Donnerstag, 21. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 21. September 2017: Herbstdepression

Caspar David Friedrich: Meeresküste bei Mondschein. 1830,
Öl auf Leinwand, 77 x 97 cm, Berlin Nationalgalerie

Im September 1829 wandte sich der Arzt und Maler Carl Gustav Carus nach gut zehnjähriger Freundschaft von Caspar David Friedrich ab. Er schrieb darüber:

Von Friedrich muss einmal ausführlich schreiben, über ihm hängt seit ein paar Jahren eine dicke trübe Wolke geistig unklarer Zustände dieweil sie ihn zu schroffen Ungerechtigkeiten gegen die Seinigen verleiten, der ich offen mich hierüber gegen ihn ausgesprochen, von ihm ganz abgelöst haben.

Friedrich litt einen großen Teil seines Lebens unter depressiven Schüben, die sich im September mit dem Eintritt in die dunklere Jahreszeit verstärkten. Über die Ursachen kann man nur spekulieren. Am wahrscheinlichsten ist dafür ein erheblicher Selbstwertkonflikt verantwortlich, den der Maler mit sich herum trug. Der Schiffbruch gilt bei ihm als ein typisches Depressionsmotiv. An dem Gemälde Meeresküste mit Mondschein hat Friedrich sehr wahrscheinlich  im September 1829 in seinem Dresdner Atelier gearbeitet.

Dienstag, 19. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 20. September 2017: Der junge Epigone

Albert Zimmermann: Walpurgisnacht (Aus Goethes Faust), vor 1866

August Albert Zimmermann wurde am 20. September 1808 in Zittau geboren. In seiner Jugend interessierte er sich für die Landschaftsmalerei und bildete sich autodidaktisch aus und ging 1830 nach Dresden, um seinem Vorbild Caspar David Friedrich nahe zu sein. Von Dresden aus machte er in der sächsischen Schweiz und im böhmischen Erzgebirge Studien. Zimmermanns Landschaften ragten nicht über das Schaffen der Landschaftsmaler seiner Generation hinaus, aber lud wie Friedrich das Sujet mit romantischen Bilderzählungen auf, wie in dem Gemälde zu Goethes Faust-Szene auf dem Blocksberg.

Montag, 18. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 18. September 2017: Wunderbar oder wunderlich?

Joseph Karl Stieler: Johann Wolfgang von Goethe. 1828,
Öl auf Leinwand, 78 × 63.8 cm, Neue Pinakothek München

Am 18. September 1810 besucht Johann Wolfgang von Goethe den Maler Caspar David Friedrich in seinem Dresdner Atelier. In sein Tagebuch notierte der Dichterfürst zwei wunderbare Landschaften gesehen. Gemeint waren damit die beiden Gemälde Der Mönch am Meer und Abtei im Eichwald. Nun ist von Goethe bekannt, dass er den Mönch am Meer nicht mochte, nicht einmal für Kunst hielt. Die Kunsthistoriker rätselten, wie man den Tagebucheintrag deuten sollte? Goethe hat das Wort wunderbar oft ambivalent, mehr im Sinne von wundersam, wunderlich verwendet. Das scheint des Pudels Kern. Hier ein Beispiel für einen solchen Gebrauch des Wortes in einem Goethe-Zitat.

Gewiß bleibt es wunderbar, daß der Mensch das große Vorrecht, nach seinem Tode noch über seine Habe zu disponieren, sehr selten zu Gunsten seiner Lieblinge gebraucht und, wie es scheint aus Achtung für das Herkommen, nur diejenigen begünstigt, die nach ihm sein Vermögen besitzen würden, wenn er auch selbst keinen Willen hätte.


Caspar David Friedrich: Abtei im Eichwald. Um 1809,
Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Berlin Nationalgalerie
Caspar David Friedrich: Der Mönch am Meer. Um 1809,
Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Berlin Nationalgalerie

Sonntag, 17. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 19. September 2017: Stadt der Träume

Caspar David Friedrich: Gebirgige Flusslandschaft. Beleuchtete Nachtseite, 1830/35,
Transparentmalerei, 76 x 130 cm, Kassel, Staatliche Kunstsammlungen

Diese Bild könnt die Stimmung eines Septemberabends einfangen. Die sonst in Bildpaaren dargestellte Tageszeiten- und Lebensalterthematik vereinigt Caspar David Friedrich hier durch eine doppelseitige Bemalung eines Bildes. Auf der Seite der Morgenstimmung gleiten Menschen in einem Kahn der nebeligen Morgensonne entgegen. Die Nachtszene zeigt das selbe Motiv und macht im Hintergrund eine Stadt mit Türmen sichtbar, vom Licht des Vollmondes beschienen, zwischen beidseitig ansteigenden Gebirgszügen. Hinter das Transparentbild musste eine Kerze zur Beleuchtung gestellt werden.

Friedrich hatte die Silhoutten der Stadt Neubrandenburg mit der Marienkirche im Zentrum in mehreren Bildern gotisch idealisiert. Hier treibt der Maler diese Idealisierung noch weiter am Ende des Tollensesees vom Südende her gesehen, einschließlich der Darstellung der umgebenden Hügellandschaft als Gebirge. Die heutige Landbrücke bei Nonnenhof war um 1800 durch einen erhöhten Wasserstand des Sees im Frühjahr und im Herbst nur noch als zwei charakteristische Inseln zu sehen.


Caspar David Friedrich: Gebirgige Flusslandschaft. Tagseite,1830/35,
Transparentmalerei, 76 x 130 cm, Kassel, Staatliche Kunstsammlungen

Caspar David Friedrich Kalender am 17. September 2017: Männernachmittag auf dem Friedhof

Caspar David Friedrich: Grabkreuz. 17. September,
Bleistift, 17,3 x 21,1 cm, Kupferstichkabinett Dresden

Am Nachmittag des 17. September 1824 sitzen Caspar David Friedrich und sein Freund, der Arzt und Maler Carl Gustav Carus, gemeinsam auf dem Briesnitzer Friedhof und zeichnen das gleiche Grabkreuz. Wie andere Zeichnungen belegen, hat es die beiden Maler öfters auf diesen Friedhof von Briesnitz, heute ein Stadtteil von Dresden, gezogen. Auch andere Zeichner hat der Friedhof fanden an dem Ort gefallen, wie Carl Wilhelm Arldt. Die Dresdner gingen dort gern spazieren.

Carus schrieb in seinen Lebenserinnerungen:

Ich bewahre noch in meinen Portfeuillen nebeneinander die sauberen Bleistiftzeichnungen eines mit Winden gar anmuthig umwachsenen eisernen Kreuzes auf dem schön gelegenen Kirchhofe des Dorfes Priesnitz bei Dresden, welche wir beide nebeneinander sitzend, treulich und bestens vollendet hatten, und jeder Betrachtende wird zwei ganz verschiedene Blätter und noch Ein [sic!] Object erkennen, so wenig wir es doch auf irgendeine ideale, sondern nur auf ganz treue Naturauffassung abgesehen hatten.

Carl Gustav Carus: Grabkreuz auf dem
Briesnitzer Friedhof. 17. September 1824,
Bleistift, 18 x 12,1 cm Kupferstichkabinett Dresden


Carl Gustav Carus: Zwischen zwei Grabkreuzen sitzende
Männer in Rückenansicht. Bleistift, 15,7 x 12,1 cm
Kupferstichkabinett Dresden

Carl Gustav Carus: Friedhof in Briesnitzer. 12. April 1822,
Bleistift, 25,1 x 21,7 cm Kupferstichkabinett Dresden

Die Kirche in Briesnitz, Blatt aus Sachsens Kirchen-Galerie
von Hermann Schmidt, 1837, Bd. 1, Müller, C. (Stecher) Arldt,
Carl Wilhelm (Autor), um 1837 Kupferstich-Kabinett

Freitag, 15. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 16. September 2017: Wie ein verschleiertes Mädchen

Caspar David Friedrich: Elbschiff im Frühnebel. Um 1821, Öl auf Leinwand,
22,5 x 30,8 cm, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud Köln

Der September ist der erste Nebelmonat des Herbstes. Caspar David Friedrich hat den Nebel in der Wirkungsästhetik seiner Bilder gezielt eingesetzt und beschreibt diese Wirkung wie folgt:

Wenn eine Gegend sich in Nebel hüllt, erscheint sie größer, erhabener und erhöht die Einbildungskraft und spannt die Erwartung gleich einem verschleierten Mädchen.

Das Gemälde Elbschiff im Frühnebel gibt einen Eindruck wieder, den der in Dresden an der Elbe lebende Maler unzählige Male erfahren hat. Das Frachtschiff mit seinen Arbeitern auf der Elbe inmitten der aufsteigenden Nebelschwaden als geisterhaften Erscheinung im Bildzentrum regt die Vorstellungskraft an.

Die klar gezeichneten Weiden, das Schilf und zarte Blütenpflanzen schieben sich wie eine diagonale Barriere von Hyperrealität der fassbaren Welt zwischen den Betrachter und dem Unwägbaren der Veränderung, die der dahinziehende Nebel in jeder neuen Minute von der Landschaft, dem Fluss, dem Schiff und den Elbschiffern frei gibt. So offenbart das naturgemäß statische Bild einen Gegensatz von stiller Bewegungslosigkeit und großer Dynamik.

Caspar David Friedrich Kalender am 15. September 2017: Schwierigkeiten mit dem Herbst

Caspar David Friedrich: Herbst. Um 1826, Sepia,
19,1 x 27,5 cm, Hamburger Kunsthalle

Die Blätter des Tageszeiten, Jahreszeiten- und Lebenszyklus von Caspar David Friedrich sind den Jahreszeiten augenscheinlich zuzuordnen, nur bei der im September 1826 gezeichneten Sepia Herbst weiß der Betrachter nicht, wie diese Bilderzählung zur Jahreszeit zu interpretieren ist. Wenn man darüber nachdenkt, fällt auf dass der Maler in seinem umfangreichen Werk kein Bild fertigte, dass sich so ohne weiteres einer Herbstlandschaft zuordnen lässt. Friedrich schien Schwierigkeiten mit der Darstellung des Herbstes zu haben. Die üppige Pflanzenpracht des Sommers ist vorbei und die bevorzugten harten Kontraste des Winters zeigen sich noch nicht - vielleicht ist es so zu erklären.

Dienstag, 12. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 14. September 2017: War Friedrich ein Schwede?

Caspar David Friedrich: Lebensstufen. Um 1835, Öl auf
Leinwand, 72,5 x 94 cm, Museum der Bildenden Künste Leipzig

In dem Gemälde Die Lebensstufen von 1835 hält ein kleiner Junge ein schwedisches Fähnchen in die Höhe. Diese Symbolik gilt als deutlichstes Zeichen der Sympathie des Malers für Schweden.

In der Folge des Wiener Kongresses wurde Schwedisch-Pommern im September 1815 Preußen zugeschlagen, also auch Caspar David Friedrichs Heimatstadt Greifswald. Wegen der Zugehörigkeit Pommerns zu Schweden gab es die weit verbreitete Annahme, Friedrich sei Schwede, habe auch nach 1815 einen schwedischen Pass besessen.

Dr. Joachim Krüger, Historiker von der Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald, konnte auf Anfrage dazu aufklären:

Die Einwohner in Schwedisch-Pommern haben, sofern sie nicht auch im Königreich Schweden direkt beheimatet waren, nie einen schwedischen Pass besessen. Schwedisch-Pommern blieb auch nach 1648 ein Territorium des Heiligen Römischen Reichs dt. Nation. Derschwedische König (in diesem Fall die Königin Christina) wurde als Reichsfürst eingesetzt (als Herzog von Pommern), er war als solcher Vasall des Kaisers. Die Einführung der schwedischen Verfassung, durch welche die Bewohner Schwedisch-Pommerns tatsächlichSchwedische Untertanen geworden wären, wurde 1806 zwar vorbereitet, aber aufgrund der Napoleonischen Kriege und der Absetzung des schwedischen Königs Gustav IV. Adolf (1809) nicht umgesetzt. Schwedisch-Pommern stand bis 1806 in einem Doppelstatus: als deutsches Herzogtum und gleichzeitig als schwedische Provinz. Aber die Untertanen waren keine Schweden, sie waren Einwohner eines Reichsfürstentums. Das, was sie mit Schweden verband, war der schwedische König.
Als Schwedisch-Pommern an Preußen übergeben wurde, änderte sich für die Bevölkerung erst einmal kaum etwas. Der alte König (und als solcher Herzog von Schwedisch-Pommern) entband seine Untertanen vom Eid. Die Bevölkerung (richtiger die Landstände) huldigte anschließend dem neuen König, der ebenfalls die Stellung eines Herzogs von Pommern einnahm. Die Einwohner waren keinesfalls staatenlos. Die Gesetze blieben in Neuvorpommern, oder, wie es richtig hieß, im Regierungsbezirk Stralsund, die gleichen wie zuvor. Erst allmählich erfolgte eine Anpassung an das preußische Gesetzbuch.

Caspar David Friedrich war also nie schwedischer Staatsbürger gewesen und hatte demnach auch keinen schwedischen Pass, sorgte jedoch für Legendenbildung.

Montag, 11. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 12. September 2017: Leben auf dem Lande

Caspar David Friedrich: Reetgedeckte
Kate und Mann mit Pfeife am Zaun.
1815, Bleistift, Feder, Privatbesitz

Septemberfundstück. Ein  großer Teil von Caspar David Friedrichs zeichnerischen Werk befindet sich in Privatsammlungen und wird nur sichtbar beim Besitzerwechsel auf Auktionen. Die Zeichnung
Reetgedeckte Kate und Mann mit Pfeife am Zaun, die im Sommer 1815 auf einer Rügenreise des Malers entstand, ist solch ein Blatt. Bauernkate und Mann am Zaun findet man in Friedrichs Werk als häufiges Motiv. Viele Zeichnungen dokumentieren die bäuerliche Lebensweise am Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Bauernkate als Ferienhaus auf Rügen könnte heute eine romantisches Update sein. Dieses Blatt erzielte einen Preis von 75.000 Euro.

Caspar David Friedrich Kalender am 11. September 2017: Zuerst die Sachsen

Polizeihaus in Dresden am 10. September 1830

Caspar David Friedrich schrieb am 11. September 1830 an seine Brüder in Greifswald einen langen Brief über die revolutionären Ereignisse in Dresden. Während in Deutschland erst 1848 die Revolution stattfand, probten die Sachsen als erstes Volk in Deutschland den Aufstand schon 18 Jahre zuvor.

Lieben Brüder

Überall hört man von Krieg und Krieges Geschrei, von Empöhrung und Aufruhr
auch die Dresdner Einwohner haben sich einmal gerüttelt und geschüttelt. Euch
davon zu benachrichtigen wie es ohngefähr sich zugetragen ist die Absicht 
diese Briefes. Doch rechnet nicht auf eine sehr geregelte Erzehlung ich bin zu 
aufgeregt umd es zu können wenn ich es auch sonst noch allenfalls imstande wehre. [...]
Um 10 Uhr gingen wir zu Bette und 11 Uhr wurde durch Feuerlärm 
geweckt bald darauf wurde der Generalmarsch der Bürger geschlagen und nun 
hörte man auch ein furchtbares Hura! Hura! rufen. Nicht lange hörte ich mit 
entset[z]lichen Geschrei das Volk sich der Hauptwache nähern (so ich aus meinen
Fenster sehen kann) es fielen ohngefähr 8 bis 10 Schüße darauf verstummte der
Lärm aber nur einige Minuten. Dann begann der Lärm und das Toben um so stärker;
und dies war der Augenblick, wo das Volk die Soldaten von der Hauptwache
weggeprügelt hatte um sie von den Bürgern besetzt zu wissen, sie ich nachher erfuhr [...]

Sonntag, 10. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 10. September 2017: Mastwald in Farbe

Caspar David Friedrich: Greifswalder Hafen mit Steinbecker Brücke.
10. September 1815, Bleistift, 15,5 x 24,4 cm, Nationalmuseum Oslo

Caspar David Friedrich zeichnete am 10. September 1815 von einem Boot auf dem Ryck aus die Steinbecker Brücke am Greifswalder Hafen. Das Bild entstand während der Rügenreise, die der Maler mit dem Dresdner Münzbeamten Kummer unternahm. Der rechte Mastwald ist im folgenden Jahr in dem Gemälde Ansicht eines Hafens verwendet.


Caspar David Friedrich: Ansicht eines Hafens
(Greifswalder Hafen, Ein Seehafen). 1816, Öl auf
Leinwand, 90 x 71 cm, Schloss Charlottenhof Potsdam

Freitag, 8. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 9. September 2017: Zensur im Feuilleton

Caspar David Friedrich: Der Mönch am Meer. Um 1809,
Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Berlin Nationalgalerie

Clemens Brentano de La Roche wurde am 9. September 1778 in Ehrenbreitstein (heute Koblenz) geboren. Mit Caspar David Friedrich verbindet den Schriftsteller der Heildelberger Romantik einer der ersten bedeutenden Zensurakte bei der Kunstkritik im deutschen Feuilleton.

Heinrich von Kleist als Redakteur der Berliner Abendblätter bat 1810 Brentano und Achim von Arnim um eine Besprechung zu Friedrichs Mönch am Meer. Brentano verfasste einen Text, der Betrachter des Bildes mit ihrem mangelnden Kunstverstand aufs Korn nahm. Kleist arbeitete die Vorlage völlig um zu dem bekannten Hymnus auf den Mönch. Brentano war so verärgert, dass sich Kleist genötigt sah, eine Erklärung abzudrucken. 

Hier die Dokumentation aller Texte: 

Brentano, Clemens / Achim von Arnim: Verschiedene Empfindungen vor einer Seelandschaft von Friedrich, worauf ein Kapuziner. (Bei einer Kunstausstellung.) In: Iris. Unterhaltungsblatt für Freunde des Schönen und Nützlichen. Nr. 20, 28. 1. 1826, 77–78.

Es ist herrlich, in unendlicher Einsamkeit am Meeresufer, unter trübem Himmel auf eine unbegränzte Wasserwüste hinzuschauen, und dazu gehört, daß man dahin gegangen, daß man zurück muß, daß man hinüber möchte, daß man es nicht kann, daß man alles zum Leben vermißt und seine Stimme doch im Rauschen der Fluth, im Wehen der Luft, im Ziehen der Wolken, dem einsamen Geschrei der Vögel, vernimmt, dazu gehört ein Anspruch, den das Herz macht, und ein Abbruch, den einem die Natur thut. Dieses aber ist vor dem Bilde unmöglich, und das was ich in dem Bilde selbst finden sollte, fand ich erst zwischen mir und dem Bilde, nämlich einen Anspruch, den mir das Bild that, indem es denselben nicht erfüllte, und so wurde ich selbst der Kapuziner, das Bild ward die Düne, das aber, wo hinaus ich mit Sehnsucht blicken sollte, die See, fehlte ganz. Dieser wunderbaren Empfindung nun zu begegnen lauschte ich auf die Aeußerungen der Verschiedenheit der Beschauer um mich her, und theile sie als zu diesem Gemälde gehörig mit, das durchaus Decoration ist, vor welchem eine Handlung vorgehen muß, indem es keine Ruhe gewährt.

Eine Dame und ein Herr, welcher vielleicht sehr geistreich war, traten auf, die Dame sah in ihr Verzeichniß und sprach: Nro. zwei; Landschaft in Oel. Wie gefällt sie Ihnen. Herr: Unendlich tief und erhaben. D. Sie meinen die See, ja die muß erstaunlich tief seyn, und der Kapuziner ist auch sehr erhaben. Hr. Nein, Frau Kriegsrath, ich meine die Empfindung des einzigen Friedrichs bei diesem Bilde. D. Ist es schon so alt, daß er es auch gesehen? Hr. Ach, Sie mißverstehn mich, ich rede von dem Maler Friedrich, Ossian schlägt vor diesem Bilde in die Harfe. (ab)

Zwei junge Damen. 1. Hast du gehört, Louise, das ist Ossian. 2. Ach nein, du mißverstehst ihn, es ist der Ocean. 1. Er sagte aber, er schlüge in die Harfe. 2. Ich sehe aber keine Harfe. Es ist doch recht graulich anzusehen. (ab)

– Zwei Kunstverständige. 1. Ja wohl graulich, es ist alles ganz grau, wie der nur solche trockne Dinge malen will. 2. Sie wollen lieber sagen, wie er so nasse Dinge so trocken malen will. 1. Er wird es wohl so gut malen als er kann. (ab)

– Eine Erzieherin mit zwei Demoiselles. Erz. dieß ist die See bei Rügen. 1. Dem. Wo Kosegarten wohnt. 2. Wo die Colonialwaaren herkommen. Erz. Warum er nur so trübe Luft gemalt. Wie schön, wenn er im Vordergrund einige Bernsteinfischer gemalt hätte. 1. Dem. Ach ja, ich möchte mir selbst einmal eine schöne Schnur Bernstein zusammen fischen. (ab)

– Eine junge Frau mit zwei blonden Kindern und ein Paar Herrn. Herr: Herrlich, herrlich, dieser Mann ist doch der einzige, der in seinen Landschaften ein Gemüth ausdrückt, es ist eine große Individualität in diesem Bilde, die hohe Wahrheit, die Einsamkeit, der trübe schwermuthsvolle Himmel, er weiß doch, was er malt. 2. Hr. Und malt auch was er weiß, und fühlt es, und denkt es, und malt es. 1. Kind. Was ist denn das? 1. Hr. Das ist die See, mein Kind, und ein Kapuziner, der daran spazieren geht und traurig ist, daß er keinen so artigen Jungen hat wie du. 2. Kind. Warum tanzt der Kapuziner denn nicht vorn herum, warum wackelt er nicht mit dem Kopf, wie im Schattenspiel? Das wäre doch schöner. 1. Kind. Es ist wohl so ein Kapuziner, der das Wetter anzeigt, wie der vor unserm Fenster. 2. Hr. Nicht ein solcher, mein Kind, aber auch er zeigt das Wetter an, er ist die Einheit in der Allheit, der einsame Mittelpunkt in dem einsamen Kreis. 1. Hr. Ja er ist das Gemüth, das Herz, die Reflexion des ganzen Bildes in sich und über sich. 2. Hr. Wie göttlich ist diese Staffage gewählt, sie ist nicht wie bei den ordinären Herren Malern ein bloßer Maaßstab für die Höhe der Gegenstände, er ist die Sache selbst, er ist das Bild, und indem er in diese Gegend wie in einen traurigen Spiegel seiner eignen Abgeschlossenheit hinein zu träumen scheint, scheint das schifflose einschließende Meer, das ihn wie sein Gelübde beschränkt, und das öde Sandufer, das freudenlos wie sein Leben ist, ihn wieder wie eine einsame von sich selbst weissagende Uferpflanze symbolisch hervorzutreiben. 1. Hr. Herrlich, gewiß, Sie haben recht; (zur Dame) aber meine Liebe, Sie sagen ja gar nichts. D. Ach, es war mir vor dem Bilde wie zu Haus, es rührte mich recht, es ist doch recht natürlich, und als Sie so sprachen, war mir grade so undeutlich, wie sonst, wenn ich mit unseren philosophischen Freunden am Meer spazieren ging, nur wünschte ich, daß eine frische Seeluft wehte und ein Segel herantriebe, und daß ein Sonnenblick niederglänzte und das Wasser rauschte; so ist mir’s als wie Alpdrücken und Sehnsucht nach dem Vaterland im Traum; kommt weiter, es macht mich traurig (ab.)

– Eine Dame und ein Führer. D. Es ist, als wenn das Meer Youngs Nachtgedanken hätte. Hr. Sie meinen, als wenn sie dem Kapuziner hineingefallen wären? D. Wenn Sie nur nicht immer spaßten und einem die Empfindung störten; Sie empfinden heimlich doch dasselbe, aber Sie wollen im Andern belachen, was Sie in sich verehren. Ich sage, es ist, als wenn das Meer Youngs Nachtgedanken hätte. Hr. Und ich sage ja, und zwar den Carlsruher Nachdruck, und das Bonnet de Nuit von Mercier dazu, und Schuberts Ansicht von der Natur von der Nachtseite oben ein. D. Ich kann Ihnen nicht besser antworten, als mit einer parallelen Anecdote: da der unsterbliche Klopstock zum Erstenmal in seinen Gedichten gesagt hatte, die Morgenröthe lächelt, sagte Madame Gottsched, indem sie es las: Was macht sie denn für ein Mäulchen? Hr. Gewiß kein so schönes wie das Ihre, indem Sie dieß sagen. D. Nun fallen Sie ins Fatale. Hr. Und Gottsched gab seiner Frau ein Mäulchen für das Bon Mot. D. Ich soll Ihnen wohl gar eine Nachtmütze für das Ihrige geben, aber Sie sind selbst eine. Hr. Nein, lieber eine Ansicht Ihrer Natur von der Nachtseite. D. Sie sind unartig. Hr. Ach, wenn wir da mit einander ständen, wie der Kapuziner steht. D. Ich ließe Sie und ginge zum Kapuziner. Hr. Und bäten Ihn, mich mit Ihnen zu copuliren. D. Nein, Sie ins Wasser zu werfen. Hr. Und blieben mit dem Pater allein und verführten ihn, und verdürben das ganze Bild, und seine Nachtgedanken; seht, so seyd ihr Weiber, ihr vernichtet am Ende doch, was ihr empfindet, ihr saget vor lauter Lügen die Wahrheit. O ich wollte, ich wäre der Kapuziner, der so ewig einsam hinüberschaut in das dunkle verheißende Meer, das wie eine Apokalypse vor ihm liegt, so wollte ich mich ewig sehnen nach Ihnen, liebe Julie, und Sie ewig vermissen, denn diese Sehnsucht ist doch die einzige herrliche Empfindung in der Liebe. D. Nein, nein, mein Lieber, auch in diesem Bilde; wenn Sie so reden, springe ich Ihnen nach ins Wasser und lasse den Kapuziner stehn (ab)

Während der ganzen Zeit hatte ein glimpflicher langer Mann mit einigen Zeichen von Ungeduld zugehört, ich trat ihm etwas auf den Fuß und er antwortete mir als ob ich ihn dadurch um seine Meinung befragt hätte. Es ist gut, daß die Bilder nicht hören können, sie hätten sich sonst schon längst verschleiert; die Leute gehen gar zu unzüchtig mit ihnen um und sind fest überzeugt, sie ständen hier wegen eines geheimen Verbrechens am Pranger, das sie Zuschauer durchaus entdecken müssen. – Aber, was meinen Sie denn eigentlich von dem Bilde? fragte ich. – Es freut mich, sagte er, daß es noch einen Landschaftsmaler gibt, der auf die wunderbaren Conjuncturen des Jahres und Himmels achtet, die auch in der ärmsten Gegend die ergreifendste Wirkung hervorbringen, – es wäre mir aber freilich lieber, wenn dieser Künstler außer dem Gefühl dafür auch die Gabe und das Studium hätte, es in der Darstellung wahr wiederzugeben, und in dieser Hinsicht steht er eben so weit hinter einigen Holländern zurück, die ähnliche Gegenstände gemalt haben, als er sie in der ganzen Gesinnung, worin er aufgefaßt, übertrifft, es würde nicht schwer seyn, ein Dutzend Bilder zu nennen, wo Meer und Ufer und Kapuziner besser gemalt sind. Der Kapuziner erscheint in einer gewissen Entfernung wie ein brauner Fleck, und wenn ich durchaus einen Kapuziner hätte malen wollen, so hätte ich ihn lieber schlafend hingestreckt oder betend oder schauend in aller Bescheidenheit nieder gelegt, damit er den Zuschauern, denen das weite Meer doch offenbar mehr Eindruck macht als der kleine Kapuziner, nicht die Aussicht verdürbe; wer später sich nach den Küstenbewohnern umsähe, fände immer noch in dem Kapuziner alle Veranlassung, das auszusprechen, was mehrere der Zuschauer in einer überschwenglich allgemeinen Vertraulichkeit allen laut mitgetheilt haben.

Diese Rede gefiel mir so wohl, daß ich mich mit demselben Herrn sogleich nach Hause begab, wo ich mich noch befinde und in Zukunft anzutreffen seyn werde.



Text von Kleist überarbeitet

Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft.


Herrlich ist es, in einer unendlichen Einsamkeit am Meeresufer, unter trübem Himmel, auf eine unbegränzte Wasserwüste, hinauszuschauen. Dazu gehört gleichwohl, daß man dahin gegangen sei, daß man zurück muß, daß man hinüber mögte, daß man es nicht kann, daß man Alles zum Leben vermißt, und die Stimme des Lebens dennoch im Rauschen der Fluth, im Wehen der Luft, im Ziehen der Wolken, dem einsamen Geschrei der Vögel, vernimmt. Dazu gehört ein Anspruch, den das Herz macht, und ein Abbruch, um mich so auszudrücken, den Einem die Natur thut. Dies aber ist vor dem Bilde unmöglich, und das, was ich in dem Bilde selbst finden sollte, fand ich erst zwischen mir und dem Bilde, nehmlich einen Anspruch, den mein Herz an das Bild machte, und einen Abbruch, den mir das Bild that; und so ward ich selbst der Kapuziner, das Bild ward die Düne, das aber, wo hinaus ich mit Sehnsucht blicken sollte, die See, fehlte ganz. Nichts kann trauriger und unbehaglicher sein, als diese Stellung in der Welt: der einzige Lebensfunke im weiten Reiche des Todes, der einsame Mittelpunct im einsamen Kreis. Das Bild liegt, mit seinen zwei oder drei geheimnißvollen Gegenständen, wie die Apokalypse da, als ob es Joungs Nachtgedanken hätte, und da es, in seiner Einförmigkeit und Uferlosigkeit, nichts, als den Rahm, zum Vordergrund hat, so ist es, wenn man es betrachtet, als ob Einem die Augenlieder weggeschnitten wären. Gleichwohl hat der Mahler Zweifels ohne eine ganz neue Bahn im Felde seiner Kunst gebrochen; und ich bin über48zeugt, daß sich, mit seinem Geiste, eine Quadratmeile märkischen Sandes darstellen ließe, mit einem Berberitzenstrauch, worauf sich eine Krähe einsam plustert, und daß dies Bild eine wahrhaft Ossiansche oder Kosegartensche Wirkung thun müßte. Ja, wenn man diese Landschaft mit ihrer eignen Kreide und mit ihrem eigenen Wasser mahlte; so, glaube ich, man könnte die Füchse und Wölfe damit zum Heulen bringen: das Stärkste, was man, ohne allen Zweifel, zum Lobe für diese Art von Landschaftsmahlerei beibringen kann. – Doch meine eigenen Empfindungen, über dies wunderbare Gemählde, sind zu verworren; daher habe ich mir, ehe ich sie ganz auszusprechen wage, vorgenommen, mich durch die Aeußerungen derer, die paarweise, von Morgen bis Abend, daran vorübergehen, zu belehren.

Erklärung von Kleist in den Berliner Abendblättern (Nr. 19, 22. 10. 1810, S. 78)

„Der Aufsatz Hrn. L.[udwig] A.[chim] v. A.[rnims] und Hrn. C.[lemens] B.[rentanos] über Hrn. Friedrichs Seelandschaft (S. 12te Blatt.) war ursprünglich dramatisch abgefaßt; der Raum dieser Blätter erforderte aber eine Abkürzung, zu welcher Freiheit ich von Hrn. A. v. A.[rnim] freundschaftlich berechtigt war. Gleichwohl hat dieser Aufsatz dadurch, daß er nunmehr ein bestimmtes Urtheil ausspricht, seinen Charakter dergestalt verändert, daß ich, zur Steuer der Wahrheit [...] erklären muß: nur der Buchstabe desselben gehört den genannten beiden Hrn.; der Geist aber, und die Verantwortlichkeit dafür, so wie er jetzt abgefaßt ist, mir. H. v. K.“

Caspar David Friedrich Kalender am 8. September 2017: Blaues Band

Caspar David Friedrich: Frühling. Um 1826, Sepia,
19,1 x 27,3 cm Hamburger Kunsthalle

Am 8. September 1804 wurde Eduard Friedrich Mörike in LudwigsburgHerzogtum Württemberg geboren. Dem Lyriker der Schwäbischen Schule war mit seinem berühmten Frühlingsgedicht der Vergleich zu Caspar David Friedrichs Frühlingsbildern fast immer sicher, verbindet doch beide im Geiste das Blaue Band der Romantik.



Er ist's 

Frühling läßt sein blaues Band 
Wieder flattern durch die Lüfte; 
Süße, wohlbekannte Düfte 
Streifen ahnungsvoll das Land. 
Veilchen träumen schon, 
Wollen balde kommen. - 
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! 
Dich hab' ich vernommen! 

Mittwoch, 6. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 7. September 2017: Schüler August

August Heinrich: Felsenschlucht im Uttewalder Grund in der Sächsischen
Schweiz, 1820, Öl auf Leinwand, 52 x 42 cm, Belvedere, Wien

Caspar David Friedrich schrieb am 7. September 1820 einen Empfehlungsbrief für seinen Schüler August Heinrich (1794-1822). Die Lehrer der Dresdner Kunstakademie waren aufgefordert, ihre Schüler für eine Gratifikation vorzuschlagen. Mit dem Bild Felsenschlucht im Uttewalder Grund in der Sächsischen Schweiz bewarb sich Heinrich. Friedrich lobte die liebevolle und treue Nachahmung der Natur, dazu kommen müsse jedoch, dass Geist und Gefühl damit angeregt werden.

Dienstag, 5. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 6. September 2016: Frische Gans zu Dürers Geburtstag

Caspar David Friedrich: Die "Kleine Gans" im Elbsandsteingebirge,
1826, Aquarell, 26,4 x 22,8 cm, Museum Behnhaus Drägerhaus Lübeck

Caspar David Friedrich fertigte vermutlich im September 1826  das Aquarell von der Kleinen Gans im Elbsandsteingebirge bei Dresden. Ein Aquarell mit so frischen Farben und Detailgebung mit dem spitzen Pinsel ist bei Friedrich eher selten. Es wird angenommen, dass dieses Bild für das Dürer-Stammbuch gedacht war. Berücksichtigt in dem Stammbuch wurde allerdings eine andere Arbeit des Malers.

Zur Feier des 300. Todestags Albrecht Dürers am 6. April 1828 rief der Nürnberger Kunstschuldirektor Albert Christoph Reindel (1784-1853) im Jahr 1826 die deutschsprachigen Künstler auf, zu Ehren Dürers Arbeiten für ein Stammbuch einzureichen. Diesem Ruf folgten 57 Künstler mit 130 Werken. Durch nachträglich eingegangene Arbeiten erhöhte sich die Zahl letztlich auf 291.

Montag, 4. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 5. September 2017: Zum Geburtstag in den Dom

Taufstein im Greifswalder Dom, Foto: Kerstin Heßelmann

Caspar David Friedrich wurde am 5. September 1774 in Greifswald geboren und zwei Tage später im Dom St. Nikolai getauft. Zum 242. Geburtstag des Malers werfen wir einen Blick in den Dom. Aus dieser Zeit erinnert nicht mehr viel an die Kirchenausstattung dieser Zeit. Das Kircheninnere wurde zwischen 1823 und 1832 grundlegend erneuert. Auch den alten Taufstein, an dem Friedrich getauft wurde, gibt es nicht mehr und dennoch hat der Maler mit diesem neuen aus dem Jahr 1832 zutun. Er wurde von seinem Bruder, dem Kunsttischler Christian Adolf Friedrich, gefertigt. Es gilt als sicher, dass der Maler dem Bruder bei der Gestaltung beratend zu Seite stand, wie er das bei anderen Entwurfsarbeiten auch getan hat.

Greifswalder Dom, Foto: Greifen, wikipedia

Caspar David Friedrich Kalender am 4. September 2017: Junggesellenabschied vor Rügen

Caspar David Friedrich: Abschied. 1818, Öl auf Leinwand,
21 x 29,5 cm, 1931 im Münchner Glaspalast verbrannt

Am 4. September 1818 ist der Philosoph und Theologe Friedrich Schleiermacher bei Caspar David Friedrich in Dresden zu Besuch. Der Maler führt Schleiermacher aus diesem Anlass durch die gerade stattfindende Akademieausstellung, in der u. a. Friedrichs Gemälde Abschied gezeigt wird. Es wäre spannend zu wissen, wie Friedrich dieses Bild kommentierte. Vielleicht sagte er dazu nichts, wie er es fast immer handhabte. Es ist anzunehmen, dass der Künstler mit diesem Gemälde unmittelbar vor seiner Hochzeit den Junggesellenabschied von seiner geliebten Julia inszeniert.

Die Frau auf dem Stein am Ufer scheint mit der Frau vor der untergehenden Sonne durch Kleidung im altdeutschen Stil und der Frisur identisch. Sie winkt mit ihrem Taschentuch der Besatzung eines Segelbootes hinterher. Die Szene wirkt auf den Betrachter derart suggestiv, dass schon der Rezensent der Dresdner Ausstellung im August 1818 nicht umhin kommt, in dem Gruß ein Lebewohl für den „scheidenden Geliebten“ zu deuten. Die Darstellung der Abschieds-Geste erzwingt eine Seitenansicht der Person, die ein Stück weiter erkennbar wird. Die Unendlichkeit des Meereshorizontes signalisiert die Unmöglichkeit der Rückkehr des davonfahrenden Bootes. Das Bild ist wohl kurz vor Friedrichs Hochzeit, also in der zweiten Hälfte des Jahres 1817 entstanden. Wir können es als Friedrichs Abschied von seiner Beziehung zu Julia Krämer deuten.

In der Reallandschaft zeigt das Bild den Blick vom Greifswalder Bodden, etwa auf der Höhe Lubmin, auf die Insel Rügen.

Es gibt von diesem Bild keine farbliche Darstellung mehr (und noch keine Farbrekonstruktion), da es am 6. Juni 1931 beim Brand im Münchner Glaspalast vernichtet wurde. 

Sonntag, 3. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 3. September 2017: Kindheitserinnerung Heuernte

Caspar David Friedrich: Rast bei der Heuernte. 1834, Öl auf Leinwand.
72,5 x 102 cm, Kriegsverlust 1945 auf Schloss Wesenstein

Caspar David Friedrich malte das Bild Rast bei der Heuernte vermutlich im September 1834. Es war sein letztes Gemälde, bevor ihn ein Schlaganfall die Arbeit erschwerte. Das Bild zeigt drei Bäuerinnen bei der Heuernte vor der Kulisse der Ruine Burg Landskron in Vorpommern. Man kann davon ausgehen, dass es sich hier bei dem Maler im Alter um eine Kindheitserinnerung handelt. Die Haushälterin der Familie in Greifswald, Mutter Heiden, stammte aus dem Dorf Iven nahe der Burg und war mit den Kindern hin und wieder zu den Verwandten gereist. Für Friedrich war die Ruine auch eine Landmarke. Auf dem Weg von Greifswald nach Neubrandenburg durchquerte er dort den großen Landgraben.

Veste Landskron, Foto: Ronny Krüger, wikipedia

Freitag, 1. September 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 2. September 2017: Septemberbild

Caspar David Friedrich: Riesengebirgslandschaft. Um 1810, Öl auf
Leinwand, 45 x 58,3 cm, Museum der Bildenden Künste Moskau

Einige Gemälde Caspar David Friedrichs kann man als Septemberbilder bezeichnen. Die Motive halten einen Naturzustand dieses Monats fest, in dem das Laub der Bäume noch grün ist und die Felder nach der Ernte umgepflügt sind. Diesen kräftigen Farben war der Maler sehr zugeneigt. Dazu gehört das um 1810 entstandene Gemälde Riesengebirgslandschaft. Dargestellt ist der Blick vom Landhausgarten in Warmbrunn (Cieplice Śląskie-Zdrój) zur Vorgebirgspartie von Saalberg, zum Silberkamm links, zur kleinen Sturmhaube in der Mitte und zur Mädelsenke rechts. Allerdings sind wie so oft die Bergzüge erheblich aufmodelliert und erscheinen dadurch wesentlich höher als in der Natur.

Caspar David Friedrich Kalender am 1. September 2017: Überraschende Idylle

Caspar David Friedrich: Der Morgen im Gebirge. 1823,
Öl auf Leinwand, 135 x 170 cm, Eremitage St. Petersburg

Caspar David Friedrich erwähnt in einem Brief vom 1. September 1823 an seinen Bruder Christian in Greifswald eine Dresdner Ausstellung, auf der unter anderem sein Gemälde Der Morgen im Gebirge gezeigt wurde. Dieses Gebirgsbild ist eines der Ausnahmen im Gesamtwerk, bei der mit der Hirtenstaffage eine für den Maler untypische Idylle gezeigt wird. Allerdings soll diese Idee auf den biedermeierlichen Friedrich-Freund Georg Friedrich Kersting zurückgehen.

Donnerstag, 31. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 31. August 2017: Der Ludwigsburger Pfeifenraucher

Caspar David Friedrich: Pfeifenraucher. 10. Juni 1802,
Feder, 11,8 x 10,2 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum

Friedrich August von Klinkowström wurde am 31. August 1778 Ludwigsburg bei Greifswald geboren. Der Pädagoge, Maler, Schriftsteller und preußischer Offizier war ein Freund der Romantiker Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge. Friedrich porträtierte Klinkowström am 10. Juni 1802 als Pfeifenraucher während der Hochzeit des Neubrandenburger Pastors Franz Christian Boll. Zu dieser Zeit hatte Klinkowström gerade seinen Abschied als Offizier vom preußischen Militär genommen und widmete sich in Dresden ganz der Malerei.Im Schloss Ludwigsburg, in dem Klikowström lebte, gibt es eine kleine Ausstellung zu den drei pommerschen Romantikern.

Schloss Ludwigsburg, Foto: Chron-Paul, CC-BY-SA-3.0

Philipp Otto Runge: Friedrich August von Klinkowström. 1808,
Öl auf Leinwand, 64 × 48 cm, Kunsthistorisches Museum Wien

Dienstag, 29. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 30. August 2017: Zwölf mal hat das kleine Wesen schon genießt

Caspar David Friedrich: Der Abendstern. 1835, Öl auf Leinwand,
32,5 x 45 cm, Freies Deutsches Hochstift Frankfurt am Main

Caspar David Friedrich ist am 30. August 1819 zum ersten Mal Vater. Seine Tochter Emma Johanna wurde in Dresden geboren. Emma heiratete 1838 Johann Andreas Robert Krüger. Der Maler schreibt am Abend der Geburt an seinen Bruder in Neubrandenburg.

Lieber Bruder Johann,

Eben schlägt es 12 Uhr es ist Mitternachtsstunde. Es ist alles stille um mich her, nur von Zeit zu Zeit schreit ein kleines Kind. Diesen Abend um 1/4 auf 10 gebahr meine Liena ein klein wohlgestaltetes Mädchen. Um 7 Uhr Abends strickte sie noch an einem Strumpf. Die Wehen folgten schnell aufeinander und mochten wohl heftig seyn, denn sie schrie einige mal sehr laut, daß es die Leute wohl auf der Gasse haben hören können; doch in den Zwischenräumen lachte sie und bat mich mich nur nicht zu ängstigen. Die Mutter scheint in diesem Augenblick zu schlafen und auch das Kind. Zwölf mal hat das kleine Wesen schon genießt und schrie und das recht laut in der selben Minute als es geboren war. Jetzt ist das Kind wieder wach und schreit und nießt und macht sich immer frei mit den kleinen Händen. Dies ist die wahrhafte und treu Lebensgeschichte des kleinen Mädchens ohne Nahmen. Der Nahme Johanna Clara ist ihr zugedacht. Unser Bruder Adolf steht gefatter und meine Schwiegermutter und die Frau des Bruders meiner Schwiegermutter.
Mache du die Niederkunft meiner Frau der ganßen Familie und auch den in Breesen bekannt [...]

Das Gemälde Der Abendstern zeigt Friedrichs Frau, Tochter und Sohn auf einem Hügel vor Dresden.

Caspar David Friedrich Kalender am 29. August 2017: Billige Neubrandenburger Wölfe

Caspar David Friedrich: Wölfe im Wald vor einer Höhle (Wolfsschlucht).
1798, Öl auf Leinwand (doubliert). 46 x 58,5 cm, Privatbesitz

Fundstück im AugustCaspar David Friedrichs Gemälde Wölfe im Wald vor einer Höhle gehört zu jenen frühen Gemälden, deren Zuschreibung immer mal wieder angezweifelt wird. Das hatte sich auch bei der Versteigerung des Bildes 2015 in einer Auktion des Kunsthauses Lempertz gezeigt. Statt des vergleichsweise schon niedrigen Schätzpreis von 120.000,00 Euro ging das Gemälde an einen Bieter für lediglich 85.000 Euro.

Das Bild soll ein Geschenk des Künstlers an seinen Bruder Johann Samuel Friedrich in Neubrandenburg gewesen sein und sich bis 1928 in der Familie Friedrich befunden haben.

Weitere Informationen hier 

Sonntag, 27. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 28. August 2017: Friedrichs erstes Textbild

Caspar David Friedrich: Ideale Gebirgslandschaft mit Wasserfall.
Um 1793, Sepia, Deckfarbe auf Papier, 50,1 x 69,8 cm, Essen, Privatbesitz

Joseph Wright of Derby starb am 28 August 1797 im Alter von 62 Jahren. Was hat der englische Maler mit Caspar David Friedrich zu tun?

Friedrich konnte nicht wissen, dass seine Kunstepoche einmal die der Romantik genannt würde. Gleichwohl stand am Anfang seiner Kunst der Begriff des Romantischen oder auch des Romanhaften, wie es im späten 18. Jahrhundert hieß. Vermutlich noch bevor der Maler die Akademie in Kopenhagen besuchte, entstand seine erste Landschaft mit dem Titel Ideale Gebirgslandschaft mit Wasserfall, datiert auf das Jahr 1793. 
Lange galt die Annahme, dass es sich bei der Sepia um die Darstellung des Amselfalls im Amselgrund in der Sächsischen Schweiz handelt. Jetzt aber stellt sich heraus, diese Landschaft ist nach einem Text aus dem Buch Theorie der Gartenkunst von Christian Cay Lorenz Hirschfeld aus dem Jahr 1785 gearbeitet. Dort wird das Beispiel einer romantischen Landschaft in dem berühmten Tal von Dovedale im englischen Derbyshire beschrieben. 
Friedrich, der nie in England gewesen ist, war offenbar gefesselt von diesem Plot. Das romantische Tal zog im 18. Jahrhundert viele Künstler an, zum Beispiel Joseph Wright of Derby, von dem das Gemälde Dovedale bei Mondlicht stammt. So sind wir heute in der Lage Friedrichs Bildkonstruktion aus einem Text, neben ein vor der Natur gemalten Bild und die Reallandschaft zu stellen. Später sind noch weitere Textbilder entstanden, wie Der Abend oder Das große Gehege

Joseph Wright of Derby: Dovedale bei Mondlicht. Um 1785, Öl auf Leinwand,
46 x 66 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Ausschnitt der Reallandschaft: Derbyshire, Dovedale,
Lion Rock, Foto: Old UK Photos.com

Samstag, 26. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 27. August 2017: Uttewalder Schattenspiel

Caspar David Friedrich: Das Felsentor im Uttewalder Grund.
Um 1801, Sepia, 70,6 x 50 cm, Museum Folkwang Essen

Caspar David Friedrich zeichnete Ende August 1800 bei einer Wanderung zusammen mit dem Neubrandenburger Pastor Franz Christian Boll in der Sächsischen Schweiz bei Dresden das Felsentor im Uttewalder Grund. Daraus entstand diese großformatige Sepia, in der im Gegenlicht zur das Schattenspiel mit zwei Figuren inszeniert.

Das Felsentor ist bei einer Nationalparkwanderung zu besichtigen. Informationen hier.
Auch das Wandern auf dem Malerweg führt am Felsentor vorbei.

Freitag, 25. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 26. August 2017: Caspar David Friedrich Tag in Greifswald



Heute, am 26. August 2017, ist Caspar David Friedrich Tag in Greifswald

Jedes Jahr am letzten Wochenende im August zeigt sich Greifswald von seiner romantischen Seite und lädt Einheimische und Besucher zu einer Zeitreise in die Epoche der Romantik ein. Das historische Stadtfest widmet sich dem berühmtesten Sohn der Stadt, dem romantischen Maler Caspar David Friedrich, und lockt mit Jahrmarkttreiben, nostalgischer Musik und altem pommerschen Kunsthandwerk.

Programm hier

Caspar David Friedrich Kalender am 25. August 2017: Disqualifiziert und doch gewonnen

Caspar David Friedrich: Wallfahrt bei Sonnenuntergang. 1805,
Bleistift, Sepia, 40,5 x 62 cm, Weimar, Staatliche Kunstsammlungen

Am 25. August 1805 reicht Caspar David Friedrich die beiden Sepien Wallfahrt bei Sonnenuntergang und Sommerlandschaft mit abgestorbener Eiche für den Wettbewerb der Weimarer Kunstfreunde ein. Dafür erhält er die Hälfte des ersten Preises. Diese Auszeichnung war der erste nennenswerte Erfolg des Malers. Kurios an der Angelegenheit ist die Tatsache, dass sich Friedrich augenscheinlich nicht an die von Goethe und Heinrich Meyer gestellte Preisaufgabe hielt. Die Ausschreibung des Wettbewerbs sah  die Darstellung von Fabeln und Sagen über den Herkules vor. Damit war Friedrich eigentlich disqualifiziert. Goethe soll persönlich entschieden haben, dass dem Dresdner Maler ex aequo die Hälfte des Preisgeldes zugesprochen wird. Die anderen Wettbewebsteilnehmer zeigten sich empört. Wenn man aber die von Friedrich dargestellte Geschichte von den Fischern und den Mönchen am Tollensesee bei Neubrandenburg erzählt, gibt es deutliche Parallelen zur Sage, in der Herkules den Augias-Stall reinigt. Goethe hatte vielleicht mehr gewusst, als er zur Preisverleihung verkündete.
Das Wallfahrt-Blatt zeigt den Ort des Belvedere am Nordufer des Tollensesee, der im Mittelalter Prozessionsort der Prämonstratensermönche des Klosters Broda war. Die Sommerlandschaft zeigt den Ausichstpunkt bei Alt Rehse am Tollensesee.

Caspar David Friedrich: Sommerlandschaft mit abgestorbener Eiche.
1805, Bleistift, Sepia, 40,5 x 62 cm. Weimar, Staatliche Kunstsammlungen

Mittwoch, 23. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 24. August 2017: Friedrich in den Gazetten

Caspar David Friedrich: Zwei Männer bei Mondaufgang am Meer.
Um 1835, Sepia, 24,5 x 34,5 cm, Eemeritage St. Petersburg

In den Zeiten, da Caspar David Friedrich in Dresden als prominenter Maler galt, war er auch Thema in den Unterhaltungsblättern, die, wie das auch heute der Fall ist, über ihn Mutmaßungen oder Null-Nachrichten verbreiteten, die mit dem realen Geschehnissen wenig bis gar nichts zu tun hatten. Friedrich kam von einer Reise aus Greifswald und Neubrandenburg nach Dresden zurück. Ein anonymer Schreiber berichtet am 24. August 1809 den Lesern der Zeitung für die elegante Welt, der Maler 

[...]war diesen ganzen Sommer auf einer Ulyssischen Wanderschaft begriffen [...] Er ist aufgeheitert zurückgekommen. Er hat ja das Meer gesehen, dessen Anblick ja so gut reinigt und beruhigt, als nach Aristoteles Definition die Tragödie. Ich wollt, sie hätten die zwei Miniaturen von seinem Pinsel sehen können [...] In solchen Szenen, wo Grab und Wiedererstehen, Leben und Tod, Erstarrung und Erwärmung miteinander im Kampf liegen, wo über dem Verödeten und Vergänglichen das belebende und Ewigdauernde siegreich, wie der Gedanke über dem Stoff schwebt, ist unser F. ein unübertroffener Meister.

Bei dem Maler wird da schon nicht mehr zwischen Leben und Kunst unterschieden, seine Bilder als die Verstrickung des Einen in dem Anderen wahrgenommen. Der Autor dieser Zeilen ahnt nicht einmal ansatzweise von Friedrichs Erlebnissen in Mecklenburg und Schwedisch Pommern.

Caspar David Friedrich Kalender am 23. August 2017: Friedrich als Jesus in Madrid

Caspar David Friedrich: Ostermorgen. Um 1835, Öl auf Leinwand,
43,7 x34,4 cm, Madrid, Museum Thyssen- Bornemisza
Neben den Museen mit bedeutenden Werken von Caspar David Friedrich in den Sammlungen, sind auch weniger bekannte Standorte für Friedrich-Fans interessant. Wer im August in Madrid Ferien macht, kann das Museum Thyssen- Bornemisza im Palacio de Villahermosa in Madrid besuchen, unweit des Prado gelegen. Dort befindet sich das um 1835 entstandene Gemälde Ostermorgen

In dem Bild hat Caspar David Friedrich die Frauen seines Lebens versammelt. Hier inszeniert der Maler seinen eigenen Tod. Dazu benutzt er die biblischen Historie. Drei Frauen, Mariengestalten, gehen am Ostermorgen zum Grab Christi und finden es leer vor. Diese Frauen sind Maria Magdalena und Maria, Mutter des Jakobus, sowie Salome. In christlich-gnostischen Schriften werden Salome und Maria Magdalena zu den Jüngerinnen Jesu gerechnet. Auf Friedrichs Verhältnisse übertragen sind die beiden Jügerinnen als die beiden Frauen in seinem Leben zu deuten, die er im Geiste verehrte: Caroline Bardua und Juliane Kramer. Nur die ihm angetraute Caroline trägt Trauerkleidung. 

Dienstag, 22. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 22. August 2017: Friedrichs Gift (giveaway)

Caspar David Friedrich: Segelschiffe und Boote am Strand.
um 1818, Feder, 21,8 x 17,9 cm, Privatbesitz
Künstler verschenken ihre Bilder zu bestimmten Anlässen oder als Freundschaftsbeweis. Bei Caspar David Friedrich kam das, so weit man das weiß, höchst selten vor. Die Zeichnung Segelschiffe und Boote am Strand, die vermutlich im August 1818 entstand, ist das einig bekannte Bild, das erkennbar als so ein giveaway diente. Der Beschenkte, ein gewisser A. V. Enders, Zeichenlehrer bei dem Grafen Schönborn-Wiesentheid auf Schloss Schönborn in Heusenstamm, hält diese Bestimmung am unteren Bildrand fest.

Montag, 21. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 21. August 2017: Tod und Morgenrot beim Königsstuhl

Caspar David Friedrich: Stubbenkammer (Königsstuhl). 20. Juni 1801,
Feder in Braun, 23,5 x 36,6 cm, Museum der bildenden Künste Leipzig

Am 21. August 1838 starb Adelbert von Chamisso in Berlin. Der 1781 in Frankreich geborene Naturforscher und Dichter gehörte zu jenen Schriftstellern, die sich durch Caspar David Friedrichs frühe Rügenbilder für die Insel begeistern ließen. So entstand das wohl schönste Gedicht zum Königsstuhl Die Jungfrau von Stubbenkammer.

Ich trank in schnellen Zügen
Das Leben und den Tod
Beim Königsstuhl auf Rügen
Am Strand im Morgenrot.

Ich kam am frühen Tage
Nachsinnend einsam her,
Und lauscht' dem Wellenschlage,
Und schaute übers Meer.

Wie schweifend aus der Weite
Mein Blick sich wieder neigt,
Da hat sich mir zur Seite
Ein Feenweib gezeigt.

An Schönheit sondergleichen,
Wie nimmer Augen sah'n,
Mit gold'ner Kron' und reichen
Gewändern angethan.

Sie kniet' auf Felsensteinen,
Umbrandet von der Flut,
Und wusch, mit vielem Weinen,
Ein Tuch, befleckt mit Blut.

Umsonst war ihr Beginnen,
Sie wusch und wusch mit Fleiß,
Der böse Fleck im Linnen
Erschien doch nimmer weiß.

Da sah sie unter Thränen
Mich an, und bittend fast;
Da hat ein heißes Sehnen
Mich namenlos erfaßt.

»Gegrüßet mir, du blendend,
Du wundersames Bild.« – –
Sie aber, ab sich wendend,
Sprach schluchzend aber mild:

»Ich weine trüb' und trüber
Die Augen mir und blind;
Gar Viele zieh'n vorüber,
Und nicht ein Sonntagskind.

Nach langem, bangen Hoffen
Erreichst auch du den Ort –
O hättest du getroffen
Zum Gruß das rechte Wort!

Hätt'st du Gott helf'! gesprochen,
Ich wär erlöst und dein,
Die Hoffnung ist gebrochen,
Es muß geschieden sein!« –

Da stand sie auf, zu gehen,
Das Tuch in ihrer Hand,
Und wo die Pfeiler stehen,
Versank sie und verschwand.

Ich trank in schnellen Zügen
Das Leben und den Tod
Beim Königsstuhl auf Rügen
Am Strand im Morgenrot.

Samstag, 19. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 20. August 2017: Gartenlaube im Hopfenfeld

Caspar David Friedrich: Gartenlaube. 1818, Öl auf
Leinwand, 30 x 22 cm, München, Neue Pinakothek

Caspar David Friedrich zeichnete am 20. August 1818 auf seiner Hochzeitsreise in Greifswald zwei Frauen in einer Gartenlaube mit Blick auf die Nikolaikirche. Zurück in Dresden entstand aus eben dieser Studie das Gemälde Gartenlaube. Aus der stehenden Frau wurde ein Mann, aus den Blattandeutungen fein ausgearbeitete Hopfenpflanzen und aus der barocken Kirche eine gotische. Das Motiv ist als ein Gedächtnisbild für den 1818 verstorbenen Neubrandenburger Pastor Franz Christian Boll mit seiner Frau Friederike zu interpretieren, dessen größter Wunsch der Umbau des barocken Turms der Neubrandenburger Marienkirche zu einem gotischen gewesen ist. Boll besaß eine Gartenlaube inmitten der Hopfenfelder vor dem Treptower Tor. Von dieser Gartelaube aus konnte man die Marienkirche in exakt dieser Position sehen.
Die Zeichnung ist die einziger dieser Art, an der man bei Friedrich von der Skizze zum Gemälde den Entstehungsprozess als geplant nachverfolgen kann, mit dem Austausch von Landschaft und Personal, Ort und Bedeutung.


Caspar David Friedrich: Blick aus einer Laube auf die
Nikolaikirche in Greifswald. 20. August 1818, Bleistift,
19,7 x 12,4 cm, Dresden, Kupferstichkabinett

Freitag, 18. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 19. August 2017: Die Raben von Paris

Caspar David Friedrich: Rabenbaum. Um 1822,
Öl auf Leinwand, 54 x 71 cm, Paris, Louvre

Neben den Museen mit bedeutenden Werken von Caspar David Friedrich in den Sammlungen, sind auch weniger bekannte Standorte für Friedrich-Fans interessant. Wer in Paris Ferien macht, wird sicher den Louvre besuchen. Dort befindet sich seit 1974 das Gemälde Der Rabenbaum, das um 1822 entstanden sein soll. Der Kunsthändler Peter Nathan hatte das Bild an das Museum verkauft. Das Motiv bietet einen Blick auf ein bronzezeitliches Kegelgrab am Südende des Tollensesees bei Neubrandenburg. Der Rabenbaum ist das einzige Bild des Malers in dem Pariser Museum. Krähen, blattlose Eiche und Baumstümpfe sind als Todessymbole deutbar.