Freitag, 1. Januar 2016

Caspar David Friedrich Kalender am 2. Januar: Natur statt Gips

Caspar David Friedrich: Landschaft mit Pavillon. 1797,
Aquarell, 16,8 x 22 cm, Hamburger Kunsthalle

Am 2. Januar 1798 wurde Caspar David Friedrich an der Königlich Dänische Kunstakademie in Kopenhagen von der Freihandzeichenklasse in die Gipsklasse versetzt. Nun stand Zeichnen nach Abgüssen antiker Skulpturen auf dem Lehrplan. Malerei war kein Studienfach, die mussten sich die Studenten selber beibringen. 

Die Kopenhagener Gemäldesammlungen mit der niederländischen Malerei dienten Friedrich als Vorbild für seine ersten Landschaftsbilder aus der Kopenhagener Umgebung. Eine der bekanntesten Arbeiten aus dieser Zeit ist das Aquarell Landschaft mit Pavillon aus dem Jahr 1797, zeigt einen Aussichtspavillon in der Nähe von Klampenborg.  

Caspar David Friedrich Kalender am 1. Januar: Leiden an Dresden

Caspar David Friedrich: Hügel und Bruchacker bei Dresden.
1824, Öl auf Leinwand, 22,2 x 30,5 cm, Hamburger Kunsthalle

Am 1. Januar 1824 schrieb Caspar David Friedrich in Dresden an seinen Bruder Adolf in Greifswald über seine schlechten Aussichten für das begonnene Jahr.

Lieber Bruder
Wenige Stunden des neuen Jahres sind bereits vorüber, ich will wünschen daß Du und ihr meine Brüder alle mit frohen Blick in das neue Jahr hinein schauen möget als ich.

Die bescheidenen Aussichten waren vor allem finanzieller Art, die sich jedoch bald besser sollten. Vorerst belasteten den Maler sogar die sächsischen Neujahrsbräuche, über die er in dem Brief schreibt:

Das ekelhaft für Geld Glück zu neuen Jahr zu wünschen ist hier noch sehr üblich und kostet mir heute so viele ich auch mit leeren Händen gehen lasse wenigstens 2 Thaler: Ich sollte wohl auch heute nach Sitte und gebrauch zu meinem Vorgesetzten [Generaldirektor der Sächsischen Kunstakademien Heinrich Graf Vitzthum von Eckstädt] gehen, aber es ist mir nicht möglich. 

Friedrich als Maler der Seele hat sich in solchen Situationen in seinen Bildern abreagiert. Da es ihm in Dresden öfters nicht gut ging, stellte er die Stadt nie in einem heiteren oder verträumten Panorama wie etwa Greifswald oder Neubrandenburg da. 1824 hat er Anfang Januar Dresden hinter einem Hügel mit Bruchacker verschwinden lassen. Dass dies kein  Winterbild geworden ist, hängt mit dem milden Wetter zusammen, über das er im Brief schreibt:

Bis jetzt haben wir sehr gelinde Witterung gehabt diesen Morgen hatten wir 6 Grad 0 R und 7 Grad unter 0 ist die große Kälte so wir gehabt. 

[6 Grad über 0 Reaumur = 7,5 Grad Celsius]

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 31. Dezember: Romantik im Realismus

Gustave Courbet: Le Bord de la Mer a Palavas ou L'Artiste Devant
la Mer, Öl auf Leinwand, 38 × 46.2 cm, Musée Fabre,Montpellier  

Am 31. Dezember 1877 starb Gustave Courbet. Der französische Maler entdeckte Caspar David Friedrichs Bildkomposition des Gemäldes Mönch am Meer für die neue Strömung des Realismus und wandelte die Versunkenheit des Mönchs in eine selbstbewusste Geste des Künstlers: Seht, ich messe mich mit der Unendlichkeit des Meeres! Courbets Gemälde Le Bord de la Mer a Palavas ou L'Artiste Devant la Mer wurde im Œuvre des Malers lange Zeit wenig beachtet, bis es am Ende des 20. Jahrhundert mit der entdeckten Parallelität zu Friedrichs Mönch zu dem prominenten Werk in allen Courbet-Ausstellungen wurde. So taugt die Romantik immer noch als Promoter des Realismus.

Caspar David Friedrich: Der Mönch am Meer. Um 1809,
Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Berlin Nationalgalerie

Dienstag, 29. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 30. Dezember: you’ll be a Man

Quelle: http://indulgy.com/post/lRMCKVZwR1/framed

Am 30. Dezember 1865 wurde Rudyard Kipling in Bombay geboren. Was aber hat der Autor des Dschungelbuches mit Caspar David Friedrich zu tun? Sein Gedicht If wird gern assoziiert oder sogar gepostert mit dem Gemälde Der Wanderer über dem Nebelmeer. Dies ist eine von zahlreichen literarischen Projektionen, mit denen das Bild verbunden wird.

If by Rudyard Kipling


If you can keep your head when all about you 
Are losing theirs and blaming it on you,
If you can trust yourself when all men doubt you,
But make allowance for their doubting too;
If you can wait and not be tired by waiting,
Or being lied about, don’t deal in lies,
Or being hated, don’t give way to hating,
And yet don’t look too good, nor talk too wise:

If you can dream—and not make dreams your master;
If you can think—and not make thoughts your aim;
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same;
If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build ’em up with worn-out tools:

If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings
And never breathe a word about your loss;
If you can force your heart and nerve and sinew
To serve your turn long after they are gone,
And so hold on when there is nothing in you
Except the Will which says to them: ‘Hold on!’

If you can talk with crowds and keep your virtue,
Or walk with Kings—nor lose the common touch,
If neither foes nor loving friends can hurt you,
If all men count with you, but none too much;
If you can fill the unforgiving minute
With sixty seconds’ worth of distance run,
Yours is the Earth and everything that’s in it,
And—which is more—you’ll be a Man, my son!

Source: A Choice of Kipling's Verse (1943)


Wenn
Rudyard Kipling "If" (deutsche Übersetzung von Anja Hauptmann)

Wenn du den Kopf behältst und alle anderen
verlieren ihn und sagen: Du bist schuld!
Wenn keiner dir mehr glaubt, nur du vertraust dir
und du erträgst ihr Misstrauen in Geduld
.
Und wenn du warten kannst und wirst nicht müde
und die dich hassen dennoch weiter liebst,
die dich belügen strafst du nicht mit Lüge
und dich trotz Weisheit nicht zu weise gibst
.
Wenn du dich nicht verlierst in deinen Träumen
und du nicht ziellos wirst in deinem Geist
wenn du Triumph und Niederlage hinnimmst,
beide Betrüger gleich willkommen heißt
.
Wenn du die Worte die du mal gesprochen
aus Narrenmäulern umgedreht vernimmst
und siehst dein Lebenswerk vor dir zerbrochen
und niederkniest, wenn du es neu beginnst
.
Setzt du deinen Gewinn auf eine Karte
und bist nicht traurig, wenn du ihn verlierst
und du beginnst noch einmal ganz von vorne
und sagst kein Wort was du dabei riskierst
.
Wenn du dein Herz bezwingst und alle Sinne
nur das zu tun was du von dir verlangst
auch wenn du glaubst es gibt nicht mehr da drinnen
außer dem Willen der dir sagt: Du kannst!
.
Wenn dich die Menge liebt und du noch du bleibst
wenn du den König und den Bettler ehrst
wenn dich nicht Feind noch Freund verletzen können
und du die Hilfe niemanden verwehrst
.
Wenn du in unverzeihlicher Minute
Sechzig Sekunden lang verzeihen kannst:
Dein ist die Welt - und alles was darin ist
Und was noch mehr ist - dann bist du ein Mensch!


Quelle: http://www.deanita.de/nachdenkliches/nd_wenn.htm

Montag, 28. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 29. Dezember: Bei Gott, keine Träne

Caspar David Friedrich: Landschaft mit Grab, Sarg und Eule.
Um 1836, Sepia, 48,5 × 38,5 cm, Hamburger Kunsthalle 

Am 29. Dezember 1820 schreibt Caspar David Friedrich aus Dresden an seinen Bruder Adolf in Greifswald, dessen Frau Margarete am 6. November gestorben war. Dabei zeigt der Maler seine christliche Haltung zum Tod, dem ohne Schrecken und ohne Traurigkeit zu begegnen sei.

Alles ist stille um mich, ich bin allein daheim. Nur Du mein lieber Bruder; bist, in der mir so wohlthuenden Stille im Geiste allein mein Gesellschafter. Weinen kann ich nicht mit Dir aber ich fühle tief deinen Verlust. Daß so gar lange außenbleiben irgend einer Nachricht von Greifswald ließ uns diesmal mehr als sonst nichts gutes ahnden, und wir waren auf ein Mißgeschick gefaßt. Daß es aber so drückend für Dich und die deinen sein würde hätten wir doch nicht geglaubt. Thränen, Klagen und Thröstungen, willst und erwartest Du von mir nicht; denn die so heim gegangenen sind zu ihren Vätern in die Gruft, denen ist wohl, und den Zurückgebliebenen muß bei aller Wehmuth der Erinnerung an die Geschiedenen, doch das beruhigen daß der entkörperten Seele wohl ist, und die Hülle, der Staub dem Staube wiedergegeben. 

Die Eule auf dem Sarg in der gezeigten Sepia aus dem Jahr 1836 symbolisiert die göttliche Weisheit, mit der dem Tod begegnet werden sollte.

Sonntag, 27. Dezember 2015

Caspar David Friedrich Kalender am 28. Dezember: Der Spurenleger

Caspar David Friedrich: Meeresbucht auf Rügen. Um 1802,
Gouache, 13 x 20,7 cm, Weimar, Staatliche Kunstsammlungen

Am 28. Dezember 1843 ist Karl Schildener in Greifswald gestorben. Der Jurist und Professor an der Greifswalder Universität war ein Freund der beiden Romantiker Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge. Mit beiden Malern unternahm er Rügenwanderungen und war an Rügenmotiven interessiert. Schildener besaß einer der umfangreichsten Sammlungen mit Arbeiten von Caspar David Friedrich. Diese Sammlung wurde nach seinem Tod 1845 in Leipzig versteigert. Dazu gehört auch die Gouache Meeresbucht auf Rügen. Ein großer Teil der Sammlung ist verschollen.

Topografische Bestimmungen von Friedrichs Landschaften, die Schildener vornahm, wurden von der kunsthistorischen Forschung übernommen, sind jedoch nicht immer zutreffend.Oft legte er mit den von ihm gewählten Bildtitel unbewusst eine falsche Spur. So erwies sich die von Schildener benannte Meeresbucht auf Rügen  als der Ausblick vom Nordrand des Parkes von Hohenzieritz auf die Lieps und den Tollensesee bei Neubrandenburg.

Karl Schildener, vor 1844

Caspar David Friedrich Kalender am 27. Dezember: Der Installationskünstler

Caspar David Friedrich: Das Kreuz im Gebirge (Tetschener Altar). 
1807, Öl auf Leinwand, 115 x 110,5 cm, Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister

Es war das Kunstereignis der Jahres 1808 in Dresden, als Caspar David Friedrich auf Drängen seiner Freunde, am 27. Dezember in seiner Wohnung jenen Altar aufstellte, den er Wochen Später nach Teschen verkaufen wird. In welcher Weise das Kreuz im Gebirge präsentiert wurde, weist den Maler als einen Installatiosnkünstler aus, wie wir ihn erst im 20. Jahrhundert kennen lernen.  

Die Erwerbung dieses Hauptwerkes durch den Grafen Franz Anton von Thun-Hohenstein  und seine Verlobte, die Gräfin Brühl, hat sich in Dresden rumgesprochen. Freunde drängen aus Neugier den Maler, das Werk „in seiner Vollendung“ sehen zu dürfen. Er lehnt ab, weil der Altar nur in seiner dafür gedachten Umgebung zur Wirkung käme. Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest ändert er seine Meinung, was Rühle von Lilienstern als Nachgiebigkeit beschreibt.

Er gab indessen den dringenden Wünschen seiner Freunde und Bekannten nach, und da sich die Zahl der Sehlustigen täglich vermehrt hatte, entschloß er sich, es in seiner Abwesenheit einige Tage lang in seiner Wohnung zum Anschauen hinzustellen. Der üblen Einwirkung der völlig weißen Wände seines kleinen Zimmers in etwas zu begegnen und die Dämmerung der durch Lampen erleuchteten Kapelle, so gut sich’s tun ließ, nachzubilden, ward ein Fenster verhängt, und über den Tisch, auf welches das Gemälde, das für eine gewöhnliche Staffelei ohnehin viel zu schwer geworden war, aufgerichtet ward, ein schwarzes Tuch gebreitet.

Der aufgestellte Altar durch den bereits nach Mecklenburg abgereisten Künstler könnte eine Art Gottesdienst in Gedenken an die verstorbene Schwester gewesen sein. Die Besucher des Andachtsraumes zählen Hunderte. Helene von Kügel­gen schreibt darüber an ihren Mann:

Gestern machte ich den ersten Ausgang und ging gerade über die Elbe zu Friedrich, um ein Altarbild zu sehen. Ich fand viele Bekannte dort, unter anderem den Kammerherrn Riehl und seine Gemahlin, den Prinzen Bernhard, Beschoren, Seidelmann, Volkmann, die Barduas usw.
Es ergriff alle, die ins Zimmer traten, als beträten sie einen Tempel. Die größten Schreihälse, selbst Beschoren, sprachen leise und ernsthaft wie in einer Kirche.