir der Pelz gab, daß mir die Augenwimpern zusammen friren würden. Wenn ich zuhaue kam war ich bereift und das Eis fiel mir aus dem Bart und Peltze so in der Gegend des Mundes gewesen. Es machte mir aber unendlich viel Freude so eingemummelt den Winter trotz bieten zu können. Nur einmal hab ich mich von der Kälte abschrecken lassen und bin zu hause geblieben; nehmlich den Morgen als mir zuvor die Augen hatten zufriren wollen ...

Der Maler im genannte Pelz ist unter anderem in dem Gemälde Spaziergang in der Abenddämmerung zu sehen.

Mehr zum Thema in Caspar David Friedrichs verborgene Landschaften. Die Neubrandenburger Kontexte, Kapitel 2 "Die Denkmale für Boll" S. 90

Dienstag, 12. Mai 2015

Caspar David Friedrich am 12. Mai 1808: Der Berg der Romantik

Caspar David Friedrich: Landschaftsstudien, 9./12.Mai 1808. Bleistift, 35,9 x 23 cm, Dresden, Kupferstichkabinett
Am 12. Mai 1808 zeichnete Caspar David Friedrich mehrere Landschaftsstudien in der Sächsischen Schweiz. Die vierte Zeichnung von oben zeigt die Aussicht von einem nordöstlich über dem Prebischtor liegenden Felsplateau auf den Rosenberg

Rosenberg (Björn Ehrlich, CC-BY-SA-3.0-migradet)
Dieser Berg findet Verwendung in den wichtigen Gemälden Der Wanderer über dem Nebelmeer (1818) und Gebirgslandschaft mit Regenbogen (1809)

Caspar David Friedrich: Der Wanderer über dem Nebelmeer. 1818, Öl auf Leinwand, 74,8 x  94,8 cm, Hamburger Kunsthalle
 
Caspar David Friedrich: Gebirgslandschaft mit Regenbogen. 1809, Öl auf Leinwand, 70 x 102 cm, Museum Folkwang Essen.
Der Berg hat gleich in zwei Bilder des Malers Eingang gefunden, die als Ikonen der Romantik gelten. Man kann davon ausgehen, dass Friedrich ein besonderes, möglicherweise spirituelles Verhältnis zu Berg hatte, weil die beiden Gemälde als Gedächtnisbilder interpretiert werden können. Der Wanderer über dem Nebelmeer bezieht sich sehr wahrscheinlich auf den 1808 verstorbenen Neubrandenburger Pastor Franz Christian Boll, mit dem Friedrich im Sommer 1800 in der Sächsischen Schweiz wanderte und von dem der Satz stammt:

Laß uns hinwegsehen über die trüben Nebel um unsere Füße; in uns leuchtet ja eine helle Sonne, die in keinem Sturm sich verfinstern kann, und über uns stralen freundliche Gestirne der Zukunft.

Die Gebirgslandschaft mit Regenbogen ist als Bild der Einsamkeit des Malers nach dem Tod seiner Schwester Dorothea zu deuten, die für ihn Mutterersatz gewesen ist. 

Mehr zum Thema in Caspar David Friedrichs verborgene Landschaften. Die Neubrandenburger Kontexte, Kapitel 1, "Heimat, Familie, Frauenbild", S. 71 und Kapitel 2 "Die Denkmale für Boll" S. 150 

Montag, 11. Mai 2015

Caspar David Friedrich am 11. Mai 1828: Böhmischer Frühling

Caspar David Friedrich: Blick zum Borschen bei Billin, 11. Mai 1828, Feder in Grau über Bleistift, 12,6 x 20,6 cm
Am 11. Mai 1828 zeichnet Caspar David Friedrich den Blick von Schwaz aus gesehen zum Borschen (Bořeň) bei Bilin (Bílina) in sein Skizzenbuch. Das Motiv ist ein Berg im Böhmischen Mittelgebirge in Nordböhmen (Tschechien). 

Entstanden ist die Zeichnung auf einer Wanderung von Teplitz aus in die Böhmischen Berge, die Friedrich mit August Philipp Klara (1790-1850) unternahm, einem estnischer Maler, Graveur und Kupferstecher aus Petersburg, den er über Wassili Andrejewitsch Schukowski kennen gelernt hatte. 

Die Zeichentechnik des Blattes, Feder über Bleistift, ist eigentlich typisch für das Frühwerk des Malers und hat um 1828 eher Seltenheitswert. 

Bis 1987 galt die Zeichnung als Darstellung eines Motives aus dem Elbsandsteingebirge. Karl-Ludwig Hoch erkannte dann die tatsächlichen landschaftlichen Zusammenhänge.


Borschen bei Billin, wikipedia