Sonntag, 19. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 20. November 2017: Friedhof statt Museum

Caspar David Friedrich: Entwurf für ein Pfeilergrabmal
mit Kreuz in gotischen Spitzbögen, um 1825, Aquarell,
48,8 x 39,2 cm, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

In der Woche vor dem Totensonntag scheint der November mit seiner melancholischen Stimmung im Sinne von Caspar David Friedrich der ideale Monat, um einen Friedhof zu besuchen. Dabei geht es nicht um Totenehrung, sondern um Kunst. Hier kann man Werke des Malers besichtigen und muss nicht einmal, wie im Museum, Eintritt bezahlen. Friedrichs Entwurf für ein Pfeilergrabmal mit Kreuz in gotischen Spitzbögen wurde in Sandstein ausgeführt als Grabmal für Dr. Christian Ernst Ulrici, geb. 02.05.1750, gest. 14.05.1825, Grabstelle Feld A 12. 22/23 auf dem Dresdner Eliasfriedhof, dem ehemaligen Friedhof der Frauenkirche. Insgesamt sind vier Grabmale nach Friedrich zu besichtigen. Weitere Informationen auf der Website des Friedhofs.

Das Grab von Caspar David Friedrich befindet sich allerdings auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden.

32 solcher Aufrisse für Denk- und Grabmale von Friedrichs sind Hand bekannt. Davon sind nachweisbar lediglich acht auch zur Ausführung gekommen. Der Maler hat solche Entwürfe als Brotarbeit gemacht.

Eliasfriedhof Dresden, Foto: Kolossos, CC-BY-SA-2.5

Caspar David Friedrich Kalender am 19. November 2017: Ohne den Zaren nicht überlebt

Caspar David Friedrich: Fenster mit Parkpartie.
Um 1835, Sepia, 39,8 x 30,5 cm, Staatliche
Eremitage St. Petersburg

Am 19. November 1835 schreibt Caspar David Friedrich an Wassili Andrejewitsch Schukowski

Hochwohlgeboren[er] Herr Staatsrath!

Erfreut über das Verzeichniß der verlangten Bilder wo gewiß Ihre gütige Fürsprache auch viel beigetragen hat. Der Erlöß dieser Liste eröffnet mir die Hoffnung einigige Zeit ohne Nahrungssorgen leben zu können und auch obendrein die tröstliche Aussicht auf kommenden Sommer das Baden in Teplitz wiederholen zu können. Jedoch aufrichtig gesagt, ohne die Hoffnung zu hegen je  völlig von der Lähmung wieder [zu] genesen, auch bin ich völlig beruhigt darüber und froh und dankbar gegen den Himmel daß ich soweit wiederhergestellt bin. [...]

Nach seinem Schlaganfall im Sommer 1835 und der einseitigen Lähmung war der Maler völlig der Hilfe des russischen Zaren abhängig. Wobei der russische Staatsrat Schukowski Friedrichs Bilder nach St. Petersburg vermittelte. Friedrich konnte sich auf ein Versprechen von Nikolaus I. aus dem Jahr 1820 berufen: Friedrich, wenn du in Not kommst, lasse es mich wissen, ich werde dir helfen. Friedrich konnte in den letzten Lebensjahren nur durch die Hilfe des Zaren wirtschaftlich überleben. Eines der Bilder der erwähnten Liste war die Sepia Fenster mit Parkpartie, mit dem Blick in den Teplitzer Schlosspark, das heute in der Eremitage in St. Petersburg zu sehen ist.

Freitag, 17. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 18. November 2017: Bis ins Innere der Seele schauen

Anton Graff: Selbstporträt. 1806, Öl auf
Leinwand, Gemäldegalerie Alte Meister Dresden

Am 18. November 1736 wurde Anton Graff in Winterthur geboren. Auf den ersten Blick hat der Dresdner Hofmaler und Professor an der Dresdner Akademie wenig bis gar nichts mit Caspar David Friedrich zu tun. Man weiß, dass er Friedrich für einen tüchtigen Kollegen hielt. Schon weil sich der Porträtmaler wenig für den Landschaftsmaler interessierte, gab es sonst wenig Berührungspunkte.

Graff malte u. a. SchillerLessingHerder. Der Künstler gilt als der wichtigste Porträtmaler des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

Mit Friedrich verband dennoch, dass er, wie der Philosoph Johann Georg Sulzer bemerkte, mit seiner Meisterschaft bei den Porträtierten „Bis ins Innere der Seele zu schauen“ vermochte.

Als Friedrich 1810 sein einziges Gemäldeporträt fertigte, das den Neubrandenburger Pastor Franz Christian Boll zeigt, orientierte er sich an der Bildauffassung seines Kollegen Graff.


Caspar David Friedrich: Männliches Bildnis
(Franz Christian Boll). 1809, Öl auf Leinwand,
51,7 x 42,4 cm, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover

Caspar David Friedrich Kalender am 17. November 2017: Caspars Kampf gegen Windmühlenflügel

Caspar David Friedrich: Wiesen bei Greifswald. Um 1820/22,
Öl auf Leinwand, 35 x 48,9 cm, Hamburg, Kunsthalle

Vor zwei Jahren startete in der Greifswalder Stadtverwaltung ein Prüfverfahren, ob der Caspar-David-Friedrich-Blick auf Greifswald und die nördliche Stadtsilhouette künftig unter besonderen Schutz gestellt werden soll. Der damals neu gewählte grüne Oberbürgermeister Stefan Fassbinder, vormals Historiker am Pommerschen Landesmuseum, wollte im Ergebnis der Prüfung eine Entscheidung herbeiführen, ob diese Punkte als Sichtschutzgebiete ausgewiesen werden können. Das sollte dann im Flächennutzungsplan verankert werden. Bislang gibt es dazu noch keine Ergebnisse.

Die nördliche Stadtansicht steht unter Denkmalschutz. Die Ausweisung eines Sichtschutzgebietes wäre etwas Neues, vergleichbar mit dem Status eines Naturschutzgebietes.

Die von Caspar David Friedrich ins Bild gesetzten Wiesen bei Greifswald sind auch idealer Standort für einen Windenergiepark. Die Windkraftanlagen, für die es eine starke Lobby gibt, würden den touristisch vermarkteten Caspar-David-Friedrich-Blick auf Greifswald beeinträchtigen.

Es wird also auf einen Konflikt Kunstgeschichte versus Windkraft oder auch Tourismus versus Windkraft hinauslaufen - vermutlich aber auf den Kampf Friedrichs gegen Windmühlenflügel.

Dieser Point of view ist Teil des Caspar-David-Friedrich-Bildweges, auf dem jedes Jahr tausenden Touristen eine kunsthistorische Führung erleben.

Mittwoch, 15. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 16. November 2017: Seelenwanderung

Herbstfundstück am 16. November 2015: der Film zur Hamburger Caspar David Friedrich Ausstellung von 2006 mit dem Titel Der Wanderer in unserer Seele von Stefan Scheider. Der Film ist bis heute ein gelungener Versuch, Werk und Biografie des Malers in diesen Genre zu fassen. Zu sehen auf youtube und DVD.





Weitere Informationen zu Film und Autor hier

Dienstag, 14. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 15. November 2017: Abgehauene Fäuste

Caspar David Friedrich: Kirchenruine in Wiesenlandschaft. Um 1835,
Bleistift, Sepia, 18,4 x 24,5 cm, Ehemals Dresden, Sammlung
Friedrich Augusts II., verbleib unbekannt

Am kommenden  Sonntag, am Volkstrauertag, wird an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht. Caspar David Friedrich fertigte um 1835 ein Bild, das einem solchen Gedenken nahe kommt. Die Sepia Kirchenruine in Wiesenlandschaft zeigt die Ruine des Zingels des Friedländer Tores in Neubrandenburg vor der damals sich im Hintergrund ausbreitenden Wiesenlandschaft der Heiden. Links neben der Ruine befindet sich ein Kreuz an genau der Stelle, an der im Dreißigjährigen Krieg die kaiserlichen Truppen des Generals Tilly am 18. März 1631 bei der Belagerung 92 Soldaten der schwedischen Verteidiger niedermetzelten. Dazu heißt es in einem historischen Bericht:

Jetzt wird mit Hülfe der Reiterei der Wall am Friedland’schen Thore erobert, welchen Posten der General Kniphausen und der Capitain Pfluch defendiren. Letzterer, durch zwei Schüsse hart blessirt, wehret sich doch mit seinem Schlachtschwerte noch lange und metzelt viele aufsteigende Tylli’sche Soldaten nieder. Da wird er von einer Musketen-Kugel durch den Kopf geschossen und stürzt todt zur Erde. Die Tilly’schen gewinnen die Ueberhand, drängen die Schweden gegen die Mauer und metzeln nun dergestalt darunter, daß man später auf einem etwa 30 bis 40 Fuß im Umfange großen Platze 92 schwedische Soldaten über einander todt hat liegen gefunden. Ebenso fand man bei der Begrabung der Erschlagenen zwischen dem Friedland’schen Thore und dem Zingel Leiche an Leiche und abgehauene Fäuste, Finger, Füße, Arme und Beine, Hirnschalen und andere scham­sirte menschliche Gliedmaßen.

Montag, 13. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 14. November 2017: Nachfolger im 20. Jahrhundert

Franz Radziwill: Strand von Dangast mit Flugboot, 1929,
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Als einen der Nachfolger Caspar David Friedrichs im 20. Jahrhundert erkannte der Hamburger Anzeiger den Maler Franz Radziwill und schrieb am 14. November 1930 zu dessen Bildern:

Hinter all diesen Bildern steht eine düstere Romantik, die bange Caspar-David-Friedrich-Stimmung ... der Himmel hat immer eine drohende Melancholie aus aus kaltem Grau. Am stärksten ein paar Kriegserinnerungen, Cambrai - finster lassende Dämmerung über zerschossener Ebene, über die Flugzeuge dahinschiessen, die wie böse Wespen auf Opfer fahnden. - Oder die zerfetzten rotwunden aufgerissenen Leiber der Baustämme im Walde von  Blisniki, die ihren Jammer zu einem erbarmunslosen Himmel aufschreien.

Caspar David Friedrich Kalender am 13. November 2017: Die leere Truhe

Caspar David Friedrich: Mädchen an einer Truhe. 29. Dezember
1801, Feder und Bleistift, 18,6 x 12 cm, Privatbesitz

Am 13. November 1801 heiratete der Bruder Caspar David Friedrichs, der Haake (Kaufmann) Adolf, in der Kirche von Woggersin bei Neubrandenburg Margarete Brückner, die Tochter der Pastors primarius der Neubrandenburger Kirche St. Marien und Hain-Dichter Ernst Theodor Brückner. Die beiden Eheleute starteten mit einer sehr bescheidenen Aussteuer. Für das Erste konnten sie in einer leer stehenden Pfarrwohnung in der Großen Wollweberstraße in Neubrandenburg leben. Friedrich hat am 29. Dezember die wirtschaftlich missliche Ausgangslage  mit einer Zeichnung dokumentiert, die Margarete Brückner an einer leeren Truhe zeigt.

Sonntag, 12. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 12. November 2017: Ehrenort

Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin.
Foto: Manfred Brückels, CC-BY-SA-3.0, wikimedia

Am 12. November 1810 wurde Caspar David Friedrich auswärtiges Mitglied der Preußischen Akademie der Künste zu Berlin. Die befand sich 1810 im Palais Arnim. Heute steht dort der Neubau der Akademie der Künste zu Berlin. Die Akademie hatte nie vor, den Dresdner Maler aufzunehmen. Da aber das preußische Königshaus Friedrichs Bilder Mönch am Meer und Abtei im Eichwald während der Akademieausstellung angekauft hatte, und Heinrich von Kleist eine vielbeachtete Rezension zu den Bildern veröffentliche, gab es großen Druck, Friedrich diese Ehre zu erweisen und politisch zu entscheiden. Für den Maler war es der entscheidende Durchbruch in seiner Karriere.

Das Palais Arnim war von 1907 bis 1938 Sitz der Akademie der
Künste, 1933. Foto: Carl Weinrother, CC-BY-SA-3.0-DE, wikimedia

Freitag, 10. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 11. November 2017: Bewundernde Liebe

Caspar David Friedrich: Gartenterrasse. 1811/12, Öl auf Leinwand,
53,5 x 70 cm, Potsdam, Schloss Sanssouci

Am 11. November 1781 wurde Caroline Bardua in Ballenstedt geboren. Die Malerin lernte Caspar David Friedrich in Dresden im Hause von Gerhard von Kügelgen kennen. Beide verband eine lebenslange Freundschaft. Friedrich war in die Bardua zweifellos verliebt. Das Gemälde Gartenterasse zeigt die Malerin an ihrem Lieblingsplatz unter einem Ballenstedter Aleenbaum. Das auf dem Rasen liegende rote Tuch ist bei Friedrich ein untrügliches Symbol für Leidenschaft. Friedrich hätte seine Liebe der Bardua niemals offenbaren können. Sie war ihm in Bildung und Selbstbewusstsein haushoch überlegen; damit konnte er nur auf eine freundschaftliche Weise umgehen. Caroline Bardua besuchte den Maler bis zu seinem Tod und porträtierte ihn im hohen Alter, von Krankheit gezeichnet.


Caroline Bardua: Caspar David Friedrich. 1839, Öl auf Leinwand,
77 x 63 cm, Dessau, Staatliche Galerie, Schloss Georgium

Donnerstag, 9. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 10. November 2017: Räuberische Kunst

Caspar David Friedrich: Szene aus Schillers "Die Räuber",
um 1798/99, Feder laviert, 20,4 x 26,2 cm,
Pommersches Landesmuseum Greifswald

Am 10. November 1759 wurde Friedrich Schiller in Marbach am Neckar geboren. Das Drama Die Räuber des Autors des Autor der Weimarer Klassik war der einzige Theaterstoff der im Werk Caspar David Friedrichs Verwendung fand. Zu den Räubern entstanden mehrere Blätter für das Kopenhagener Stammbuch. Hier das Blatt mit der Schlussszene, im Zentrum des Bildes Karl Moor.

Mittwoch, 8. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 9. November 2017: Arisiert

Caspar David Friedrich: Gebirgslandschaft mit Regenbogen.
1810, Öl auf Leinwand, 70 x 102 cm, Essen, Museum Folkwang

Caspar David Friedrichs Bild Gebirgslandschaft mit Regenbogen gehörte zu jenen Gemälden aus der Sammlung des jüdischen Bankhauses Simon Hirschland in Essen, die am 9. November 1938 von den Nazis zwecks Arisierung beschlagnahmt wurden. Die Familie Hirschland floh ins Ausland. Der Gauwirtschaftsleiter Hofmann kam im April 1939 in Amsterdam mit Georg Hirschland im Rahmen einer zwangsweisen Vermögensregelung überein, die in Deutschland verbliebenen Gemälde für 350 000 RM zu an die Gauleitung Essen zu verkaufen. Die Gebirgslandschaft mit Regenbogen ist dann in das Museum Folkwang Essen überführt worden. 1945 erfolgte die Rückgabe an den früheren Eigentümer. Das Bild ging 1948 per Vermächtnis Dr. Georg Hirschland endgültig an das Museum Folkwang.

Simon Hirschland Bank, Essen, Germany, 1920, wikimedia

Dienstag, 7. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 8. November 2017: Singender Wanderer



Fundstück im November: Der Tenor Jonas Kaufmann steigt für sein CD Cover mit romantischer Musik unter dem Titel Sehnsucht auf Caspar David Friedrichs Felsen des Wanderers über dem Nebelmeer.

Caspar David Friedrich: Der Wanderer über
dem Nebelmeer. 1818, Öl auf Leinwand, 74,8 x
94,8 cm, Hamburger Kunsthalle

Montag, 6. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 7. November 2017: Tragödie der Landschaft

Édouard Baldus: Pierre-Jean David d'Angers. 1853

Am 7. November 1834 besuchte David d’Angers Caspar David Friedrich in seinem Dresdener Atelier. Nach Mitteilung von Carl Gustav Carus soll der französischen Bildhauer beim Blick auf Friedrichs Bilder ausgerufen haben
Voilà un homme, qui à découvert la trágédie du paysage

(Hier ist ein Mensch, der die Tragödie der Landschaft entdeckt hat). Diese Worte werden in der Literatur in den unsinnigsten Varianten wiedergegeben. Doch die Einschätzung, dass der Maler die Tragödie der Landschaft entdeckt habe, ist die am meisten zitierte Einschätzung zum Werk des Romantikers und trifft wohl das Wesentliche. Das Bild, auf welches sich David d'Angers bezogen hat, könnte das Große Gehege gewesen sein.


Caspar David Friedrich: Das große Gehege. Um 1830, Öl
auf Leinwand, 73,8 x 102,5 cm, Dresden, Galerie Neue Meister

Sonntag, 5. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 6. November 2017: Der trauernde Maler

Caroline Bardua. Porträt Caspar David Friedrich.
1810, Öl auf Leinwand, 76.5 × 60 cm, Berlin Alte Nationalgalerie

Caspar David Friedrichs Vater, Adolph Gottlieb Friedrich, starb am 6. November 1809 an den folgen einer Krebserkrankung. Den trauernden Maler mit der Trauerbinde am linken Arm porträtierte die Freundin Caroline Bardua im Frühjahr 1810 in Dresden. Friedrich hatte seinen Vater zum letzten Mal im Juni 1809 in Neubrandenburg bei seinem Bruder Johannes gesehen. Der alte Friedrich wollte eigentlich in seinem Geburtsort Neubrandenburg sterben und unter seinen Ahnen begraben liegen. Er weilte dort sehr krank bis zu Ende des Sommers. Es schien ihm dann plötzlich wieder besser zu gehen, so reiste er zurück nach Greifswald und starb dort.

Caspar David Friedrich: Adolph Gottlieb Friedrich, lesend.
1802, schwarze Kreide, Kunsthalle Mannheim

Caspar David Friedrich Kalender am 5. November 2017: Grassis Versprechen

Joseph Maria Grassi: Selbstporträt. Öl auf Leinwand,
um 1800, 107,4 x 85,1 cm, Privatbesitz

Caspar David Friedrich schrieb am 5. November 1800 an seinen dänischen Freund Johan Ludwig Lund in Kopenhagen:

[...] ich werde vielleicht in einer Zeitvon drei Wochen nach Pohlen gehen zu einem Fürsten als zeichen Meister bei seine Kinder; meine Bedingungen unter der ich die Condiction an-nehme, nemlich 100 Ducaten jährlich[,] alles frei und die Kosten hin und her; genehmigt der Fürst sie, so reise ich erst auf einige Wochen zu Hause und von da iezt vort. Grassi hat mich dazu angenommen.

Die Vermittlung Friedrichs nach Polen geschah durch den österreichischen Maler Joseph Maria Grassi, der seit 1799 Professor in Dresden war, zuvor jedoch ein erfolgreicher Porträtmaler in Warschau. Grassis Versprechen, dem jungen Maler einen fürstlichen Job zu besorgen, erwies sich als eine Ente und Friedrich war nie in als Lehrer Polen gewesen. Grassi wurde durch ein einziges Porträt berühmt, durch das der preußischen Königin Luise von 1804.


Joseph Maria Grassi: Porträt der Königin
Luise von Preußen. 1804

Samstag, 4. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 4. November 2017: Aus dem Poesiealbum

Caspar David Friedrich: Felsengruppe aus
dem Elbsandsteingebirge. 1828, Bleistift
und Aquarell, 20,1 x 15,6 cm,Staatliche
Graphische Sammlung München  

Am 4. November 1958 ging das Aquarell Felsengruppe im Elbsandsteingebirge von Caspar David Friedrich in den Besitz der Staatlichen Graphischen Sammlung München über. Das Blatt wurde am Vortag auf der Auktion bei Karl & Farber München ersteigert. Das Aquarell stammt aus einem Dresdner Freundschaftsalbum.

Es sind bei Auktionen immer mal wieder überraschend Arbeiten zu sehen, die man aus solchen Stammbüchern oder Freundschaftsalben heraus getrennt hat. Oft waren sich die Vorbesitzer eines solchen ererbten Stücks nicht über den Wert des Inhaltes im Klaren, der später bei der Versteigerung erzielt wurde. Friedrich hatte auch bei solchen kleinen Geschenken sein ganzen Können unter Beweis stellen wollen.

Das Motiv ist bei den Liebethaler Steinbrüchen anzusiedeln. Diese Steinbrüche wurden von zahlreichen Dresdner Malern ins Bild genommen und kursierten in unzähligen Kupferstichen. Der sächsische Malerweg beginnt im Liebethaler Grund, der einen wunderbaren Herbstausflug hergibt.


Carl August Richter: Steinbrueche Liebethaler Grund

Donnerstag, 2. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 3. November 2017: Der böhmische Schüler

Carl Robert Croll: Pohled k Bohosudovu, Öl auf Leinwand,
1838, Regionalmuseum in Teplice

Am 3. November 1863 starb Carl Robert Croll in Prag. Der Maler von romantischen Landschaften und Stadtansichten war Caspar David Friedrichs böhmischer Schüler, ließ sich aber auch von Johan Christian Clausen Dahl und Ludwig Richter ausbilden. Die Summe dieser Einflüsse brachte einen eigenen, detailversessenen, aber doch organischen Stil hervor, bei dem Friedrich vor allem die kompositorischen Grundsätze beigesteuert haben kann.


Croll lebte im böhmischen Teplitz und später in Prag. Wie Friedrich konnte sich Croll auch der Förderung durch den nicht sehr kunstsinnigen preußische König König Friedrich Wilhelm III erfreuen. Die Werke Crolls findet man in der Galerie Neuer Meister in Dresden und in mehreren Museen Tschechiens.


Carl Robert Croll: Blick über winterliche Landschaft
auf die Stadt Prag, um 1830, Öl auf Leinwand, 26 x 41 cm, Privatbesitz
Carl Robert Croll: Kirche mit Friedhof in Böhmen,
1830, Aquarell, 21,8 x 30,2 cm, Privatbesitz
Carl Robert Croll: Hrad Střekov. Um 1830, Öl auf
Leinwand, 41,5 x 57,5 cm, Privatbesitz

Caspar David Friedrich Kalender am 2. November 2017: Postkartenherbst

Caspar David Friedrich: Herbst. 1803, Sepia,
19 x 27,5 cm, Kupferstichkabinett Berlin

Caspar David Friedrich hat in seinen Jahreszeiten Zyklen immer wieder Herbstlandschaften entworfen, die in ihrer Komposition unterschiedlicher nicht sein können. In der frühesten Variante von 1803 war das eine ausgesprochenes Postkartenmotiv. Wobei er die Alpen, hier im Hintergrund, nie gesehen hat und sich an Darstellung seiner Dresdner Kollegen bediente.

Mittwoch, 1. November 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 1. November 2017: Menscheitsgeschichte

Caspar David Friedrich: Mondaufgang am Meer. 1822,
Öl auf Leinwand, 55 x 72 cm, Alte Nationalgalerie Berlin

Am 1. November 2015, endete im Oberhausener Gasometer die Ausstellung Der schöne Schein. Dort waren in einem imaginären Museum 200 die großen Kunstwerke der Menschheitsgeschichte zu besichtigen, die sich in unser kollektives Bildgedächtnis eingeprägt haben. Die faszinierende Vielfalt der Schönheitsvorstellungen verschiedener Kulturen und Epochen sollte so sinnlich erfahrbar werden. Darunter Caspar David Friedrichs Mondaufgang am Meer neben  der Venus von Milo, Polyklets Speerträger, Boschs Garten der Lüste, Botticellis Geburt der Venus, Hokusais Große Welle.

Dienstag, 31. Oktober 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 31. Oktober 2017: Friedrichs guter Geist

Georg Friedrich Kersting: Caspar David Friedrich
in seinem Atelier. 1811, Öl auf Leinwand,
54 x 42 cm, Kunsthalle Hamburg

Georg Friedrich Kersting wurde am 31. Oktober 1785 in Güstrow geboren. Man kann den Interieurmaler der Romantik als den guten Geist Caspar David Friedrichs bezeichnen. Friedrich schottet sich in seinem Schaffensprozess normalerweise vor jedermann ab. Kersting bildete die Ausnahme. Von ihm stammt die Darstellung Friedrichs in seinem Atelier. Kersting soll seinem Freund Friedrich auch kleine menschliche Figuren in die Landschaften gemalt haben, weil dieser das nun unzureichend vermochte. Bei Kersting gehörten diese Miniaturen zum Handwerk, denn er war ab 1818  Malervorsteher der Königlich-Sächsischen Porzellanmanufaktur in Meißen.

Eine größere Sammlung und Ausstellung zu Kersting befindet sich im Stadtmuseum Güstrow.

Georg Friedrich Kersting: Caspar David Friedrich
auf dem Weg ins Riesengerbirge. 1810, Bleistift,
31 x 24 cm, Staatliche Museen Berlin

Sonntag, 29. Oktober 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 30. Oktober 2017: Bald Halloween

Caspar David Friedrich: Skelette in der Tropfsteinhöhle.
um 1826, Sepia, 18,8 x 27,5 cm, Hamburger Kunsthalle

Caspar David Friedrich hat sich sein Malerleben lang mit dem Tod beschäftigt, den Tod aber in Abwesenheit des Todes als Metapher dargestellt - bis auf das eine Sepiablatt Skelette in der Tropfsteinhöhle, das um 1826 entstand und vermutlich zu einem Lebenalterzyklus gehört. Da liegen vor einer Tropfsteinhöhle zwei Skelette die vom Mond beschienen werden. In dieser Einzigartigkeit in Friedrichs Werk, abseits der christlichen Motivik, ist das Blatt eine Art Halloweenbild.

Caspar David Friedrich Kalender am 29. Oktober 2017: Volkskunst plötzlich Friedrich

Caspar David Friedrich: Morgennebel im Gebirge. Öl auf
Leinwand, 71 x 104 cm, Staatliche Museen Heidecksburg

Das Gemälde Morgennebel im Gebirge stand nach berichten von Zeitgenossen im Oktober 1808 in Caspar David Friedrichs Dresdner Atelier auf der Staffelei. Bis 1941 hing das Bild im Museum Heidecksburg in Rudolstadt als heimatkünstlerische Landschaft aus dem SchwarzatalWalther Scheidig entdeckte dann das Gemälde als Friedrichs Werk. Der Berg ist aus Studien aus der Sächsischen Schweiz zusammen gesetzt. Heute kommen nicht wenige Besucher in die Sammlung des Museums wegen des Friedrich-Bildes. Eine Herbstreise nach Thüringen lohnt sich.

Freitag, 27. Oktober 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 28. Oktober 2017: Zackige Romantik

Briefmarke Bundesrepublik Deutschland 1974

Eine Dauerausstellung, zusammengestellt aus Briefmarken zur Postgeschichte und zu Caspar David Friedrich sowie Postkarten, wurde vor zwei Jahren, am 28. Oktober 2015, im Foyer des Stadthauses präsentiert. Zu sehen waren in Greifswald zu ersten Mal die gesamte Kollektion der herausgegebenen Friedrich-Postwertzeichen.

Briefmarke DDR 1967
Briefmarke DDR 1974
Briefmarke DDR 1974
Briefmarke DDR 1974
Briefmarke DDR 1974
Briefmarke DDR 1974
Briefmarke Bundesrepublik Deutschland 2011

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 27. Oktober 2017: Friedrichs Brüder und die Frauen

Caspar David Friedrich: Marktplatz von Greifswald. 1818,
Feder, Aquarell, 54,5 x 67 cm, Pommersches Landesmuseum

Am 27. Oktober 1809 heiratete Caspar David Friedrichs Bruder Heinrich in Greifswald. Zur Hochzeit war der Maler eingeladen. Zehn Tage vor der Hochzeit teilt sich Heinrich seinen Brüdern in Briefen mit, wie er seine künftige Frau sieht. Diese Ansichten über die Ehefrau war mit kleinen Unterschieden allen Friedrich-Brüdern eigen.Sie heirateten spät eine junge Frau.

Amalia Hube, die älteste Tochter des Schlösseraltermanns Hube ist seit einigen Wochen meine liebe Braut, am 27sten diese Monats wird Hochzeit [sein,] folglich hab' ich um 10 Tage eine Frau.
[...] Dir ists wohl nicht eingefallen daß ich auch eine Frau anfassen würde, wirklich ich habe mich schon öfters selbst als einen lebenslänglichen Hahngestolzen angesehen, ich bin froh daß ich es jetzt nicht bleibe, und Gott wird seinen Segen geben daß mir dieser Schritt stets eine frohe Rückerinnerung bleiben wird. Meine Braut ist 18 1/2 Jahr alt und sieht einem Kinde von 12 bis 14 Jahren ähnlich. Adolf seine Grete ist im Wuchs stark und völlig gegen ihr: Sie hat bis jetzt sehr häuslich gelebt, ist meiner Meinung nach fleißig, ist in allen weiblichen Arbeiten unterrichtet, und spielt sehr gut Klavier.Sehr wenige Menschen wissen es das Hube eine Tochter hat die in den Jahren des verheiratens ist. [...]

Auf dem Bild Marktplatz von Greifswald versammelt Caspar David Friedrich die Mitglieder seiner Familie, Freunde und Bekannte. Die vordere Männergruppe zeigt von rechts nach links seine in Greifswald lebenden Brüder Adolf, Heinrich und Christian Friedrich und den Kaufmann Praefke. Links und rechts und im Hintergrund sind deren Frauen und Kinder dargestellt. Das Bildmotiv ist vom damaligen Wohnsitz und Geschäftshaus Markt 10 von Friedrichs Bruder Heinrich, Seifensieder wie sein Vater und Bruder Adolf, aufgenommen. Das Wohnhaus von Bruder Heinrich ist heute das Gebäude der Sparkasse.

Der Marktplatz ist Teil des Caspar David Friedrich Bildweges in Greifswald Info hier

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 26. Oktober 2017: Gott sonnt sich am Strand

Theodor Schwarz: Uferpredigt bei Vitt. Vor 1851, Aquarell

Ludwig Gotthard Kosegarten starb am 26. Oktober 1818 in Greifswald. Der Dichter und Pastor von Altenkirchen auf Rügen suchte Gott in der Natur und predigte statt in seiner Kirche am Ufer der Ostsee. Da er mit Caspar David Friedrich befreundet war, führen viele Kunsthistoriker die naturreligiösen Ansichten des Malers auf den Einfluss des Predigers zurück. Letztlich seien demnach die Gemälde der Mönch am Meer oder das Kreuz an der Ostsee die Belege dafür. Nachgewiesen werden konnte eine solche produktive Verbindung zwischen Friedrich und Kosegarten jedoch nicht. In Altenkirchen gibt es an der Kirche ein Museum mit einer Dauerausstellung zu Kosegarten. 

Caspar David Friedrich: Kreuz an der Ostsee. 1815,
Öl auf Leinwand, 45 x 33,5 cm, Berlin Schloss Charlottenburg
Caspar David Friedrich: Der Mönch am Meer. Um 1809,
Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Berlin Nationalgalerie

Dienstag, 24. Oktober 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 25. Oktober 2017: British coastal romance

Richard Parkes Bonington: Seestück:
An der französischen Küste, ca.1823/24

Richard Parkes Bonington wurde am 25. Oktober 1802 geboren. Der Maler der Romantik war zu Caspar David Friedrich als Küstenmaler das britische Pendant. Er setzte mit seiner Maltechnik des Aquarellierens neue Maßstäbe. Mit seiner Technik und Art der Darstellungsweise gilt er auch als Wegbereiter für die spätere Schule von Barbizon.

Richard Parkes Bonington: Die adriatische Küste.
Um 1820, Öl auf Leinwand, 30 x 42 cm, Louvre Paris

Richard Parkes Bonington, Sunset in the Pays de Caux. 1828,
Aquarell 20 x 26 cm, Wallace Collection, London