Samstag, 12. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 12. August 2017: Hutmode Rügen anno 1815

Caspar David Friedrich: Kate mit
Schilfdach und Erntehaube. 9./12.
August 1815, Bleistift, 17,7 x 11,3 cm,
Nationalmuseum Oslo

Bei seiner Rügenreise im Jahr 1815 zeichnete Caspar David Friedrich am 12. August sehr detailliert eine Erntehaube, die auf das Ende einer Stange gestülpt ist. Diese Haube war in dieser Zeit auf der Insel Rügen die Kopfbedeckung der Bäuerinnen während der Getreideernte und schütze vor allem vor der Sonne. In einer größeren Anzahl von Zeichnungen gibt der Maler in dokumentarischer Qualität Einblicke in das bäuerliche Leben seine Zeit.

Freitag, 11. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 11. August 2017: Um Kopf und weißen Kragen gemalt

Caspar David Friedrich: Zwei Männer beim Betrachten des Mondes.
Um 1819, Öl auf Leinwand, 35 x 44 cm, Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister
Am 11. August 1778 wurde Friedrich Ludwig Jahn geboren. In Caspar David Friedrichs Bildwelt ist sein Name sogar Teil eines Gemäldes, nämlich Huttens Grab. Auf den Feldern der vorderen Sarkophagwand steht in kleiner Schrift: Jahn 1813“, „Arndt 1813“, „Stein 1813“, „Görres 1821“, „D … 1821“ und „F. (sic) Scharnhorst. Als Bestandteil des Bildpersonals kann man den als Turnvater Jahn bekannten Herrn in dem Gemälde Zwei Männer beim Betrachten des Mondes entdecken. Hier steht Jahn mutmaßlich neben Franz Christian Boll. Beide Männer waren mit Caspar David Friedrich befreundet. Ihre Lebenswege kreuzten sich in den Jahren 1803 bis 1805 in Neubrandenburg. Jahn war in dem Gemälde letztlich identifizierbar, weil der Maler in dem durchgängig dunkel lasiertem Bild, der linken Figur einen reinweißen Kragen unter den Kopf malte. Ein solcher weißer Kragen war ein Leben lang das Markenzeichen des Turnvaters.

Caspar David Friedrich: Zwei Männer beim Betrachten des Mondes.
Um 1819, Öl auf Leinwand, 35 x 44 cm, Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister

Friedrich Ludwig Jahn, um 1852


Mittwoch, 9. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 10. August 2017: Wie die Christen verhöhnten

Caspar David Friedrich: Relief des Swantevit in der Kirche zu
Altenkirchen. Um 1815, Bleistift, 17,7 x 11,3 cm, Nationalmuseum Oslo

Caspar David Friedrich zeichnete bei seiner Rügenwanderung im Jahr 1815 um den 10. August den vermauerten Priesterstein oder Swantewitsteins im südlichen Seitenanbau des Chores der romanischen Kirche von Altenkirchen.

Nach heutiger Kenntnis handelt sich hier um einen aus Granit bestehenden Grabstein eines Swantewit­pries­ters von der Tempelburg auf Kap Arkona aus vorchristlicher Zeit. Friedrich musste noch annehmen, dass er das Abbild des Slawengottes vor sich hat und kann von der dazu überlieferten Demütigungs-Symbolik erfahren haben. Die ersten Christen von Rügen bauen den Grabstein waagerecht in die Kirche ein, als Zeichen der Verhöhnung des entmachteten Gottes Swantewit! Eine der Christianisierungs-Erzählungen besagt, dass sich die Christen vor dem Gottesdienst einzeln und in Gruppen vor dem Stein versammeln, um ihn zu verhöhnen, sich also von dem „alten Gott“ lossagen und dann erst die Kirche zum Gottesdienst betreten. 

Die Aufschrift in Friedrichs Zeichnung Sanctus Vitus oder Svantevits bezieht sich auf die damals in Pommern weit verbreitete Ansicht, der wendische Götze Swantewit sei aus dem Heiligen Veit, einem der vierzehn Nothelfer, entstanden und die Einrichtung des Wendischen Götzendienstes nach dem Muster des christlichen Gottesdienstes vorgenommen worden. Wahrscheinlicher aber trifft die Überlieferung zu, dass christliche Missionare im 12. Jahrhundert anstelle des Swantewit den römischen Heiligen Sanctus Vitus setzen, um den neugetauften Bewohnern Rügens den Gottesdienst zu erleichtern. Der heilige Veit wird so zum Landespatron. Weil die Slawen ihrem Gott Swantewit Hühner opfern, stellt man Veit auf Bildern mit einem Hahn im Arm dar. 

Der Svantevitstein in der Kirche von Altenkirchen
auf der Insel Rügen. Foto: Lapplaender CC-BY-SA-3.0-DE

Dienstag, 8. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 9. August 2017: Das Drama der Schilfhütte

Caspar David Friedrich: Meeresstrand mit Fischer. 1807,
Öl auf Leinwand, 33,5 x 50,8 cm, Wien, Österreichische Galerie im Belvedere

Das am meisten dargestellte Artefakt in Caspar David Friedrichs Bilderwelt ist eine unscheinbare Schilfhütte am Strand. Wir wissen von der Zuordnung des Malers in einer Zeichnung aus dem August 1805, dass es sich um eine Hütte am Strand des Tollensesees südlich von Neubrandenburg handelt. Zu sehen ist die Schilfhütte auf Skizzen, Sepien und dem 1807 entstandenen Gemälde Meeresstrand mit Fischer. Was hat den Maler an diesem Landschaftsgegenstand so fasziniert? Offenbar die damit verbundene Historie.

Im Dreißigjährigen Krieg, am 15. März 1531, gilt dieser denkbar schmale Uferstreifen mit Schilfhütte als Schauplatz erbitterter Gefechte zwischen den kaiserlich-katholischen und und schwedisch-protestantischen Truppen, die weder in den See noch in den morastigen Bruch ausweichen können. Mit der Einnahme des legendären Aalhäuschens, von dem man noch bis ins späte 19. Jahrhundert den Kindern berichtete, entschied sich das blutige Schicksal der Stadt ... 

Noch im 20. Jahrhundert sortierten dort die Fischer Ihren Fang, wie ein Foto aus dem Regionalmuseum zeigt. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Bootsverleih. Friedrich erzählt mit seinen stillen Bildern oft dramatische Geschichten ...

 
Caspar David Friedrich: Neubrandenburger See mit Tollense.
1805, Bleistift, 23,5 x 39 cm. Berlin Kupferstichkabinett

Caspar David Friedrich: Neubrandenburger See mit Tollense. 1805,
Feder und Pinsel in Sepia, 25 x 39 cm, Leipzig, Museum der bildenden Künste
Caspar David Friedrich: Der Tollense-See bei Neubrandenburg.
Um 1806 oder 1838, Bleistift und Sepia, 25 x 39,5 cm. Kopenhagen, Königliche Bibliothek
Die Fischerhütte, die Caspar David Friedrich 1805 gezeichnet hat,
existierte 100 Jahre später immer noch. Gegenüber der Seehalle
links vom Oberbach sortierten die Fischer ihren Fang.
Foto: Regionalmuseum Neubrandenburg

Montag, 7. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 8. August 2017: Rügenlandschaft im Fadenkreuz

Caspar David Friedrich: Blick über den Neuensiner See auf die Granitz.
8. August 1815, Bleistift, 11,3 x 17,7 cm, Nationalmuseum Oslo

Caspar David Friedrich zeichnete auf seiner Rügenwanderung im Sommer 1815 am 8. August auf einer Anhöhe bei Moritzdorf den Blick über den Neuensiner See auf die Granitz. Solche Landschaftspanoramen erfasste er in der Zentralperspektive, wie das alle Maler in ihrer Ausbildung an den Akademien des 18. Jahrhunderts lernten, mit einem Fadengitter in unterschiedlicher technischen Ausprägung. Man kann übrigens noch heute den Standort des Malers einnehmen und mit Hilfe der Rasterung gut die Veränderungen in der Landschaft erkennen. Der Rückenmann im Vordergrund ist der Dresdner Münzmeister Friedrich Gotthelf Kummer, der mit dem Maler diese Reise unternahm. Allerdings verwendete Friedrich bei dieser Rügenwanderung eine Camera lucida, mit der er die Landschaft auf die Rasterung des Papieres übertrug.


Fadengitter, Vorrichtung zum perspektivischen Zeichnen (1710)

Caspar David Friedrich Kalender am 7. August 2017: Winterlandschaft im Sommerurlaub

Caspar David Friedrich: Winterlandschaft. 1811, Öl auf
Leinwand, 33 x 46 cm, Schwerin, Staatliches Museum

Neben den Museen mit bedeutenden Werken von Caspar David Friedrich in den Sammlungen, sind auch weniger bekannte Standorte für Friedrich-Fans interessant. Wer in Schwerin Ferien macht, kann das Staatliche Museum Schwerin besuchen. Dort befinden sich die 1811 entstandenen Gemälde Winterlandschaft. Das als Gegenstück konzipierte Gemälde Winterlandschaft mit Kirche befindet sich im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte.

Caspar David Friedrich: Winterlandschaft mit Kirche. 1811, Öl auf
Leinwand, 33 x 45 cm. Dortmund, Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Sonntag, 6. August 2017

Caspar David Friedrich Kalender am 6. August 2017: Tetschener Altar nicht für Tetschen gedacht

Caspar David Friedrich: Das Kreuz im Gebirge
(Tetschener Altar). 1807, Öl auf Leinwand, 115 x
110,5 cm, Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister

Gräfin Brühl in einem Brief am 6. August 1808Das schöne Kreuz ist leider! Nicht zu haben! Der brave Norde hat es seinem König verehrt, und obwohl er keine Gelegenheit hat es ihm zukommen zu lassen, und bis dahin wohl auch noch einige andre Stücke verfertigen könnte, so will er es doch nicht geben.

Gemeint war mit dem Kreuz der Tetschener Alter von Caspar David Friedrich. Diesen Brief fand die Kunsthistorikerin Eva Reitharovà 1977 in tschechischen Archiven.

Seitdem ist klar, dass die Gräfin Brühl den Altar für ihr Schloss in Tetschen nicht in Aufrag gegeben hat, der dort im gräflichen Schlafzimmer aufgestellt war. Da Friedrich den Altar erklärtermaßen für eine Kapelle nach Aufmaß konzipierte, scheint die Kapelle im Schlosspark von Hohenzieritz der wahrscheinliche Ort, für den das gute Stück gedacht war. Eine Vermessung der Altarnische zeigt, dass diese Friedrichs Altar auf den Zentimeter genau aufnehmen könnte, einschließlich des im Depot der Dresdner Kunstsammlungen befindlichen Sockels in Höhe der Fußbodenleiste des Kirchenraumes.

Schlosskapelle in Hohenzieritz. Foto: PodracerHH CC-BY-SA-3.0