Freitag, 11. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 12. Dezember: Gefrorenes Geflügel für den Zaren

Caspar David Friedrich: Schwäne im Schilf beim ersten Morgenrot.
Um 1832, Öl auf Leinwand, 34 x 44 cm, St. Petersburg, Eremitage

Am 12. Dezember 1835 kündigt Caspar David Friedrich in einem Brief an den Staatsrat und Kunstförderer Wassili Andrejewitsch Schukowski die Lieferung einiger Bilder für die Kunstsammlung des russischen Zaren Alexander II. Nikolajewitsch in St. Petersburg an. Darunter befindet sich das Gemälde Schwäne im Schilf beim ersten Morgenrot, das heute in der St. Petersburger Eremitage zu sehen ist. Der Verkauf der Bilder hat dem Maler die beträchtlichen Einnahmen von 1200 Talern gebracht. Heute hätten die Bilder bei vorsichtiger Schätzung etwa den 600-fachen Wert.

Der Transport der Bilder erfolgte Anfang Januar von Dresden nach St. Petersburg. Gemessen an heutigen Kunsttransporten hoch versichert in klimatisierten Boxen per Flugzeug, war der damalige Reiseweg für die Gemälde eine Zumutung. Die Holzkiste wurde teils im offenen Pferdewagen oder Schlitten bei Temperaturen bis minus 30 Grad Celsius über fast 2.000 Kilometern transportiert, überstand einige Schneestürme und Angriffe von Wölfen auf die Kutscher und erreichten schließlich nach zwei Monaten wohlbehalten ihr Ziel. Für die Reise hatte der Maler die Bilder mit einer wasserlöslichen Schutzschicht bestrichen, die man problemlos wieder abwaschen konnte.

Hochgeschätzter Herr Staatsrath!

Endlich ist alles zur Einpackung und zur Absendung bereit und ich erwarte nur den Tag wo ich alles überliefern kann, denn ich bekomme nicht eher Ruhe bis nicht wenigstens alles eingepackt dasteht.
Bei der Eröffnung der großen Kiste mit den sechs Ölgemählden wehre ich eben weiter nichts zu erinnern, als daß das große Bild auf den Boden angeschraubt ist und die fünf kleinen Bilder auf den Deckel, weshalb der Deckel bei der Eröfnung desselben gerade aufgehoben werden muß.
Diese Bilder müßen von einem Sachkundigen mit einem Schwamm und kalten Wasser abgewaschen werden, und mit einem schwachen Mastix Firnis von neuen überzogen werden und wenigstens einige Tage für Staub gesichert sein, und billig alle zuvor Rahmen bekommen haben ehe sie gesehen würden. [...]
                                                         Hochachtungsvoll Ihr ergebenster C. D. Friedrich

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 11. Dezember: CDF Rapper


Am 11. Dezember 2013 veröffentlichte der Leipziger Rapper und Musikproduzent SkEpSis seine neue EP mit dem Titel Caspar David Friedrich. Der Musiker setzt er sich mit ausgewählten Bildern des Malers auseinander, wobei die Gemälde als visuelle Ausgangspunkte der Kompositionen und Songtexte dienen - u. a. Mönch am Meer, Abtei im Eichwald, Gebirgige Flusslandschaft, Witerlandschaft. Die Platte ist ein Beispiel, wie der alte Friedrich unentwegt auch die modernere Musikkultur inspiriert. Ein Trailer bei youtube bietet den Song Wüste aus Eis von der EP an:


Mehr Informationen hier

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 10. Dezember: Museum am Wege

Caspar David Friedrich: Ruine Eldena. Um 1825,
Öl auf Leinwand, 35 x 49 cm, Berlin, Nationalgalerie
Der Caspar-David-Friedrich-Bildweg in Greifswald wurde am 10. Dezember 2008 öffentlich eingeweiht. Er umfasst 15 Stationen und führt die Besucher zu den Plätzen, die Caspar David Friedrich in seiner Geburtsstadt für seine weltberühmten Gemälde als Motivvorlagen nutzte und die sich nachvollziehbar bis heute erhalten haben. Jedes Jahr werden Tausende Greifswald-Touristen auf diesem Weg kunsthistorisch sachkundig geführt. 

Die wichtigste Station des Bildweges ist sicher die berühmte Klosterruine Eldena, die Friedrich in zahlreichen Bildern als Motiv verwendete. 

Mehr Informationen zu Bildweg hier

Klosteruie Eldena im Mai. Foto: Lapplaender put it
under the CC-BY-SA, wikimedia

Dienstag, 8. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 9. Dezember: Faust am Meer


Moritz Retzsch: Umrisse zu Goethes Faust.
Tafel 2, Ausgabe 1830, Privatbesitz

Am 9. Dezember 1779 wurde Moritz Retzsch in Dresden geboren. Der Zeichner Maler und Radierer war in Dresden ein Akademie-Kollege von Caspar David Friedrich. Werner Busch vertritt die Ansicht, dass Friedrich die Figur des Mönchs am Meer von einer Illustration Retzschs zu Goethes Faust entnommen hat.

Der Kunsthistoriker begründet diese Theorie mit dem Umstand, dass der Mönch vor seiner teilweisen Übermalung ursprünglich einen breiten Hut trug und zur Seite schaute. Es gibt natürlich auch das interpretatorische Bedürfnis im Mönch am Meer einen Faust in der Malerei erkennen zu können.

Caspar David Friedrich: Der Mönch am Meer. Um 1809,
Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Berlin Nationalgalerie


Caspar David Friedrich Kalender am 8. Dezember: Die Eislüge

Caspar David Friedrich: Das Eismeer. 1823, Öl auf Leinwand,
126,9 x  96,7 cm, Hamburger Kunsthalle

Am 8. Dezember 1787 ist Caspar David Friedrichs Bruder Christoffer in einem Greifswalder Gewässer ertrunken. Das Kirchenbuch vermerkt:

Den 8. 12. 1787 ist des Lichtgießers Friedrichs sel. Sohn, alt 12 Jahr, da er seinem ins Wasser gefallenen Bruder retten wollte, ertrunken.

Kolportiert wurde von Zeitgenossen, dass Caspar David den Bruder retten wollte, als der beim Schlittschuhlaufen auf dem Eis eingebrochen ist. Daraus wurde die Legende gestrickt, dass dieser Unfall der Grund für Schwermut und die Sujets des Maler sei, wie bei dem in Berlin lebenden polnischen Grafen Athanasius Raczynski nachlesen ist:

Friedrich malte die düsteren Gegenstände; öde Landflächen, Seewüsten, Polareis, Nebel, Schnee, Gletscher, Nacht, Kirchhöfe und dergleichen. Seine trübe Stimmung soll in dem Unglück, das ihm begegnet ist, seinen Grund haben. Er lief einst Schlittschuh: das Eis brach unter ihm [...].

Entgegen dieser Darstellung hält sich allerdings lange in der Familie Friedrich die Überlieferung, die beiden Brüder seien im Greifswalder Wallgraben mit einer als Boot verwendeten Holzwanne gekentert und Christoffer sei dabei ertrunken.

Die Geschichte mit dem Eis und dem Schlittschulaufen lässt sich aber dramatischer erzählen, wie die vom Norddeutschen Rundfunk 2007 produzierte Filmcollage Caspar David Friedrich - Der Gedankenmaler der Romantik zeigt.

Die Eisvariante ist jedoch schlechterdings unmöglich. Nicht nur, dass man in pommerschen Pfarrchroniken des Jahres 1787 von einem milden Dezember lesen kann, auch die meteorologischen Temperaturreihen weisen für den Dezember 1787 eine Durchschnittstemperatur von 2 Grad aus, die solche Schlittschuhverhältnisse als nicht möglich erscheinen lassen.

Sonntag, 6. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 7. Dezember: Buchstabenrätsel

Caspar David Friedrich: Grabmale alter Helden. 1812, Öl auf
Leinwand, 49,5 x 70,5 cm, Hamburg, Kunsthalle

Der Advent ist die Zeit der Rätsel. Caspar David Friedrich hinterließ der Nachwelt einige. Der Maler gab in dem 1812 entstandenen Gemälde Grabmale alter Helden, heute in der Hamburger Kunsthalle, zwei der interessantesten Rätsel der Kunstgeschichte auf. 

Die Initialen am Sockel des Obelisken und am Deckel des Sarkphages G.A.F. und F.A.K. wurde immer für Abkürzungen der Namen von gefallenen Freiheitskriegern gehalten. 

Aus dem Entstehungszusammenhang des Gemäldes sollte G.A.F. in der Auflösung als Gib acht! Freund gelesen werden, eine in der Zeit des Sturm und Drang verwendete Redewendung im Sinne von Goethes Gedichtzeile Gib acht! es wird dir allerlei begegnen ..., die mit Freundesbekundungen den Weg in die Stammbücher fand. Und F.A.K. ergibt die alttestamentarische Formel Für alle Kommenden(Generationen).

Caspar David Friedrich Kalender am 6. Dezember: Der Nikolaus, der klaute

Caspar David Friedrich: Ansicht eines Hafens. 1815/16,
Öl auf Leinwand, 90 x 71 cm, 1815/16, Potsdam, Schloss Charlottenhof

Nach der Schließung des Schlosses Charlottenhof in Potsdam am Abend des 6. Dezember 1996 drangen Einbrecher in Galerie ein und entwenden das Ölgemälde Ansicht eines Hafens von Caspar David Friedrich. Das 1816 vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. erworbene Gemälde (Schätzwert: bis 4 Millionen Euro) war nicht versichert.

Anfang 1997 stellen die Polizei mit Hilfe ehemaliger Stasi-Mitarbeiter das Bild in einer Potsdamer Garage sicher. Die vier Diebe waren keine professionellen Kunsträuber. Zu ihre Entschuldigung sagten die Einbrecher vor dem Potsdamer Landgericht: Das Gemälde hing so günstig! Außerdem sei der Raub ein Kinderspiel gewesen, Das Gemälde hing günstig. Man hätte auch ein anderes mitgenommen.