Mittwoch, 16. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 16. August 2017: Meister der Kamerafahrt


Caspar David Friedrich: Schlossruine
Teplitz. Um 1828, Aquarell, Bleistift
auf Velin, 18,8 x 21,4 cm. Moskau,
Staatliches Puschkin-Museum
der bildenden Künste

Caspar David Friedrich kannte die Kamerafahrt um ein Natur- oder Architekturmotiv herum, um das Objekt von verschiedenen Seiten aufnehmen zu können. Dokumentiert in den beiden Darstellungen der Schlossruine von Teplitzvermutlich aus dem August 1828. Die Kenntnis darüber, dass der Maler dieses Verfahren anwandte, half den topografischen Ort der Abtei im Eichwald zu bestimmen. Das zur gleich Zeit entstandene Gemälde Der Winter stellt die 90 Grad Kamerafahrt um die Abtei-Ruine im Gemälde Abtei im Eichwald gegen den Uhrzeigersinn dar. So kann man im Hintergrund das Geländeprofil der Brodaer Hügel und den Brodaer Friedhof am authentischen Ort ausmachen. Diese Erkenntnis führt zu der Erklärung, warum Friedrich die Greifswalder Ruine Eldena nach Broda bei Neubrandenburg versetzte ...

Caspar David Friedrich: Der Winter. 1808, Öl auf Leinwand, 75 x 106 cm,
ehemals München, Bayerische Staatsgemäldesammlung, 1931 verbrannt

Caspar David Friedrich: Abtei im Eichwald. 1810, Öl auf Leinwand,
110,4 x 171 cm, Berlin, Nationalgalerie



Dienstag, 15. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 15. August 2017: Der Mond ist aufgegangen

Caspar David Friedrich: Einsames Haus am Kiefernwald. um 1830/37,
19 x 25,5 cm, Öl auf Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Am 15. August 1740 wurde Matthias Claudius geboren. Der Dichter gilt wegen seines populären Gedichtes oder Abendliedes Der Mond ist aufgegangen als das literarische Pendant zum Maler Caspar David Friedrich. Der Text wurde zum ersten Mal 1779 im Vossischen Musenalmanach veröffentlicht und soll 1778 in Wandsbeck entstanden sein.

Hier zum anhören

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!ch!

Sonntag, 13. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 14. August 2017: Auf dem Malerweg im Gebirge

Caspar David Friedrich: Felsenschlucht. Öl auf Leinwand,
um 1823, 91 x 72 cm, Kunsthistorisches Museum Wien

In der Zweiten Hälfte des August und im September ist die ideale Zeit für eine Wanderung auf dem Malerweg in der Sächsischen Schweiz. Dort kann man den Motiven zahlreicher Bilder Caspar David Friedrichs in eindrucksvoller Naturkulisse begegnen. Zum Beispiel das Gemälde Felsenlandschaft aus dem Jahre 1823 zeigt die imposante Felsgruppe des Neurathener Felsentors.

Informationen zum Malerweg gibt es hier

Caspar David Friedrich Kalender am 13. August 2017: Friedrichs Neubrandenburger Altar

Caspar David Friedrich: Kreuz vor Regenbogen im Gebirge. 1818,
Feder, aquarelliert, 27,2 x 20,8 cm, Rechts unten von fremder Hand bezeichnet
„Casp. David Friedrich Fc. Das Oelgemälde befindet sich auf dem
Schloss Tetschen in Böhmen. Er erhielt die Professur darauf“, auf dem
Altarrahmen die Aufschrift „Kommet her zu mir die ihr mühselig seid
und beladen ich will euch erquicken“, Staatliche Kunstsammlung Dresden

Am 12. und 13. August 1841 wurde die Neubrandenburger Marienkirche nach einem neogotischen Umbau feierlich wieder eingeweiht. Die Bauarbeiten begannen 1832 unter Leitung des Architekten Friedrich Wilhelm Buttel. Dort gab es bis zur Zerstörung der Kirche im Jahr 1945 tatsächlich einen Altar nach einem Entwurf von Caspar David Friedrich zu besichtigen. 

Die aquarellierte Federzeichnung Kreuz vor Regenbogen im Gebirge von 1818 wurde lange für einen Alternativentwurf zum Tetschner Altar gehalten. Die Bestimmung galt jedoch der Neubrandenburger Marienkirche. Auf dem ersten Blick haben Entwurf und Ausführung wenig miteinander zu tun. Auf dem Blatt Friedrichs ist jedoch von fremder Hand in dünnen, kaum sichtbaren Bleistiftlinien eine Korrektur der Fialen gezeichnet, die den Altar in die schließlich verwendete Form bringen, sehr wahrscheinlich von der Hand des Architekten Friedrich Wilhelm Buttel. Das Altargemälde wurde allerdings vom Neustrelitzer Maler Karl Eggers ausgeführt mit der Darstellung des Noli me tangere ...
Heute ist der Sakralbau eine Konzertkirche.

Robert Geißler: Marienkirche von Südosten. 1860. Lithografie
Friedrich Wilhelm Buttel: Inneres der Marienkirche in Neubrandenburg
Ostrichtung. Um 1835, Zeichnung, Tusche
Friedrich Wilhelm Buttel: Zum Profil der St. Marien Kirche
in Neubrandenburg.1838 Zeichnung
Altar der Marienkirche von Neubrandenburg, um 1900,
Foto: Heinz Wehlow, Regionalmuseum Neubrandenburg

Samstag, 12. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 12. August 2017: Hutmode Rügen anno 1815

Caspar David Friedrich: Kate mit
Schilfdach und Erntehaube. 9./12.
August 1815, Bleistift, 17,7 x 11,3 cm,
Nationalmuseum Oslo

Bei seiner Rügenreise im Jahr 1815 zeichnete Caspar David Friedrich am 12. August sehr detailliert eine Erntehaube, die auf das Ende einer Stange gestülpt ist. Diese Haube war in dieser Zeit auf der Insel Rügen die Kopfbedeckung der Bäuerinnen während der Getreideernte und schütze vor allem vor der Sonne. In einer größeren Anzahl von Zeichnungen gibt der Maler in dokumentarischer Qualität Einblicke in das bäuerliche Leben seine Zeit.

Freitag, 11. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 11. August 2017: Um Kopf und weißen Kragen gemalt

Caspar David Friedrich: Zwei Männer beim Betrachten des Mondes.
Um 1819, Öl auf Leinwand, 35 x 44 cm, Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister
Am 11. August 1778 wurde Friedrich Ludwig Jahn geboren. In Caspar David Friedrichs Bildwelt ist sein Name sogar Teil eines Gemäldes, nämlich Huttens Grab. Auf den Feldern der vorderen Sarkophagwand steht in kleiner Schrift: Jahn 1813“, „Arndt 1813“, „Stein 1813“, „Görres 1821“, „D … 1821“ und „F. (sic) Scharnhorst. Als Bestandteil des Bildpersonals kann man den als Turnvater Jahn bekannten Herrn in dem Gemälde Zwei Männer beim Betrachten des Mondes entdecken. Hier steht Jahn mutmaßlich neben Franz Christian Boll. Beide Männer waren mit Caspar David Friedrich befreundet. Ihre Lebenswege kreuzten sich in den Jahren 1803 bis 1805 in Neubrandenburg. Jahn war in dem Gemälde letztlich identifizierbar, weil der Maler in dem durchgängig dunkel lasiertem Bild, der linken Figur einen reinweißen Kragen unter den Kopf malte. Ein solcher weißer Kragen war ein Leben lang das Markenzeichen des Turnvaters.

Caspar David Friedrich: Zwei Männer beim Betrachten des Mondes.
Um 1819, Öl auf Leinwand, 35 x 44 cm, Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister

Friedrich Ludwig Jahn, um 1852


Mittwoch, 9. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 10. August 2017: Wie die Christen verhöhnten

Caspar David Friedrich: Relief des Swantevit in der Kirche zu
Altenkirchen. Um 1815, Bleistift, 17,7 x 11,3 cm, Nationalmuseum Oslo

Caspar David Friedrich zeichnete bei seiner Rügenwanderung im Jahr 1815 um den 10. August den vermauerten Priesterstein oder Swantewitsteins im südlichen Seitenanbau des Chores der romanischen Kirche von Altenkirchen.

Nach heutiger Kenntnis handelt sich hier um einen aus Granit bestehenden Grabstein eines Swantewit­pries­ters von der Tempelburg auf Kap Arkona aus vorchristlicher Zeit. Friedrich musste noch annehmen, dass er das Abbild des Slawengottes vor sich hat und kann von der dazu überlieferten Demütigungs-Symbolik erfahren haben. Die ersten Christen von Rügen bauen den Grabstein waagerecht in die Kirche ein, als Zeichen der Verhöhnung des entmachteten Gottes Swantewit! Eine der Christianisierungs-Erzählungen besagt, dass sich die Christen vor dem Gottesdienst einzeln und in Gruppen vor dem Stein versammeln, um ihn zu verhöhnen, sich also von dem „alten Gott“ lossagen und dann erst die Kirche zum Gottesdienst betreten. 

Die Aufschrift in Friedrichs Zeichnung Sanctus Vitus oder Svantevits bezieht sich auf die damals in Pommern weit verbreitete Ansicht, der wendische Götze Swantewit sei aus dem Heiligen Veit, einem der vierzehn Nothelfer, entstanden und die Einrichtung des Wendischen Götzendienstes nach dem Muster des christlichen Gottesdienstes vorgenommen worden. Wahrscheinlicher aber trifft die Überlieferung zu, dass christliche Missionare im 12. Jahrhundert anstelle des Swantewit den römischen Heiligen Sanctus Vitus setzen, um den neugetauften Bewohnern Rügens den Gottesdienst zu erleichtern. Der heilige Veit wird so zum Landespatron. Weil die Slawen ihrem Gott Swantewit Hühner opfern, stellt man Veit auf Bildern mit einem Hahn im Arm dar. 

Der Svantevitstein in der Kirche von Altenkirchen
auf der Insel Rügen. Foto: Lapplaender CC-BY-SA-3.0-DE

Dienstag, 8. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 9. August 2017: Das Drama der Schilfhütte

Caspar David Friedrich: Meeresstrand mit Fischer. 1807,
Öl auf Leinwand, 33,5 x 50,8 cm, Wien, Österreichische Galerie im Belvedere

Das am meisten dargestellte Artefakt in Caspar David Friedrichs Bilderwelt ist eine unscheinbare Schilfhütte am Strand. Wir wissen von der Zuordnung des Malers in einer Zeichnung aus dem August 1805, dass es sich um eine Hütte am Strand des Tollensesees südlich von Neubrandenburg handelt. Zu sehen ist die Schilfhütte auf Skizzen, Sepien und dem 1807 entstandenen Gemälde Meeresstrand mit Fischer. Was hat den Maler an diesem Landschaftsgegenstand so fasziniert? Offenbar die damit verbundene Historie.

Im Dreißigjährigen Krieg, am 15. März 1531, gilt dieser denkbar schmale Uferstreifen mit Schilfhütte als Schauplatz erbitterter Gefechte zwischen den kaiserlich-katholischen und und schwedisch-protestantischen Truppen, die weder in den See noch in den morastigen Bruch ausweichen können. Mit der Einnahme des legendären Aalhäuschens, von dem man noch bis ins späte 19. Jahrhundert den Kindern berichtete, entschied sich das blutige Schicksal der Stadt ... 

Noch im 20. Jahrhundert sortierten dort die Fischer Ihren Fang, wie ein Foto aus dem Regionalmuseum zeigt. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Bootsverleih. Friedrich erzählt mit seinen stillen Bildern oft dramatische Geschichten ...

 
Caspar David Friedrich: Neubrandenburger See mit Tollense.
1805, Bleistift, 23,5 x 39 cm. Berlin Kupferstichkabinett

Caspar David Friedrich: Neubrandenburger See mit Tollense. 1805,
Feder und Pinsel in Sepia, 25 x 39 cm, Leipzig, Museum der bildenden Künste
Caspar David Friedrich: Der Tollense-See bei Neubrandenburg.
Um 1806 oder 1838, Bleistift und Sepia, 25 x 39,5 cm. Kopenhagen, Königliche Bibliothek
Die Fischerhütte, die Caspar David Friedrich 1805 gezeichnet hat,
existierte 100 Jahre später immer noch. Gegenüber der Seehalle
links vom Oberbach sortierten die Fischer ihren Fang.
Foto: Regionalmuseum Neubrandenburg

Montag, 7. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 8. August 2017: Rügenlandschaft im Fadenkreuz

Caspar David Friedrich: Blick über den Neuensiner See auf die Granitz.
8. August 1815, Bleistift, 11,3 x 17,7 cm, Nationalmuseum Oslo

Caspar David Friedrich zeichnete auf seiner Rügenwanderung im Sommer 1815 am 8. August auf einer Anhöhe bei Moritzdorf den Blick über den Neuensiner See auf die Granitz. Solche Landschaftspanoramen erfasste er in der Zentralperspektive, wie das alle Maler in ihrer Ausbildung an den Akademien des 18. Jahrhunderts lernten, mit einem Fadengitter in unterschiedlicher technischen Ausprägung. Man kann übrigens noch heute den Standort des Malers einnehmen und mit Hilfe der Rasterung gut die Veränderungen in der Landschaft erkennen. Der Rückenmann im Vordergrund ist der Dresdner Münzmeister Friedrich Gotthelf Kummer, der mit dem Maler diese Reise unternahm. Allerdings verwendete Friedrich bei dieser Rügenwanderung eine Camera lucida, mit der er die Landschaft auf die Rasterung des Papieres übertrug.


Fadengitter, Vorrichtung zum perspektivischen Zeichnen (1710)

Caspar David Friedrich Kalender am 7. August 2017: Winterlandschaft im Sommerurlaub

Caspar David Friedrich: Winterlandschaft. 1811, Öl auf
Leinwand, 33 x 46 cm, Schwerin, Staatliches Museum

Neben den Museen mit bedeutenden Werken von Caspar David Friedrich in den Sammlungen, sind auch weniger bekannte Standorte für Friedrich-Fans interessant. Wer in Schwerin Ferien macht, kann das Staatliche Museum Schwerin besuchen. Dort befinden sich die 1811 entstandenen Gemälde Winterlandschaft. Das als Gegenstück konzipierte Gemälde Winterlandschaft mit Kirche befindet sich im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte.

Caspar David Friedrich: Winterlandschaft mit Kirche. 1811, Öl auf
Leinwand, 33 x 45 cm. Dortmund, Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Sonntag, 6. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 6. August 2017: Tetschener Altar nicht für Tetschen gedacht

Caspar David Friedrich: Das Kreuz im Gebirge
(Tetschener Altar). 1807, Öl auf Leinwand, 115 x
110,5 cm, Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister

Gräfin Brühl in einem Brief am 6. August 1808Das schöne Kreuz ist leider! Nicht zu haben! Der brave Norde hat es seinem König verehrt, und obwohl er keine Gelegenheit hat es ihm zukommen zu lassen, und bis dahin wohl auch noch einige andre Stücke verfertigen könnte, so will er es doch nicht geben.

Gemeint war mit dem Kreuz der Tetschener Alter von Caspar David Friedrich. Diesen Brief fand die Kunsthistorikerin Eva Reitharovà 1977 in tschechischen Archiven.

Seitdem ist klar, dass die Gräfin Brühl den Altar für ihr Schloss in Tetschen nicht in Aufrag gegeben hat, der dort im gräflichen Schlafzimmer aufgestellt war. Da Friedrich den Altar erklärtermaßen für eine Kapelle nach Aufmaß konzipierte, scheint die Kapelle im Schlosspark von Hohenzieritz der wahrscheinliche Ort, für den das gute Stück gedacht war. Eine Vermessung der Altarnische zeigt, dass diese Friedrichs Altar auf den Zentimeter genau aufnehmen könnte, einschließlich des im Depot der Dresdner Kunstsammlungen befindlichen Sockels in Höhe der Fußbodenleiste des Kirchenraumes.

Schlosskapelle in Hohenzieritz. Foto: PodracerHH CC-BY-SA-3.0

Samstag, 5. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 5. August 2017: Segel setzen in Stralsund

Caspar David Friedrich: Maste und Segelschiffe.
4. und 5. August 1818, Bleistift, 20,3 x 12, 6 cm, Privatbesitz

Caspar David Friedrich zeichnete am 5. August 1818 in seinem Skizzenbuch Maste und Segelschiffe im Hafen von Stralsund vor seiner Überfahrt nach Rügen. Er war mit seiner Frau Caroline von Dresden aus zur Hochzeitsreise in seine nördliche Heimat aufgebrochen. Die Detailstudien verwendete der Maler später in verschiedenen Ölbildern mit Schiffsmotiven.

Donnerstag, 3. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 4. August 2017: Bild einer traurigen Liebesgeschichte

Caspar David Friedrich: Studie einer Frau. 1804,
Feder, laviert, 16,7 x 9,9 cm, Privatbesitz

Am 4. August 1999 hatte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin Federzeichnung Frau mit Umschlagtuch (Studie einer Frau - 1804) von Caspar David Friedrich aus der Sammlung Silberberg an einen Vertreter der in England lebenden Alleinerbin Max Silberbergs, Gerta Silberberg, übergeben. Die Zeichnung  aus der Sammlung des Städtischen Museums Stettin war von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz treuhänderisch verwahrt worden. Die Zeichnung befand sich bis 1916 im Besitz von Harald Friedrich, Hannover, ein Enkel des Malers.

Max Silberberg, Kaufmann in Breslau und Mitinhaber der Firma M. Weißenburg, wurde als Jude von den Nationalsozialisten verfolgt. Er war deshalb gezwungen, von 1935 an bis zu seiner Einlieferung in das Konzentrationslager Theresienstadt sein gesamtes Vermögen zu veräußern bzw. dem Deutschen Reich entschädigungslos zu überlassen. Im Zusammenhang mit der erzwungenen Veräußerung der von ihm genutzten Villa in Breslau an die NSDAP sowie aufgrund der durch den Verfolgungsdruck eingetretenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Firma M. Weißenburg musste Max Silberberg auch seine umfangreiche, weit über die Grenzen Deutschlands bekannte Kunstsammlung veräußern. 

Das Blatt wurde bislang zweimal bei Sotheby's versteigert, nach 1999 wieder am 20. November 2013, bei einem Schätzwert von 15,000 — 25,000 GBP für 27,500 GBP.

Das Bild zeigt eine Frau in einem damals üblichen Hochzeitskleid in einer traurigen Haltung. Die Frau heißt Julia Stoye, eine Schwester oder Cousine von Friedrichs Schwägerin, in die er offenbar verliebt war. 

Mittwoch, 2. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 3. August 2017: Des Königs neue Bilder

Caspar David Friedrich: Abtei im Eichwald. 1810,
Öl auf Leinwand, 110,4 x 171 cm, Berlin, Nationalgalerie

Am 3. August 1770 wurde der Preußische König Friedrich Wilhelm III. von Preußen geboren. Ihm hat Caspar David Friedrich seine Karriere als bedeutender Maler seiner Zeit zu verdanken. Der kunstferne Monarch zeigte zwar keinerlei Interesse an Friedrichs Kunst, doch auf Bitten seines Sohnes, dem 15-jährigen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV., kaufte er 1810 die beiden Gemälde Der Mönche am Meer und Abtei im Eichwald. Damit war Friedrichs Kunst gesellschaftsfähig und der Maler wurde Mitglied der Berliner Akademie. Da der König nun den seltsamen Kunstgeschmack des Prinzen kannte, kaufte er ihm zum 21. Geburtstag Friedrichs als Bildpaar gedachten Gemälde Söller vor dem Domplatz im Zwielicht und Ansicht eines Hafens.

Caspar David Friedrich: Der Mönch am Meer. Um 1809,
Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Berlin Nationalgalerie
Caspar David Friedrich: Ansicht eines Hafens. 1815/16,
Öl auf Leinwand, 90 x 71 cm, 1815/16, Potsdam, Schloss Charlottenhof
Friedrich Wilhelm III. von Preußen

Dienstag, 1. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 2. August 2017: Ferien bei Friedrich in Lübeck

Caspar David Friedrich: Schiffe auf der Reede. Um 1816/18,
Öl auf Leinwand, 21 x 30 cm, Museum Behnhaus Drägerhaus Lübeck
Neben den Museen mit bedeutenden Werken von Caspar David Friedrich in den Sammlungen, sind auch weniger bekannte Standorte für Friedrich-Fans interessant. Wer in Lübeck oder Schleswig-Holstein Ferien macht, kann das Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck besuchen. Dort befinden sich die um 1817 entstandenen Küstengemälde Schiffe auf Reede und Küstenlandschaft im Abendlicht.

Mit Werken von Caspar David Friedrich, Carl BlechenCarl Gustav Carus und dem Lübecker Friedrich Overbeck bildet die Kunst der Romantik und der Nazarener einen Schwerpunkt der Sammlung. Die Klassische Moderne ist u. a. durch Gemälde von Max LiebermannLovis CorinthMax SlevogtGotthardt KuehlErnst Ludwig Kirchner und vor allem Edvard Munch, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Lübeck tätig war, repräsentiert.

Caspar David Friedrich: Küstenlandschaft im Abendlicht. Um 1816/18,
Öl auf Leinwand, 22 x 31 cm, Museum Behnhaus Drägerhaus Lübeck

Montag, 31. Juli 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 1. August 2017: Der Putbuser Fürst als Sammler

Caspar David Friedrich: Tal oberhalb von Putbus.
1824, 38 x 25 cm, Puschkin Museum Moskau

Am 1. August 1783 wurde Wilhelm Malte I. geboren. Der Fürst zu Putbus war ein begeisterter Sammler von Caspar David Friedrichs Bildern. In seinem Schloss in Putbus befanden sich zahlreiche Arbeiten des Malers, hauptsächlich Rügenmotive in Sepia und als Aquarell, wenige Gemälde. Er schätze Friedrich aber auch als patriotischen Maler in der zeit der Befreiungskriege. So erwarb er 1814 das Gemälde Der Chasseur im Wald.


Caspar David Friedrich: Der Chasseur im Wald.
1814. Öl auf Leinwand, 65,7 x 46,7 cm, Privatbesitz
Gustav Friedrich Wilhelm Richter: Wilhelm Malte I.,
Fürst zu Putbus, Öl auf Leinwand, 1905, Jagdschloss Granitz

Caspar David Friedrich Kalender am 31. Juli 2017: Der gestohlene Nebel

Caspar David Friedrich: Nebelschwaden. 1820
Öl auf Leinwand, 32,6 x 42,5 cm, Hamburger Kunsthalle

Ende Juli 1994 wurde Caspar David Friedrichs Gemälde Nebelschwaden zusammen mit den Bildern Schatten und Dunkelheit und Licht und Farbe von William Turner aus der Frankfurter Kunsthalle Schirn in den Nachtstunden geraubt. 2003 gaben die Diebe Friedrichs Gemälde über einen Vermittler an das ausleihende Museum, die Hamburger Kunsthalle, zurück. Die Nebelschwaden hatte Alfred Lichtwark 1911 für die Kunsthalle erworben.

Sonntag, 30. Juli 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 30. Juli 2017: Glücklicher kann wohl keiner sein

Caspar David Friedrich: Selbstporträt. 1803,
Feder in Braun, 26,7 x 21,5 cm, Hamburger Kunsthalle

Caspar David Friedrich mietet sich Ende Juli 1803 in Dresden Loschwitz eine Wohnung. Der in seinem Leben immer wieder von depressiven Episoden heimgesuchte Maler scheibt in sein Tagebuch: Glücklicher, wie ich mich jetzt dünke, kann wohl keiner sein. Unklar ist bis heute, ob die Gegend dem Glück zugearbeitet hat oder eine neue Liebe. Ein Selbstporträt aus jener Zeit mag die Tagebuchzeilen illustrieren. In einer der schönsten Gegenden der Stadt mit Blick auf die Elbe folgten dann auch Malerkollegen wie Gerhard von Kügelgen, Carl Gustav Carus, Ernst Ferdinand Oehme, Carl Peschel und Ludwig Richter.

Freitag, 28. Juli 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 29. Juli 2017: Der falsche Friedrich

Caspar David Friedrich: Kreidefelsen auf Rügen. 1818,
Öl auf Leinwand, 90,5 x 71 cm, Winterthur, Museum Oskar Reinhart

Am 29. Juli 1798 wurde der Romantiker Carl Blechen geboren. Bis 1920 hat man ihm die Autorenschaft des Gemäldes Kreidefelsen auf Rügen zugeschrieben. Für diese Zuschreibung waren vor allem die Weiß-Rot-Kontraste des Gemäldes Im Park der Villa d'Este und die Tatsache ausschlaggebend, dass Blechen die Stubbenkammer auf Rügen mehrmals als Motiv verwendet hatte. Bei der Versteigerung der Kreidefelsen auf Rügen 1903 durch den Sammler Julius Freund galt es völlig abwegig, das Gemälde Caspar David Friedrich zuzuordnen. Erst der Kustos der Berliner Nationalgalerie Guido Joseph Kern erkannte 1920 Friedrichs Hand in dieser Arbeit.


Carl Blechen: Im Park der Villa d'Este. 1830, Öl auf
Leinwand, 126 × 93 cm, Alte Nationalgalerie Berlin
Carl Blechen: Die Stubbekammer auf Rügen
Carl Blechen: Selbstporträt. 1825, Öl auf Leinwand,
26 × 20 cm , Alte Nationalgalerie Berlin

Donnerstag, 27. Juli 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 28. Juli 2017: Grabes Schüler

Carl Gustav Carus: Eichen am Meer. um 1834, Öl auf Leinwand,
117.5 × 162.5 cm, Galerie Neue Meister Dresden

Am 28. Juli 1869 ist Carl Gustav Carus in Dresden gestorben. Der Arzt, Maler und Naturphilosoph war ein Freund und Schüler von Caspar David Friedrich in Dresden, der zahlreiche Motive seines Lehrers in seinem Werk aufgenommen hat. Deutlich ist das im Vergleich des Gemäldes Eichen am Meer von Carus mit der Sepia Hünengrab am Meer von Friedrich zu erkennen. In seinen Lebenserinnerungen und Denkwürdigkeiten ist viel über den Charakter und die Eigenheiten Friedrichs zu erfahren und stellt so eine wichtige biografische Quelle dar.


Caspar David Friedrich: Hünengrab am Meer. 1807, Bleistift,
Sepia, 64,5 x 95 cm, Weimar, Staatliche Kunstsammlungen

Julius Hübner: Porträt Carl Gustav Carus. 1844, Öl auf Leinwand,
94.8 × 73.7 cm, Goethe Haus Frankfurt am Main
Grab Carl Gustav Carus auf dem Trinitatisfriedhof
in Dresden. Foto: Paulae, CC-BY-SA-3.0

Mittwoch, 26. Juli 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 27. Juli 2017: Eine russische Störung

Caspar David Friedrich: Mondaufgang am Meer. 1822,
Öl auf Leinwand, 55 x 72 cm, Alte Nationalgalerie Berlin

Caspar David Friedrich schrieb am 27. Juli 1822 an seine Frau Caroline, die sich bei der Familie von Georg Friedrich Kersting in Meißen aufhielt. Der Maler berichtet zu nächst vom Vogelschießen auf der Vogelwiese nahe seines Hauses.

Liebe Liena,

Da ziehen sie hin die Schaaren, Alt und Jung, Kinder und Greise, Krumme und Lahme - um zu sehen wenn der große Vogel aufgerichtet wird. Es ist leichter einen Menschen aus seiner Wohnung zu locken als einen Hund hinter dem Ofen hervor; Diesen Morgen ging ich mit deinem Bruder über die Wiese so für die kommende Woche ein Sammelplatz der Freunde - der Gemeinheit - und allen Ausschweifungen sein wird ...
Meine frühere Absicht war dich schon gestern abzuholen, aber dein letzer Brief bestimmte mich dich noch 8 Tage in Meißen zu lassen, und wie ich glaube nicht zu deiner Unzufriedenheit ...
Schon wieder von einem Besuch unterbrochen der eine leise Hoffnung hinterlassen vielleicht mein großes Bild zu verkaufen ...

Mit dem Bild ist das Gemälde Mondaufgang am Meer (vermutlich die Küste bei Greifswald mit Blick  auf die Insel Rügen) gemeint, mit dem Besucher der Berater des russischen Zaren Wassili Andrejewitsch Schukowski.

Dienstag, 25. Juli 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 26. Juli 2017: Friede den Hütten

Caspar David Friedrich: Landschaft mit Pavillon. um 1797,
Aquarell, 16,8 x 22 cm, Hamburger Kunsthalle

Caspar David Friedreich fertigte vermutlich im Juli 1797 während seines Studiums in Kopenhagen das Aquarell Landschaft mit Pavillon an. Dabei soll es sich um einen Aussichtspavillon nahe Klampenborg nördlich von Kopenhagen handeln, der dort sein Mitte des 18. Jahrhundert stand und von dem man bis zum nahe gelegen Øresund blicken konnte. Dieses Aquarell ist eines der meist diskutierten in der Friedrich-Forschung, allein deshalb, weil sich neben dem Turm eine Hütte befindet. Dies wird als eine symbolische Gegenüberstellung interpretiert, zwischen irdischem Dasein und ParadiesLeben und Todarm und reichgut und böse oder als innerbildlicher Kontrast. Dass Friedrich tatsächlich eine reale Landschaft ins Bild geholt hat, wird nicht erwogen, scheint jedoch in dieser frühen Schaffensphase noch am wahrscheilichsten. Übereinstimmung dagegen herrscht darüber, dass hier der Einfluss seines Lehres Jen Juel deutlich wird, insbesondere abgeleitet vom Vordergrund des Gemäldes Landschaft mit Nordlicht. Abgesehen davon ist das Aquarell von einer besonderen zeichnerischen Qualität.

Jens Juel: Landschaft mit Nordlicht. nach 1790